Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Adria macht Sorgen - neuer Ablass nötig

Adria macht Sorgen - neuer Ablass nötig

Als Anfang Juni das Hochwasser kam, wurden im Leipziger Südraum die Speicher geflutet. Die Talsperren und Speicherbecken haben den enormen Einstau gut verkraftet, er ist aber nicht spurlos an ihnen vorbeigegangen, konstatierte jetzt Talsperrenmeister Axel Bobbe im LVZ-Gespräch.

Voriger Artikel
Hochwasserschutz für Pegau: "Keine einfache Lösung"
Nächster Artikel
Kommunales Forum gegen Freistaat

Noch immer stehen im Speicherbecken Borna, auch Adria genannt, die Bäume im Wasser. Der zu eng bemessene und marode Abfluss lässt ein rasches Entleeren des Speichers nicht zu.

Quelle: Thomas Kube

Borna. Es gebe etliche Schäden. Sorgen bereit vor allem das auch Adria genannte Speicherbecken Borna. Das Ablassbauwerk ist marode und viel zu eng.

 

 

Nur ein Teil des Wassers, das aus der Pleiße in die Adria gelenkt wurde, konnte am Einlass wieder raus. Die Masse muss in Höhe des Fischerhofes zwischen Borna und Deutzen wieder in den Fluss - unterirdisch. Doch die zwei Rohrleitungen schaffen gerade mal acht Kubikmeter je Sekunde. "Das ist ein Witz", klagt der Leiter des Röthaer Betriebes der sächsischen Talsperrenverwaltung. Und das ist nicht alles. Die Stahlrohre, die einen Durchmesser von 1,20 Meter haben, geben ihren Geist auf. Die Talsperrenmeisterei war zuletzt nur am Flicken von Brüchen, eine technisch aufwendige Prozedur. Der Speicher Borna wurde 1981 in Betrieb genommen, die Ablassrohre "sind eine alte Oma", wie Bobbe zu verstehen gibt, und seien viel zu eng konzipiert. Der derzeit riesige Wasserdruck habe sie belastet wie noch nie. "Das haben sie nicht ausgehalten."

So voll wie nie zuvor

Die Adria hat in diesen Tagen einen Rekordeinstau zu verkraften. Durch die Niederschläge hatte die Pleiße Anfang Juni aus dem Altenburgischen die 300-fache Wassermenge als gewöhnlich herangeführt. 33 Millionen Kubikmeter nahmen die Talsperrenmeister in den zwischen Borna und Regis gelegenen Speicher auf. Bobbe: "Er wurde zu 80 Prozent gefüllt, der Wasserspiegel stieg um zehn Meter, das gab es noch nie."

Doch jetzt kriegen die Experten das Wasser nicht schnell genug heraus aus dem Riesentrog. "Wir brauchen vermutlich vier Monate", verkündet Bobbe, weshalb auch die Straße von der B 93 nach Regis-Breitingen noch eine Weile überflutet sein wird. Das Problem dabei ist, dass die Adria kaum aufnahmefähig ist, sollte in diesem Sommer eine weitere Hochwasserwelle drohen. "Bei uns sind eigentlich der Juli und August die Hochwasserzeit", weiß Bobbe. Das sei die Zeit für die gefürchteten 5-B-Wetterlagen. "Doch wir haben im Speicher Borna derzeit keinen Platz für eine zweite Welle."

Bobbe und seine Mannen arbeiten jetzt daran, das "viel zu kleine Ventil" der Adria zu beseitigen. In einem ersten Schritt werden die maroden Rohre aus DDR-Zeiten ausgewechselt. Es sollen 400 Meter lange Rohre eingebaut werden, die je zehn Kubikmeter pro Sekunde passieren lassen können. Allerdings sind solche Rohre, die eine hohe Qualität aufweisen müssen, nicht von jetzt auf gleich zu bekommen. "Die Lieferzeit liegt nicht unter vier Monate", erklärt Talsperrenmeister Bobbe. Die Wechselkosten liegen bei zwei bis 2,5 Millionen Euro.

Zudem zog Bobbe jetzt ein Projekt aus der Schublade, das vor mehr als zehn Jahren geplant, aber wegen wichtigeren Dingen wieder ad acta gelegt worden war. "Die Idee ist", so Bobbe, "neben den zwei Rohren ein Abgabebauwerk zu errichten." Die Kosten lägen vermutlich bei rund fünf Millionen Euro. "Ich habe jetzt die Mittel für die Planung beantragt." Nach dem Projekt würde unter Damm und Staatsstraße ein zehn Meter breiter und vier Meter hoher Stahlbetonstollen gebaut, der das Wasser aus der Adria rasch in die Pleiße abführen könnte und 100 Jahre halten soll. "Alles Wasser, was wir länger als drei Monate in der Adria halten, merken die Deutzener und Regiser am Grundwasser", weiß Bobbe.

Die Dämme des Speicherbeckens seien kontrolliert, "da mache ich mir keine Sorgen", sagt der Chef des Röthaer Talsperrenbetriebes. Bewährt hätten sich auch die nach 2002 für über fünf Millionen Euro gebauten Schweißgräben, die das Sickerwasser der Dämme aufnehmen. "Da kommt zurzeit viel Wasser an."

50 Millionen m3 eingestaut

Alle anderen Stauräume in der Borna-Geithainer Region stehen wieder zur Verfügung. In Summe nahmen sie in den Fluttagen 50 Millionen Kubikmeter Wasser auf. Ohne diese zu DDR-Zeiten geschaffenen Speicher wären Orte wie Regis-Breitingen, Lobstädt, Rötha und Böhlen dieses Mal abgesoffen, weiß Bobbe. Und Leipzig. "Wir haben nicht mehr als 60 Kubikmeter je Sekunde nach Leipzig gelassen." In den Speicher Regis wurden 3,5 Millionen Kubikmeter Wasser eingestaut. Der Witznitzer See war "am Eichstrich", so Bobbe. Allein aus der Eula wurden 5,5 Millionen Kubikmeter entnommen. "Die Wyhra passte dort nicht mehr rein." Das Stöhnaer Becken nahm 2,5 Millionen Kubikmeter auf.

Schäden sind zu beseitigen

In die Talsperre Schömbach wurden laut Bobbe fünf Millionen Kubikmeter eingestaut. Ihre Kapazität sei "nicht ausgereizt" worden. "Sonst wäre sie übergelaufen und nicht mehr steuerbar gewesen." Bobbe lobt die Arbeit seiner Truppe, alle Talsperren der Region seien in den Katastrophentagen optimal gesteuert worden.

"Die Talsperren hielten, aber sie haben Schäden", konstatiert der Talsperrenmeister. "In Schömbach müssen wir an den Betonfugen etwas machen. Auch die Pegelstrecke sei teils zerstört worden. Am Speicher Witznitz "hat es uns am Wyhrazulauf fast das Bedienhaus fortgerissen", nennt Bobbe ein weiteres Erfordernis. Der Uferabriss hier müsse geschlossen werden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.07.2013

Prenzel, Frank

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Borna
  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

19.09.2017 - 16:52 Uhr

Turbulente Tage beim Döbelner SC: Nach dem Rücktritt von Trainer Uwe Zimmermann bahnt sich eine vereinsinterne Lösung an.

mehr
  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Gutes von hier

    Das regionale Schaufenster mit Produkten und Dienstleistungen aus dem Leipziger Raum - von traditionell bis innovativ. Gutes von hier eben! mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr