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Borna "Alle Bilder wieder da": Schwiegermutter von Tino L. ist wütend auf Täter von Groitzsch
Region Borna "Alle Bilder wieder da": Schwiegermutter von Tino L. ist wütend auf Täter von Groitzsch
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18:16 31.08.2010
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Eine Frau aus Groitzsch berühren die jüngsten Ereignisse ganz besonders stark: Eva-Maria Gomille (44), die ehemalige Schwiegermutter von Tino L., der im April vergangenen Jahres neben ihr erschossen wurde.

„Jeden Tag muss ich daran denken, was damals passiert ist“, sagt Eva-Maria Gomille und verdrückt ihre Tränen. „Es ist kein normales Leben mehr, ich existiere einfach nur. Ich wünschte, es wäre nie passiert.“ Informationen ihres Anwaltes Joachim Frömling aus Zwenkau zufolge war seine Mandantin seit der Tat im April vergangenen Jahres mehrfach Anfeindungen in Groitzsch ausgesetzt, musste sich immer wieder rechtfertigen, was sie dort draußen zu suchen hatte und warum sie den Täter nicht erkannt habe. „Deshalb bin ich weggezogen aus der Stadt“, erzählt die 44-Jährige unserer Zeitung. Wohin? „In die Nähe von Leipzig, mehr will ich dazu nicht sagen.“ An ihrem neuen Wohnort fand die zierliche Frau mittlerweile eine Arbeitsstelle. „Damit ich nicht mehr so einen Mist hier machen brauche, um Geld zu verdienen“, sagt sie mit Blick auf die leer stehenden Landwirtschaftshallen zwischen Groitzsch, Wischstauden und Großpriesligk, wo sie mit ihrem damaligen Schwiegersohn Tino L. immer wieder Schrott sammeln ging. „Ich weiß, dass in den Hallen noch kaputte alte Wohnwagen und LKW drinstehen.“

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Auch am 20. April 2009 waren die beiden unterwegs, suchten im ehemaligen Plasteverarbeitungsbetrieb in der Brösener Straße nach Brauchbarem. „Plötzlich hatte ich die Schüsse gehört“, erinnert sich die 44-Jährige. „Ich habe das Mündungsfeuer gesehen und gespürt, wie mich jemand aus der Hecke beobachtet. Es war stockdunkel, ich konnte nichts Genaues erkennen.“

16 Monate nach den schrecklichen Ereignissen versucht Eva-Maria Gomille gerade wieder, ihren Frieden zu finden, das Erlebte zu verarbeiten. Tochter Annika (18), die damalige Verlobte von Tino L., erwartet mit ihrem neuen Freund mittlerweile ein Baby, hat ihre eigene Wohnung in Groitzsch bezogen und sucht eine Lehrstelle. „Als das jetzt am Wochenende passiert ist, sind plötzlich alle Bilder wieder hochgekommen“, so die 44-Jährige weiter. „Ich bin wütend auf den Täter. Er zerstört gleich mehrere Familien.“ Einen Zusammenhang zwischen den Schüssen auf Tino L., Denis und Patrick sieht die Zeugin der ersten Tat jedoch nicht. „Ich glaube nicht, dass mein Schwiegersohn die beiden gekannt hat. Ich kenne sie auch nicht.“ Aus Mitgefühl für die beiden Opfer legte Eva-Maria Gomille am Dienstag eine rote Rose am Zaun der alten Landwirtschaftshalle ab. Hier ist am Sonnabend der 19-jährige Patrick B. tot aufgefunden worden.

Unterdessen ermittelt die Soko „Schrott“ weiter auf Hochtouren. Es gebe momentan noch keine heiße Spur zu einem oder mehreren Tätern, auch die Tatwaffe wurde nicht gefunden, so Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz. Medienberichte, wonach die Polizei zwei Tatverdächtige im rechten Spektrum im Visier habe, wies er von sich. Das Motiv des Doppelmordes liege noch im Dunkeln.

Kathrin Haase

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