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Borna Ärger wegen verfrühter Sprengung
Region Borna Ärger wegen verfrühter Sprengung
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15:26 19.05.2015
Sehr zum Ärger von Medienvertretern und Schaulustigen wurde die Sprengung des Wiederauer Sendemastes schon 30 Minuten vorm offiziellen Termin vollzogen. Dabei sackte der Koloss auch nicht ganz planmäßig in sich zusammen. Quelle: Thomas Kube

Zahlreiche Bürger aus den umliegenden Orten haben das Spektakel dadurch verpasst und waren entsprechend verärgert. Innerhalb von neun Sekunden knickte die Stahlkonstruktion um wie ein Streichholz.

Horst Fechner (79) aus Groitzsch hatte sich extra zwei Kameras mitgenommen, um die Sprengung privat zu dokumentieren. Doch nun hat er: Nichts! Denn der 236 Meter hohe Sendemast, Baujahr 1953, fiel nicht planmäßig um 14 Uhr zur Seite, sondern bereits eine halbe Stunde früher. Aufgrund des schlechter werdenden Wetters habe sich der Sprengmeister kurzfristig dazu entschlossen, erklärte Georg von Wagner, Pressesprecher der Deutschen Telekom AG auf Anfrage unserer Zeitung.

Zahlreiche Hobbyfotografen, Medienvertreter und Bürger aus den umliegenden Orten haben das Spektakel auch verpasst und waren darüber sehr verärgert. "Gerade habe ich aus dem Fenster geguckt, da standen noch die beiden Masten", erzählte eine Anwohnerin am Schloss. "Dann gab es einen kurzen Knall, eine Staubwolke und der Turm war weg. Es war gerade halb zwei."

Hobbyfilmer Siegmar Schiebold (72) aus Groitzsch hatte sich bereits gegen 13 Uhr in der Schloßstraße positioniert - 300 Meter Luftlinie vom Sender Wiederau entfernt - und seine Videokamera scharf gestellt. "Auf einmal kam jemand vorbei und rief ,Es geht gleich los'. In dem Moment knallte es wie aus einer Büchse und der Mast sackte zusammen. Zum Glück hatte ich meine Kamera an."

Horst Fechner konnte auf die Schnelle kein Foto mehr auslösen, verfolgte den freien Fall nur mit seinen Augen. "Schade, ich hätte die Sprengung gerne fotografiert. Ich kenne die ganze Geschichte hier draußen, könnte ihnen 30 Din-A-4-Seiten darüber diktieren. Der Sender Wiederau war mein Leben." Von 1953 bis 1992 arbeitete der gelernte Ingenieur für Funktechnik im Funkamt Leipzig, war viele Jahre Betriebsleiter in Wiederau. Für ihn war die Sprengung deshalb "ein komisches Gefühl", wie er sagte. Auch der verbliebene Sendemast 2 werde seiner Ansicht nach früher oder später dem Erdboden gleichgemacht. Er wurde Anfang der 70er Jahre für das 2. DDR-Fernsehen errichtet und habe im Digitalzeitalter bald ausgedient.

Für den Wiederauer Ortsvorsteher Michael Buth war der gestrige Ablauf eine "bodenlose Frechheit". Er habe sich extra Urlaub genommen, um die Sprengung live mitzuerleben - und dann das. "Mir tut es vor allem für die Wiederauer leid. 60 Jahre lang leben sie mit den beiden Sendetürmen im Ort. Dann wird einer von ihnen gesprengt, sie möchten das Spektakel unbedingt mitverfolgen, und plötzlich wird einfach eine halbe Stunde eher gezündet. Ich bin stinksauer. Das wird wohl noch das nächste halbe Jahr Gesprächsstoff in Wiederau bleiben..." Die Begründung mit dem schlechter werdenden Wetter ist für Buth ein Witz: "Es war absolut windstill. Was soll das also?"

Der gesprengte Rohrmast 1 war 1953 als Mittelwellenstrahler von zunächst 156 Metern Höhe errichtet worden, um einen Holzturm aus dem Jahre 1935 abzulösen. Später wurde er auf 236 Meter aufgestockt, um zusätzlich als Antennenträger für das neue Medium Fernsehen und für weitere UKW-Frequenzen zu fungieren. Der MDR nutzte ihn ab 1992 für die analogen TV-Sender K35 (ARD) und K52 (MDR Fernsehen Sachsen-Anhalt), bis im Jahr 2007 der letzte analoge TV-Sender in Wiederau wieder abgeschaltet wurde und die UKW-Programme auf den Rohrmast 2 umzogen. "Für den MDR ist und bleibt die Sendeanlage Wiederau ein wichtiger Standort für die Verbreitung seiner Hörfunkprogramme", betonte Niels Schulze, Geschäftsbereichsleiter Programmverbreitung der Betriebsdirektion. Vom Rohrmast 2 aus werden weiterhin MDR Jump, MDR Figaro, MDR 1 Radio Sachsen und MDR Sachsen-Anhalt verbreitet.

Die Sprengung soll laut Telekomsprecher von Wagner "erfolgreich und planmäßig" verlaufen sein. Der Mast sei in "ein vorbereitetes Fallbett gefallen, das den Aufprall minderte."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.10.2013
Haase, Kathrin

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