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Akten im Anmarsch: Grimma erwartet Bornaer Steuerunterlagen

Finanzämter fusionieren Akten im Anmarsch: Grimma erwartet Bornaer Steuerunterlagen

Der Umzug des Bornaer Finanzamtes nach Grimma gilt als logistische Herausforderung. Auf sämtliche Steuerbürger der bisherigen Bornaer Behörde kommen neue Steuernummern zu. Christian Holzhey, Vorsteher in Grimma, bittet die Bürger schon jetzt um Nachsicht, sollte der Steuerbescheid in diesem Jahr etwas länger auf sich warten lassen.

Viel Platz für die Akten der Steuerbürger: Christian Holzhey (54), Vorsteher des Finanzamtes Grimma, im Keller des neuen Behördengebäudes in der Lausicker Straße in Grimma.

Quelle: Andreas Döring

Grimma. Von wegen Panama Papers: Im Finanzamt Grimma haben die Akteure derzeit weniger damit zu tun, aufsehenerregende Finanzströme zu verfolgen. Vielmehr geht es darum, neue Arbeitsplätze einzunehmen und vor allem den Um- und Einzug von rund 100 Mitarbeitern aus Borna sowie den Transfer von 93 000 Steuerfällen zu bewältigen. Außerdem müssen 78 000 Grunderwerbssteuerfälle und 80 000 Vorgänge, die für die Rathäuser zur Festsetzung der Grundsteuer wichtig sind, umgestellt werden.

Die Entscheidung, pro Landkreis nur noch ein Finanzamt zu unterhalten, wurde von der sächsichen Landespolitik im Jahr 2011 getroffen. Jetzt allerdings wird es in der Region konkret. Während vor dem Bornaer Finanzamt, das am Freitag letztmals für den Publikumsverkehr geöffnet hatte, die Umzugswagen vorfahren, ist in Grimma zum Endspurt der Vorbereitungs geblasen worden. Christian Holzhey, Vorsteher des demnächst um den Bereich Borna erweiterten Finanzamtes Grimma, strahlt eine große Gelassenheit aus – trotz Baustellenatmosphäre an der einen oder anderen Stelle. „Wir werden diese Herausforderung gemeinsam mit allen Beteiligten ganz sicher meistern“, zeigt sich der 54-Jährige zuversichtlich. Seit 2004 leitet der Finanzbeamte die Geschicke der Behörde an der Mulde. In wenigen Tagen ist er nicht nur für knapp 200, sondern rund 300 Mitarbeiter zuständig.

Schränke und Regale gehen mit auf Reisen

Die Zusammenführung der beiden Behörden am Standort der ehemaligen Kaserne in Grimma darf als logistische Herausforderung gelten. „Nicht nur 6600 laufende Meter Akten, darunter 2800 Meter Archivakten, gehen mit auf die Reise.“ Auch rund 3300 Möbelstücke, darunter 450 Tische, 550 Stühle, 400 Schränke und 500 Regale, müssen über die ehemalige Kreisgrenze chauffiert werden. Hinzu kommen noch Computer, Telefone, sonstige Utensilien. Die sensiblen Daten der Steuerbürger bedürfen dabei besonderer Sicherheitsvorkehrungen: „Die Mitarbeiter der Umzugsfirma werden auf das Datengeheimnis verpflichtet. Die Umzugswagen werden auch nicht unbeaufsichtigt gelassen.“ Für eine doppelte Sicherheit ist gesorgt, da sich sämtliche gespeicherten Daten der Steuerpflichtigen des Finanzamtes Borna im abgeschlossenen Sächsischen Verwaltungsnetz (SVN) befinden und intern überspielt werden. „Die Informationen können insofern nicht verloren gehen.“

Umziehen heißt es nicht nur für die Bornaer Kollegen. Auch die Grimmaer müssen ihre Schecke größtenteils packen, wenn auch nur innerhalb des Standorts. „Die Fusion geht mit einer räumlichen Neustrukturierung einher", verrät Holzhey. „In Grimma werden bis auf große Teile der Betriebsprüfung alle Bereiche ebenfalls umziehen.“ Das bedeutet, dass für weitere 125 Personen Mobiliar zu transportieren und 3700 laufende Meter Akten – wenn auch nur um einige Meter – zu verlagern sind.

Verbindungsbau beherbergt zentralen Empfang

Das Finanzamt firmiert künftig unter der Adresse Lausicker Straße 2-4. Moderner Blickfang ist ein zweigeschossiger Neubau. Dieser verbindet das bereits seit 2002 genutzte ehemalige Dragoner-Gebäude mit dem nun von Grund auf sanierten Mannschaftsgebäude der Königin-Karola-Kaserne. Im bisherigen Behördenbau verbleiben die Arbeitnehmer-Veranlagung, die Abteilung für Umsatz- und Lohnsteuer sowie die Prüfungsdienste. Auch die Bewertung von Grundstücken zur Festsetzung der Grundsteuer wird hier erfolgen. Das neu sanierte Kasernengebäude beherbergt hingegen die Veranlagung für Gewerbetreibende und Freiberufler. Wer wo sitzt, muss sich der Bürger allerdings nicht merken. Denn im Neubau wird eine moderne Informations- und Servicestelle eingerichtet. „Hier befindet sich die zentrale Anlaufstelle – mit Empfang und Wartebereich. Wir rechnen, dass hier mindestens 80 Prozent der Besucher-Anliegen geklärt werden können.“ Niemand muss also über die langen einstigen Kasernenflure irren, bis er den für ihn zuständigen Bearbeiter ausfindig gemacht hat. „Beratungsgespräche werden sich in aller Regel ebenfalls im Mittelbau abspielen.“

„Angesichts der großen Aufgabe bitte ich um Verständnis, wenn es in Einzelfällen zu Verzögerungen kommt. Aufgrund des Umzugs werden sich auch die Telefonnummern fast aller Bediensteten ändern, was die Kommunikation des Steuerpflichtigen mit seinem Bearbeiter erschweren kann.“ Ein großer Akt wird auch noch einmal die Zuteilung der neuen Steuernummern für die bisher in Borna Betreuten. Dies wird über das Landesrechenzentrum in Dresden abgewickelt. Die Experten jagen sämtliche Nummern durch den Computer, Aufkleber mit den neuen Steuer-Ziffern sind am Sonnabend in Borna angekommen. Am Sonntag heißt es für die Mitarbeiter dann: Viel Handarbeit erledigen! „Jede Steuerakte muss einzeln angefasst und mit der neuen Steuernummer beklebt werden.“

Während der heißen Umzugsphase vom 20. bis 24. Juni ist nur die Annahmestelle in Grimma auf Publikum eingerichtet. Der erste Tag des neuen Finanzamtes wird dann der 27. Juni sein. Ab diesem Datum ist die Behörde in Grimma für alle Steuerpflichtigen des Landkreises zuständig.

Der Grimmaer Amtsvorsteher Christian Holzhey (v

Der Grimmaer Amtsvorsteher Christian Holzhey (v. l.) mit Ansgar König und Johann Gierl vom Landesamt für Steuern und Finanzen beim Richtfest für der Erweiterungsbau im Juli 2015.

Quelle: Andreas Döring

Von Simone Prenzel

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