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Borna Agrargenossenschaft Kitzen baut neue Milchviehanlage für vier Millionen Euro
Region Borna Agrargenossenschaft Kitzen baut neue Milchviehanlage für vier Millionen Euro
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00:33 06.04.2018
Blick in den Kuhstall der Agrarprodukte Kitzen. Quelle: Julia Tonne
Pegau/Kitzen

Hauseigene Blutwurst und Sülze, Milch zum Trinken und zum Weiterverarbeiten für Käse, Joghurt und die beliebte Quarkspeise Leckermäulchen: die Agrargenossenschaft Kitzen ist in aller Munde. Mit 80 Beschäftigten und zehn angehenden Landmaschinenschlossern, Land- beziehungsweise Tierwirten ist das Unternehmen personell gut aufgestellt und offen für neue Wege, blickt der Vorstand Hans-Uwe Heilmann optimistisch in die Zukunft.

Wurstkonserven aus der Agrargenossenschaft Kitzen. Quelle: Kathrin Haase

Nach Inbetriebnahme einer eigenen kleinen Molkerei im Herbst vergangenen Jahres, eine Investition über 700 000 Euro, liegt nun die Baugenehmigung für den neuen Milchviehstandort in Großzschocher vor. Dieser ist ausgerichtet für bis zu 962 Kühe und 1500 Rinder und soll annähernd vier Millionen Euro kosten. Die Herzstücke bilden ein Kuh- und Abkalbestall sowie das Melkzentrum.

Täglich bis zu 20 000 Liter Frischmilch

Bis zu ihrem Umzug nach Großzschocher bleiben die Tieren an den Standorten Kitzen und Großzschocher. Täglich werden hier bis zu 20 000 Liter Frischmilch produziert und an die Weißenfelser Molkerei frischli geliefert. Darüber hinaus unterhält die Agrarprodukte mehrere Milchtankstellen in Leipzig, Markkleeberg, Großzschocher und Kitzen und bestückt sie täglich neu. Perspektivisch könne die bald leerstehende Milchviehanlage Kitzen als Getreidelager, zur Jungviehaufzucht oder Bullenmast genutzt werden, lauten die Überlegungen.

Hans-Uwe Heilmann. Quelle: Armin Kühne

Abseits ihres Hauptgeschäftsfeldes Tier- und Pflanzenproduktion erschließt sich die 1991 gegründete Agrargenossenschaft immer neue Wege. So ließ sie im vergangenen Jahr zwei leerstehende Bürogebäude in Kitzen und Großdalzig sanieren und darin 16 Wohnungen sowie 48 Plätze für Monteure herrichten. Weiterhin verfolgt sie die Idee zum Bau von drei Windkraftanlagen in der Nähe von Werben. Dafür wurde 2017 eigens die Bürgerwindpark Monarchenhügel UG & Co. KG gegründet, an der auch die Agrarprodukte Kitzen und 13 natürliche Personen aus Kitzen und Umgebung beteiligt sind.

Ebenso eine Herzensangelegenheit für Hans-Uwe Heilmann sind die beiden Weideprojekte in der Pegauer Umgebung. Seit Herbst 2016 weiden fast zwei Dutzend schottische Galloway-Rinder auf dem Aufschlussgraben Werben-Sittel, und in unmittelbarer Nachbarschaft leben mehrere Heckrinder sowie vier Koniks, eine Ponyrasse aus dem osteuropäischen Raum. Das Gelände dient als Ausgleichsmaßnahme für den geplanten Bau der Mineralstoffdeponie Profen-Nord.

Der Werbener See, ein SPA-Vogelschutzgebiet, ausgewiesen durch die Europäische Union, gehört ebenfalls in das Eigentum der Agrargenossenschaft und bedarf ständiger Hege und Pflege.

Agrarunternehmen in der Ukraine

Die Kitzener beteiligen sich darüber hinaus an drei weiteren Firmen: der Agrargenossenschaft Großdalzig, der PALT-Kfz-Service GmbH sowie der Stupnik-agro GmbH, 200 Kilometer südlich von Kiew. Laut Hans-Uwe Heilmann entstanden die Kontakte in die Ukraine vor 14 Jahren mit der Ausfuhr nicht mehr benötigter Erntetechnik, Traktoren, Raupenschleppern und Hängern.

„Wir hatten dafür keine Verwendung mehr und bekamen die Maschinen in Deutschland nicht abgesetzt“, erinnert sich der gelernte Agrotechniker aus Werben, dessen Urgroßvater, Großvater und Vater schon Landwirte waren und ein Sohn die Tradition nun fortführt. „Also bin ich damals in Osteuropa rumgefahren, um sie an den Mann zu bringen.“ 1400 Kilometer von Kitzen entfernt wurde er fündig.

Im Kreis Khmelnik in der Zentralukraine hat die Stupnik-agro GmbH ihren Sitz, Direktorin ist Heilmanns Frau Inna. Vier- bis fünfmal im Jahr fährt das Paar für mehrere Tage in die Ukraine und schaut nach dem rechten. Teilweise bis zu 60 Angestellte („Wir sind eine Art soziale Einrichtung auf dem Dorf“) bewirtschaften 1650 Hektar Land und bauen verschiedene Marktfrüchte an. Diese gedeihen in den heißen ukrainischen Sommern am besten.

Im Schnitt ernten die Feldbauern jährlich bis zu 6000 Tonnen Rüben, 1000 Tonnen Raps, 1600 Tonnen Weizen, 750 Tonnen Wintergerste, 500 Tonnen Sommergerste sowie 500 Tonnen Sojabohnen und verkaufen sie auf regionalen Märkten.

Von der Tierhaltung – Enten, Hühner, Gänse, Nutrias, Bienen – hat sich das Unternehmen zwischenzeitlich wieder verabschiedet. Eine Expansion ist laut Heilmann nicht vorgesehen. „Wir wollen das Unternehmen weiter am Laufen halten, bis es sich selber trägt. Und wir müssen sehen, wo sich die Politik in der Ukraine hinbewegt. Dann sehen wir weiter.“

Von Kathrin Haase

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