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Borna Afghanischer Familie in Neukieritzsch droht nun die Abschiebung
Region Borna Afghanischer Familie in Neukieritzsch droht nun die Abschiebung
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16:10 24.02.2016
Die afghanische Familie Rasouli wenige Monate nach ihrer Ankunft in Neukieritzsch vor zwei Jahren. Quelle: Detlef Bergholtz
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Neukieritzsch

Ahmad, Razieh, Mohadeseh, Ehsan, Samaneh und Ali Rasouli waren Anfang 2014 die ersten Flüchtlinge in Neukieritzsch. Die Familie aus Afghanistan wurde hier herzlich aufgenommen, fand Freunde und Unterstützer, bekam eine Wohnung und kann als Musterbeispiel für Integrationswilligkeit gelten. Jetzt bangen viele Neukieritzscher mit den Rasoulis darum, dass die in Neukieritzsch bleiben können. Denn vier Familienmitglieder, Mutter Razieh und die drei jüngeren Kinder Mohadeseh (16), Ali (10) und Samaneh (9), sind von den Behörden aufgefordert worden, das Land zu verlassen, ihr Asylantrag wurde abgelehnt.

Niemanden in Neukieritzsch schmerzt das mehr als Hella und Detlef Bergholtz. Die beiden Ruheständler waren die ersten, die sich der Familie annahmen, die ihnen mit viel Geduld die ersten Lektionen Deutsch beibrachten, sie zum Arzt, zur Apotheke und zu Behörden begleiteten und ihnen einen Kleingarten vermittelten.

Längst nennen die jüngsten Rasoulis die beiden Oma und Opa, die Erwachsenen sagen Mutter und Vater. Deshalb ist Familie Bergholtz auch besonders stolz auf die Entwicklung, die die vor den Taliban geflüchtete Familie in Deutschland genommen hat. Der 18-Jährige Ehsan hat in Böhlen den Hauptschulabschluss geschafft und lässt sich jetzt zum Krankenpflegehelfer ausbilden. Bei Mohadesh sehe es nach dem Halbjahr so aus, als werde sie sogar die zehnte Klasse machen können, ist Hella Bergholtz überzeugt. Die neunjährige Samaneh komme in der Grundschule Neukieritzsch so gut mit, dass „sie aufs Gymnasium gehen könnte, wenn sie bleiben darf.“ Samaneh lernt Querflöte im Blasorchester, ihr Bruder Ali (10) spielt bei den Sportfreunden Neukieritzsch Fußball. Die Eltern belegen mittlerweile schon den zweiten Deutschkurs bei der Volkshochschule und der Vater hat gerade die theoretische Prüfung für die Fahrschule bestanden.

Dass Ehsan mit dem Gesetz in Konflikt kam bezeichnet die einstige Lehrerin als Ausrutscher. Man habe ihm in Borna sein Fahrrad gestohlen. Um nach Hause zu kommen, habe er sich ein anderes genommen, erzählt sie. Für den Diebstahl musste er gemeinnützige Arbeit leisten. Das tat er im Bauhof der Gemeinde.

Dass zunächst nur vier Familienmitglieder ausgewiesen werden sollen, liegt daran, dass Vater Ahmad und der große Sohn erst drei Monate später nach Deutschland kamen, als die restliche Familie, deswegen ist deren Verfahren noch nicht abgeschlossen. Wie der Bescheid ausfällt, ist ungewiss. Derzeit klagt die Familie gegen die Ausreiseanordnung, was aufschiebende Wirkung hat. Hella Bergholtz macht in Neukieritzsch viel Anteilnahme für das Schicksal der Rasoulis aus. Viele wollten wissen, wie die Dinge stehen. Gemeinderat Karl-Jürgen Mehnert (Linke) warf auf der jüngsten Gemeinderatssitzung die Frage auf, was man tun könne. Familie Bergholtz hat sich unterdessen an Landrat Henry Graichen (CDU) gewandt. Der hatte als Bürgermeister von Neukieritzsch noch selbst den Kontakt zu den beiden einstigen Lehrern hergestellt und die Integration der Rasoulis mit befördert. Jetzt, sagt Hella Bergholtz, wolle er sich persönlich einschalten.

Von André Neumann

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