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Borna Ärzte im Landkreis Leipzig immer noch zögerlich bei Cannabis auf Rezept
Region Borna Ärzte im Landkreis Leipzig immer noch zögerlich bei Cannabis auf Rezept
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00:20 05.08.2017
Cannabis wird als Therapiepflanze in der Medizin eingesetzt. Quelle: dpa
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Borna

Seit Anfang März dürfen Ärzte in Deutschland medizinisches Cannabis verschreiben. Die Euphorie über das vielseitig einsetzbare Naturprodukt war groß, der Start in der Praxis verlief jedoch holprig. Ärzte und Apotheker der Region fühlten sich alleingelassen mit dem neuen Gesetz den Besonderheiten bei Verschreibung und Abgabe. „Viel hat sich seitdem nicht geändert. Außer ein paar schriftlichen Informationen haben wir nichts bekommen“, beklagt Lothar Ritter, Allgemeinmediziner aus Borna, „das Ganze steckt immer noch in den Kinderschuhen.“

Um Cannabis zuverlässig zu verschreiben, fehle es den meisten Ärzten an Erfahrung: „Wir wissen, dass es bei Krebserkrankungen, Multipler Sklerose und Spastikern helfen kann, aber konkret ist das alles nicht.“ Fraglich sei zum Beispiel der Umgang mit dem Medikament bei Depression.

Zudem ist die Verschreibung sehr aufwendig. Ärzte müssen zunächst schriftlich einen formlosen Antrag bei der Krankenkasse einreichen, in dem die Diagnosen des Patienten detailliert aufgelistet sind. Binnen vier Wochen soll, , wenn alles nach Plan läuft, von den Versicherern über die Abgabe entschieden werden. „Man munkelt, dass eine Behandlung mit Cannabis am Tag über 100 Euro kostet. Wahrscheinlich wird deshalb so genau geprüft“, sagt Ritter.

Bisher habe er es noch nicht verschrieben. Das gelte auch für seine Bornaer Kollegen. Der erste Schritt ist jedoch gemacht. Ritter hat vor kurzem für zwei ältere Patienten, die an Depression leiden, die Anträge bei der zuständigen Krankenkasse eingereicht und wartet auf Rückmeldung. Mit diesen Versuchen sei es jedoch nicht getan. Das Verfahren müsse viel klarer kommuniziert werden, meint Ritter: „Die Kassenärtzliche Vereinigung (KV) ist jetzt am Zug. Eine zentrale Schulung für Kollegen, die an dem Thema interessiert sind, würde die Lage verbessern.“

Die KV in Sachsen bestätigt zwar, dass seit der gesetzlichen Änderung im Frühjahr die Zahl der Anfragen zum Thema gestiegen sei. Eine Statistik gebe es hierfür jedoch nicht. In einer Stellungnahme heißt es, dass interessierte Mediziner bei Anfragen nicht nur auf entsprechendes Info-Material im Internet, sondern auch auf die Hilfe der eigenen KV- Beratungsstelle vertrauen können. Schulungen oder Fortbildungen seien hingegen nicht geplant.

Claudia von Rein erlebt in ihrer Stadt-Apotheke immer wieder, dass Kunden sich über medizinisches Cannabis informieren. Auch Ärzte erkundigen sich nach den Besonderheiten des Betäubungsmittelrezepts. Die meisten Fragen zur Abgabe könne die Apothekerin mittlerweile beantworten, unklar sei aktuell nur, ob auch die Inhalatoren von den Krankenkassen bezahlt werden. Eigentlich steht der Abgabe des vielseitigen Naturprodukts also nichts im Wege. „Wir sind bereit, aber bis jetzt hatten wir noch keinen einzigen Fall“, sagt von Rein.

Während im Landkreis Leipzig die neuen Möglichkeiten durch Canabis auf Rezept kaum genutzt werden, machen Ärzte bundesweit stärker Gebrauch davon. Wie die Pharmazeutische Zeitung berichtet, sind laut Marktforschungsinstitut Quintiles IMS die Verordnungen seit der Freigabe im März um 80 Prozent gestiegen. 31 Prozent der Verordnungen wurden den Marktforschern zufolge von Neurologen getätigt, 23 Prozent von Allgemeinmedizinern, 8 Prozent von Internisten.

Von Anton Zirk

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