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Akuter Personalmangel bei der Feuerwehr Groitzsch gefährdet Sicherheit

Brandschutz Akuter Personalmangel bei der Feuerwehr Groitzsch gefährdet Sicherheit

Große Sorgen hat die Freiwillige Feuerwehr in Groitzsch: Tagsüber stehen nicht genügend Einsatzkräfte zur Verfügung und es gibt zu wenig Atemschutzgeräteträger. Ortswehrleiter Mario Zetzsche sieht langfristig sogar die Sicherheit der Stadt gefährdet. Am 16. September soll es eine Informationsveranstaltung geben.

Die „Zentrale“ der Groitzscher Feuerwehr: das Gerätehaus in der Altenburger Straße. Personalmäßig brennt es zurzeit lichterloh.

Quelle: Mike Köhler

Groitzsch. Die Freiwillige Feuerwehr Groitzsch steht vor einem ernsten Problem und sieht im schlimmsten Fall sogar die Sicherheit der Stadt und ihrer Ortsteile gefährdet. Zum einen sind tagsüber nicht genügend Einsatzkräfte verfügbar, um etwa einen Löschzug mit 22 Kameraden qualifiziert zu besetzen, auf der anderen Seite fehlt es an ausgebildeten Atemschutzgeräteträgern. „Wir wissen einfach nicht mehr weiter“, drückt der Ortswehrleiter Mario Zetzsche seine ganze Verzweiflung aus und wagt nun die Flucht nach vorn.

Informationsveranstaltung im Gerätehaus

Am 16. September lädt die Feuerwehr Groitzsch 15 Uhr zu einer Informationsveranstaltung in das Gerätehaus ein, um auf das Dilemma aufmerksam zu machen. „Wir müssen die Bevölkerung aufrütteln und darüber informieren, dass bei uns akuter Personalmangel herrscht“, fasst der stellvertretende Stadtwehrleiter Mike Köhler zusammen. Die Politik sei gefragt, endlich Anreize für diese wichtige Tätigkeit zu schaffen. Ob in Form einer Feuerwehrrente, wie sie schon lange gefordert wird, oder etwa mit einer Vergütung für geleistete Einsatzstunden. „Für viele Menschen ist unsere Arbeit einfach selbstverständlich geworden“, ärgert sich Mario Zetzsche, „man bekommt nicht mal einen Dank dafür. Im Gegenteil, man wird sogar angepöbelt, wenn wir etwa bei einem Verkehrsunfall eine Straße absperren müssen und der Autofahrer unbedingt noch durchfahren will.“

Mehr als aufrütteln und das Thema öffentlich ansprechen, könne man nicht tun, meint Zetzsche. „Wen hatten wir nicht alles schon um Hilfe gebeten: die Bundestagsabgeordnete Katharina Landgraf, den Landtagsabgeordneten Oliver Fritzsche. Ich habe sogar im Stadtrat darüber gesprochen.“ Schließlich sei die Kommune per Gesetz verpflichtet, für eine einsatzbereite Feuerwehr zu sorgen. Aber bis heute sei nichts passiert, sagt der Ortswehrleiter. „Wenn wir so weiter machen, gibt es in fünf bis zehn Jahren keine freiwillige Feuerwehr mehr.“

Die Zahlen sprechen in Groitzsch eine deutliche Sprache: 102 Einsatzkräfte zählt die Feuerwehr aktuell, aufgeteilt auf die Ortswehren Groitzsch (31), Berndorf (14), Gatzen (16), Großstolpen (20), Hohendorf (7) und Michelwitz (14). „Das klingt erstmal viel“, so Köhler, „aber 70 Prozent davon sind tagsüber nicht verfügbar.“ Die meisten Kameraden arbeiten auswärts und können nicht mal eben ihre Arbeitsplätze verlassen, sobald der Piepser ruft. „Wenn in einem Drei-Mann-Handwerksbetrieb plötzlich zwei Mann fehlen, funktioniert das eben nicht.“

Vorschlag: Hauptamtliche Kräfte mit einsetzen

Eine Berufsfeuerwehr sei aus ihrer Sicht jedoch der falsche Weg. „Wer soll das bezahlen“, stellt Mario Zetzsche die wichtigste Frage in den Raum. Gerade in Groitzsch mit seinen 29 Ortsteilen und einer Gesamtfläche von 70 Quadratkilometern seien allein die vorgeschriebenen Ausrückzeiten dann kaum einzuhalten. Eine Idee wäre aus Sicht von Mike Köhler, die Freiwilligen Feuerwehren mit hauptamtlichen Kräften zu bestücken, um gerade wichtige Stunden zwischen 7 und 16 Uhr abzudecken. Währenddessen könnten sie sogar kleine wirtschaftliche Arbeiten in den Ortswehren erledigen.

Im Schnitt 60 bis 70 Einsätze hat die Feuerwehr Groitzsch jährlich zu bestreiten. Fahrzeugtechnisch ist sie gut aufgestellt, macht der Ortswehrleiter deutlich, „aber uns nützt das modernste Auto nichts im Stall, wenn wir keinen haben, der sich darauf setzt und fährt.“ Oswald Naumann, Leiter der Altersgruppe und Feuerwehrmitglied seit 1956, ärgert sich manchmal, wenn er gesunde und kräftige junge Männer in Groitzsch sieht, die sich nicht für das Gemeinwohl engagieren wollen. „Jeder hat das Recht auf Hilfe, aber es sollte auch jeder die Pflicht dazu haben.“

Von Kathrin Haase

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