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Borna Alle in einem Boot: Jungs aus dem Knast treffen Menschen mit Handicap
Region Borna Alle in einem Boot: Jungs aus dem Knast treffen Menschen mit Handicap
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00:36 02.08.2015
Mehr Verständnis füreinander, Berührungsängste abbauen: Darum geht es bei den gemeinsamen Ausflügen von Lebenshilfe und Jugendstrafvollzugsanstalt. Quelle: Andreas Döring
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. Eine gemeinsame Bootstour über den Markkleeberger See sollte am Mittwoch dabei helfen. Zunächst noch mit verhaltenem Erfolg, doch die schon vier Jahre andauernde Kooperation zwischen beiden Einrichtungen hat bereits Früchte getragen. Dass die Annäherung am Mittwoch allen schwer fiel, liegt daran, dass viele Strafgefangene zum ersten Mal mit dabei waren.

"Das ist aber ganz normal, dass bei einem ersten Aufeinandertreffen noch Berührungsängste bestehen", sagt Uwe Drechsler von der Lebenshilfe, der auch im Gefangenenfürsorgeverein tätig ist und daher vor vier Jahren auf die Idee kam, beides miteinander zu verbinden. Bei Thomas Kley und Karsten Jannasch, Sport- und Freizeitbedienstete in der Jugendstrafvollzugsanstalt (JSA) kam der Vorschlag von Drechsler damals gut an. "Unsere Jungs verhalten sich ganz anders, wenn sie mit Menschen mit Behinderungen zusammentreffen", macht Kley deutlich. Vor allem sehe er immer wieder den Respekt, den die Jugendlichen ihnen entgegenbringen. Und nach einer Zeit der Gewöhnung sei der Umgang miteinander vollkommen selbstverständlich.

Das zeigt sich laut Drechsler und Kley bei den monatlichen Kochkursen besonders gut. Die 24-jährige Jana, die von der Lebenshilfe ambulant in ihrer eigenen Wohnung betreut wird, freut sich jedes Mal auf den Kochnachmittag. "Beim ersten Kochen hatte ich schon ein bisschen Bammel, weil ich ja noch nie was mit Leuten aus dem Gefängnis zu tun hatte", erzählt sie. Doch die anfängliche Scheu ist schnell gewichen, "denn die Jungs sind nett zu uns und immer höflich". Nur auf die Frage nach den Kochkünsten der Jungs antwortet die junge Frau mit einem Schulterzucken und sagt lachend: "Manchmal ist es etwas zu scharf."

23 Frauen und Männer, die von der Lebenshilfe Borna sowohl ambulant in ihren vier Wänden als auch in Wohngruppen betreut und unterstützt werden, und 13 Strafgefangene, davon sechs im geschlossenen Vollzug, waren am Mittwochvormittag zu einer gemeinsamen Tour über den Markkleeberger See aufgebrochen. Für den 23-jährigen Steve war es bereits das zweite Zusammentreffen mit den Lebenshilfe-Bewohnern. Im Vergleich zu seinen Mitfahrern sozusagen schon Routine. "Das Schöne ist, dass wir so angenommen werden, wie wir sind. Es spielt für sie keine Rolle, was wir angestellt haben", sagt er.

Das bestätigen auch Ines Rexin und Dominik Gritsch, zwei Betreuer der Lebenshilfe. "Unsere betreuten Menschen gehen viel offener auf jeden zu, die Vorgeschichte, die die Strafgefangenen mitbringen, ist ihnen egal", sagt Gritsch. Für die Jungs aus der JSA ist das eine völlig andere Erfahrung. "Im Knast und unter Kumpels müssen sie sich immer wieder beweisen, von den Menschen mit Behinderungen werden sie so genommen, wie sie sind", begründet Jannasch. Für Robert, 23 Jahre alt und im offenen Vollzug, kommt das unerwartet. "Aber es ist schon toll, nicht von jedem nur als Knasti betrachtet zu werden."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 31.07.2015
Julia Tonne

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