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Alarm nach Flutwarnung

Alarm nach Flutwarnung

Erneut Ausnahmezustand in Borna: Als nach dem Unwetter im Geithainer Raum die Wyhra in kürzester Zeit anschwoll und Samstagabend eine Flutwelle auf Borna zurollte, wurde in der Kreisstadt mobil gemacht.

Borna. Stadtwehrleiter Kai Noeske alarmierte alle verfügbaren Kräfte der Feuerwehr, die Anwohner entlang der Wyhra wurden gewarnt, Sandsäcke wurden gefüllt und an neuralgischen Punkten und vor Gebäuden gestapelt. In den Abend- und Nachtstunden schien halb Borna auf den Beinen. Zum Glück rauschte die Welle dann nicht so hoch durch die Stadt, wie befürchtet. Die Wyhra trat hier nicht über ihre Ufer.

 

 

Der Pegel der Wyhra in Streitwald stieg ab 19 Uhr rasant an und erreichte um 22 Uhr mit 3,21 Meter seinen Scheitel, ab 3,20 Meter gilt die höchste Alarmstufe 4. In dem Moment schossen 34 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch den Fluss. Vorigen Montag, als in Borna Katastrophenalarm galt und im Zentrum Straßen entlang der Wyhra überflutet wurden, waren es 40 Kubikmeter je Sekunde

Stadtwehr- und Einsatzleiter Kai Noeske reagierte auf die beunruhigenden Informationen und versetzte die städtische Feuerwehr in Alarmbereitschaft. "Als es hieß, die Wyhra hat einen rasanten Anstieg zur Alarmstufe 4, mussten wir reagieren und fuhren alles hoch", erzählte Noeske kurz nach Mitternacht. Da wurde der Scheitel der Wyhra in Borna noch erwartet. "Wir konnten schnell handeln, weil wir vom Montag wussten, was am meisten bedroht ist", so Noeske. Parallel dazu seien die Sandsäcke herangeschafft und im Zentrum Gebäude gesichert worden. Wie schon am Montag packten wieder viele freiwillige Helfer mit zu. Allein am Wirtschaftshof, wo Sandsäcke gefüllt wurden, sollen es etwa 100 gewesen sein. Per Telefon und über Facebook verbreitete sich die Nachricht von der drohenden Flut wie ein Lauffeuer.

Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke) brach ihren Berlin-Tripp ab, als sie von der Gefahr erfuhr, und eilte nach Borna. Sie wollte in der Hauptstadt eigentlich ihren Geburtstag nachfeiern. Vorigen Montag, als Borna nur knapp der Katastrophe entging, war sie 42 geworden. Auch Landrat Gerhard Gey (CDU) machte sich in der Nacht in Frohburg und Borna ein Bild von der Situation.

Mittels Lautsprecher-Durchsagen waren die Menschen entlang der Wyhra gewarnt worden. "Es hieß, die Bevölkerung solle sich auf einen erhöhten Wasserstand vorbereiten", erzählte Georg Rhein, dessen Modehaus in der Bahnhofstraße direkt neben dem Fluss liegt. Wie viele andere verfolgte er auf der Wyhrabrücke, wie das Wasser stieg. Da hatten etliche Bewohner ihre Autos bereits wieder in höher gelegene Zonen der Stadt gefahren. Die Feuerwehr sicherte auch die Wyhrabrücke in der Bahnhofstraße ab. "Wir sollen hier den Wasserstand beobachten", erläuterte Gruppenführer Jörg Reuter. Und die Kameraden trugen offenbar auch dazu bei, Leute zu beruhigen. "Auf Facebook wird Panik gemacht", so Reuter. Dort werde verbreitet, die Talsperre Schömbach sei gebrochen. Das Gegenteil war der Fall. Die Talsperrenverwaltung "hat auf Veranlassung des Landratsamtes sofort auf die heftigen Niederschläge reagiert und die Abgabe in die Wyhra gestoppt", informierte die Kreisbehörde.

Nicht nur Hausbewohner, viele freiwillige Helfer packten zu, um die Gebäude mit Sandsäcken zu schützen. Etwa am Markt 9. Silke Ludwig-König erzählte, dass ihr Sohn Steven Ludwig (21) mit mehren Freunden angerückt sei. Die jungen Leute wollten eigentlich zur "Love Music Beach" am Harthsee, statt dessen schleppten sie Sandsäcke. Die Hilfsbereitschaft sei groß, sagte die Frau. In der Runde vor dem Haus wurde aber auch Kritik am Krisenmanagement in der Stadt laut. "Diesmal brennt ja wenigstens Licht im Rathaus, am Montag war das nicht so", schimpfte ein Mann, am Montag sei von der Verwaltung keiner erreichbar gewesen. Auch vorgestern Abend fühlten sich die Anwohner schlecht informiert. Es habe nur eine Durchsage gegeben, seit Stunden sei nun keiner gekommen, hieß es gegen Mitternacht.

Die Welle der Hilfsbereitschaft lobte auch Edeka-Markt-Inhaberin Heike Werner. Sie war von einer Kollegin, die bei der Feuerwehr ist, gegen 22 Uhr über die drohende Gefahr ins Bild gesetzt worden und von ihrem Zuhause in Meerane nach Borna geeilt. Mitarbeiter des Marktes und Anwohner sicherten mit der Feuerwehr den Einkaufsmarkt mit Sandsäcken.

Die Stadtverwaltung selbst machte am Sonnabend etwa zwei Dutzend Mitarbeiter mobil, der Wirtschaftshof wurde alarmiert. Sandsäcke wurden von der Thränaer Firma Raubold herangeschafft, informierte Ordnungsamtsleiterin Silke Heisig, die in der Feuerwache in der Röthaer Straße mit im Einsatzstab saß. Die Sandsäcke seien an Private verteilt und an neuralgischen Punkten Sandsackmauern errichtet worden, so Heisig.

Am Sonntag um 5.20 Uhr sei in Borna die Gefährdung aufgehoben worden, teilte gestern Rathauschefin Luedtke mit. Bis dahin seien Feuerwehr und Verwaltung in Bereitschaft gewesen. Einsatzleiter Noeske glaubt, dass die nächtliche Aktion nicht übertrieben war. "Wir haben ja am Montag gesehen, wie sich die Lage in Borna entwickelte. Da stand der Pegel in Streitwald bei 3,54 Meter." Die Vorlaufzeit von drei Stunden habe gereicht, um in der Stadt alles zu sichern.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.06.2013

Prenzel, Frank

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