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Agrarservice-Fachkräfte aus Pötzschau

Agrarservice-Fachkräfte aus Pötzschau

„Aus Scheiße Bonbon machen." Dieser Spruch aus DDR-Zeiten trifft heute nicht mehr in dem Maße zu, wie es zu Zeiten der Mangelwirtschaft gang und gäbe war. „Doch unsere Leute müssen nach wie vor über jede Menge handwerkliche Fertigkeiten verfügen, um die Landwirtschaftstechnik in Schuss halten zu können", sagt Stephan Gustmann, Ausbilder und Werkstattmeister in der Agrargenossenschaft Pötzschau.

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Die Agrargenossenschaft Pötzschau bildet zum ersten Mal eine Agrarservice-Fachkraft aus. Ausbilder Stephan Gustmann (links) kontrolliert die Wartungsarbeiten, die Azubi Dirk Becker an dem Traktor durchführt.

Quelle: Peter Krischunas

Pötzschau/Rötha. Wohl auch deshalb wird hier zum ersten Mal eine Fachkraft für Agrarservice ausgebildet. Der Beruf unterscheidet sich erheblich von dem des Landwirtes, denn die Tierhaltung entfällt hier gänzlich. Im Vordergrund steht die komplex gewordene Technik. Der erste Lehrling, der den neuen Beruf in Pötzschau lernt, ist Dirk Becker. Er hat schon ein klares Ziel vor den Augen: „Ich werde später in Richtung Agrarwirtschaft studieren und dann im Landwirtschaftsbetrieb meines Vaters anfangen", so der 19-Jährige aus Zitzschen (bei Zwenkau).

Somit fällt er für die Pötzschauer Agrargenossenschaft später als Fachkraft schon mal aus. Für Gustmann ist es trotzdem die richtige Entscheidung, Azubis den neuen Beruf hier anzubieten. „Wenn Dirk seine Ausbildung gut abschließt, ist das auch für uns ein gutes Zeugnis als Ausbildungsbetrieb", argumentiert Gustmann. Im Umkehrschluss soll das heißen, dass die Genossenschaft damit eine Empfehlung für gute Schulabgänger sein wird. „Und davon gibt es immer weniger."

Viele Schüler denken nach wie vor, für einen Ausbildungsplatz in der Landwirtschaft werde es schon reichen. Doch weit gefehlt. Gustmann zufolge brauchen die Bewerber vor allem in den Fächern Biologie, Mathematik und Physik mindestens die Note Zwei, um eine Agrarservice-Fachkraft werden zu können. Hinzu kommt, dass die Turnusausbildung hohe Ansprüche an die Azubis stellt.Sechs Wochen Praxis im Betrieb und zwei Wochen Theorie in der Schule. Wegen der langen Abstände zwischen den Schulbesuchen müssen die Schüler im Stande sein, selbstständig zu lernen. Betriebe und Schule haben sich zwar auf die Fahne geschrieben, eng zusammenzuarbeiten. „Doch in der Praxis ist das nicht immer eins zu eins umsetzbar", sagt der Werkstattchef.

Für die Zukunft braucht die Agrargenossenschaft Pötzschau jungen Nachwuchs. Derzeit liegt der Altersdurchschnitt der Angestellten im Betrieb bei 45 Jahren. Doch angesichts des demografischen Wandels muss frühzeitig nach guten Azubis gesucht werden, die später hier auch arbeiten wollen.

Für Dirk Becker stellte sich nie die Frage, ob er den Beruf lernen will oder nicht. Schon während seiner Zeit am Beruflichen Gymnasium Markkleeberg stand sein Ziel fest. Schließlich ist schon sein Vater Agrotechniker, ein Beruf, der als Vorläufer der Fachkraft für Agrarservice bezeichnet werden kann.

Wegen seines Abiturs verkürzt sich zudem die Ausbildungszeit von Dirk von drei auf nur zwei Jahre. Kürzlich absolvierte er eine zweiwöchige Ausbildung in einem Betrieb in Gerichshain (bei Brandis), wo viele der Maschinen und Traktoren geordert werden. Dort bekam er einen Einblick in die großen Reparaturarbeiten an Getriebe und Motoren. „Das war schon eine tolle Erfahrung", schwärmt der Azubi, der im zweiten Lehrjahr steckt.

Peter Krischunas

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