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Aleksandra aus Estland hat in Borna gute Freunde gefunden

Gastschülerin Aleksandra aus Estland hat in Borna gute Freunde gefunden

Nach zehn Monaten muss die 17-jährige Alexandra aus Estland in zwei Wochen Abschied nehmen von Borna. Für Kerstin und Hans-Peter Kühn war sie bereits das zweite Gastkind, für Tochter Julia ist sie eine gute Freundin geworden.

Die 17-jährige Aleksandra Männik aus Estland fühlt sich wohl in Borna.

Quelle: André Neumann

Borna. Ihr Lieblingsplatz im Haus von Familie Kühn ist auf der Küchenbank vor dem Fenster. Hier trifft sich Aleksandra mit den anderen zum Frühstück, macht mit Julia Hausaufgaben oder lümmelt gemütlich am Sideboard, während die Nachmittagssonne ihr langes Haar glänzen lässt. In ein paar Tagen ist leider Schluss damit. Wenn in Sachsen die Sommerferien beginnen, reist die 17-Jährige wieder nach Hause.

Aleksandra Männik kommt aus Kuressaare, gut 1000 Kilometer Luftlinie von Borna entfernt. Mit dem Autos sind es reichlich 1600 Kilometer und man müsste die Fähre nehmen, denn die Stadt liegt auf der Ostseeinsel Saaremaa, die zu Estland gehört. Die vergangenen zehn Monate verbrachte sie in Borna, wo sie mit Kerstin und Hans-Peter Kühn liebevolle Gasteltern und mit deren Tochter Julia, die ebenfalls 17 ist, eine gute Freundin fand. Während dieser Zeit besuchte sie die zehnte Klasse im Gymnasium „Am Breiten Teich“ in Borna.

Am Anfang, erzählt die junge Estin, habe sie nur dagesessen und zugehört. Keine Tests, keine Hausaufgaben, nicht alle Fächer musste sie mitmachen, dafür ein paar Stunden mehr Deutsch. Sie hatte es so gewollt. Denn als sie wählen musste, wo sie ihr Auslandsjahr verbringen will, fiel die erste Wahl auf Amerika. Doch Englisch konnte sie schon, warum also nicht noch Deutsch lernen?

Und dabei auch noch eine ganze Menge über ihr Gastland. „Ich glaube, die Menschen sind hier ganz anders“, sagt die junge Frau mit ihrem fröhlichen Lachen. Und macht das zuerst an ihren Lehrern fest. Die seien freundlich und „nicht so aggressiv“. An ihrer Schule sei sie viel mehr Strenge gewöhnt. Zum ungewohnten Umgang gehörte auch dies: Hände schütteln und umarmen zur Begrüßung, das sei in Estland nicht normal. Ihr scheint es zu gefallen: „Ich finde es cool“, sagt sie.

Für Familie Kühn ist Aleksandra schon das zweite Gastkind. Vor zwei Jahren lebte Isidora aus Chile bei ihnen. Und vermutlich wird Aleksandra nicht das letzte Familienmitglied auf Zeit gewesen sein. Fragt man nach den Gründen, verweist Kerstin Kühn auf die Botschaften des Austausch-Netzwerkes YfU (Youth for Understanding), wo es unter anderem heißt: Eine andere Kultur im eigenen Wohnzimmer entdecken – den Alltag mit anderen Augen betrachten – internationale Freundschaften fürs Leben schließen. „Alles das trifft für uns zu“, sagt Kerstin Kühn. Die sich ganz besonders darüber freut, dass ihre Tochter Julia und Aleksandra beste Freundinnen geworden sind. „Jederzeit wieder“, fügt sie hinzu.

Tatsächlich hat bei den beiden Gleichaltrigen die Chemie von Anfang an gestimmt. Bis hin zu gemeinsamen Interessen, weswegen Aleksandra Julia zum Tanzunterricht bei der Musikschule begleitete. An diesem Wochenende sind beide beim Auftritt im Stadtkulturhaus mit dabei.

Auch darüber hinaus unternahmen die beiden sehr viel miteinander. Julia und ihr Freund Sven zeigten Aleksandra Leipzig, Dresden und Berlin, besuchten mit ihr das Panometer, Museen, Konzerte und Partys und badeten mit ihr im Hainer See. Und auch mit den beiden Golden Retrievern Ginger und Lotta freundete sich die Estin schnell an. „Ich glaube die mögen mich“, sagt sie.

Kam bei so viel Vertrautheit in der fremden Stadt überhaupt Heimweh auf? „Ich hatte gedacht, es wird schlimmer“, erzählt Aleksandra und meint: „Ich wollte mal kurz nach Hause und gleich wieder hierher.“ Fast täglich telefonierte sie mit ihrer Mutter auf der heimatlichen Insel. In Borna wurde es ihr leicht gemacht: „Ich habe gute Freunde hier, und das Wetter ist auch besser“, bringt sie das Wohlfühlklima auf den Punkt.

Jetzt neigt sich die schöne Zeit dem Ende, der Abschied steht bevor: Am 26. Juni fährt Aleksandra erst zu einem Seminar mit anderen Teilnehmern des Programms, danach zwei Tage lang mit dem Bus nach Hause. Ob sie nach Deutschland zurückkehren wird, weiß sie noch nicht. Studieren will sie hier nicht, was vielleicht daran liegt, dass ihr Englisch immer noch etwas besser ist als ihr Deutsch, wie sie glaubt. Auch möchte sie sich erst einmal „die ganze Welt ansehen“.

Wiedersehen wird Aleksandra ihre neuen Freunde aber schon bald, denn Julia und ihr Freund wollen sie gleich in den bevorstehenden Sommerferien besuchen, in Kuressaare auf Saaremaa.

Von André Neumann

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