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Borna Alltagshilfe für Flüchtlinge – Borna organisiert erste Asylbewerberkonferenz
Region Borna Alltagshilfe für Flüchtlinge – Borna organisiert erste Asylbewerberkonferenz
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09:33 29.08.2016
Der Mitteldeutsche Verkehrsverbund MDV erklärt Asylbewerbern das MDV Netz und, wie man damit umgeht. Quelle: Jens Paul Taubert
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Borna

Wie organisiere ich mir eine Bus-Fahrkarte, wie eröffne ich ein Bankkonto, wen rufe ich bei einem Notfall an? Das und vieles mehr sollen Flüchtlinge auf einer ersten Asylbewerberkonferenz im Kreis erfahren. Laut Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Die Linke) soll die Veranstaltung am Anfang des nächsten Jahres in Borna stattfinden. Ein genauer Termin steht dabei noch nicht fest. Auch ist die Finanzierung noch nicht unter Dach und Fach. Weitere an der Konferenz beteiligte Akteure neben der Stadt sind der

Simone Luedtke. Quelle: Andreas Döring

Landkreis Leipzig, der Runde Tisch Migration sowie der Verein Bon Courage aus der Kreisstadt – er unterstützt und berät Asylsuchende.

„Bon Courage ist mit einem Asylbewerber Anfang des Jahres auf mich zugekommen, der darum bat, dass eine Konferenz stattfindet, um über die örtlichen Begebenheiten aufzuklären“, sagte Luedtke auf LVZ-Anfrage. Es gehe darum zu klären, welche Anlaufstellen es bei welchem Problem gibt. „Die Flüchtlinge wollen etwa von der Sparkasse wissen, wie sie ein Konto eröffnen, und der Mitarbeiter erklärt ihnen dann, wie das funktioniert. Anschließend werden Fragen beantwortet, wenn noch etwas unklar ist. Sonst kann man zum nächsten Thema übergehen“, erläuterte Luedtke. Geplant sei, zu verschiedenen Themen einen Referenten einzuladen, der einen Vortrag hält.

Auch der Arztbesuch sei ein großes Problem: Zu welchem Arzt darf ich gehen? Welche Leistungen werden übernommen? Diese Fragen müssten sich Asylbewerber stellen. „Denn bei Flüchtlingen ist der Leistungskatalog eingeschränkt, nicht alles kann abgerechnet werden“, sagte Luedtke. Auch in einem Notfall wüssten viele nicht, wo sie sich melden können, zudem gebe es eine unüberwindliche Sprachbarriere, wenn sie den Notruf 110 wählen. „Sie brauchen dann in irgendeiner Form einen Übersetzer.“ Auch wo sie sich eine Buskarte holen können, solle geklärt werden. „Ich weiß, dass viele von den Asylbewerbern schwarzfahren – manche mit Absicht, aber viele eben nicht. In Borna gibt es einen Fahrkartenverkauf. Aber in den kleinen Dörfern rings herum ist das schon schwieriger.“

Die geplanten Vorträge will die Stadt von Dolmetschern in alle Sprachen übersetzen lassen. Das jedoch treibe die Kosten in die Höhe. „Der Termin wird seit Längerem verschoben, weil wir die Finanzierung nicht so schnell hinbekommen“, sagte Luedtke. Und die Stadtverwaltung versuche, nicht allein die Flüchtlinge in ihrer Kommune zu erreichen, sondern auch „rings um Borna“. Der Landkreis habe die Bereitschaft signalisiert, bei dem Projekt mitzumachen. Nun müsse geschaut werden, „wann wir das Projekt am Anfang des nächsten Jahres realisiert bekommen“, so die Linken-Politikerin. Das Schwierigkeit sei derzeit, die Projektförderung zu bekommen. „Wenn ich den Antrag stelle, kann das dauern und den zeitlich angedachten Rahmen sprengen.“ Finanziert werden soll aus verschiedenen Fördertöpfen. Bon Courage will laut Luedtke einen Teil der Kosten übernehmen.

Das Vorhaben könnte Schule machen. „Das ist ein Pilotprojekt, wo wir sehen müssen, ob das sinnvoll ist. Wenn danach andere Kommunen Interesse haben, können wir sie mit unserem Know-how unterstützen“, sagte die Oberbürgermeisterin. Neben finanziellen müssten noch organisatorische Fragen geklärt werden: Wie kommen die Asylbewerber hierher? Einige wohnen in Heimen, andere seien bereits in Wohnungen untergebracht. Die Idee, alle Asylbewerber aus dem Landkreis mit Bussen nach Borna zu einem Termin herzufahren, sei nicht umzusetzen. Da der Landkreis habe dies bereits abgelehnt. „Die Übersetzer müssen alle da sein, die Technik organisiert werden, zudem müssen wir alle Referenten unter einen Hut bekommen“, so Luedtke.

Momentang bringt die Stadt rund 460 Asylbewerber unter. Bei knapp über 400 von ihnen läuft das Verfahren noch. „Diesen Monat kamen nur 38 Flüchtlinge nach Borna, in den Hochzeiten waren es 50 pro Woche, die auf den Landkreis aufgeteilt werden mussten.“ Wegen des geringeren Zuzugs wurden bereits mehrere Unterkünfte im Kreis gekündigt – auch Borna ist betroffen. „Die Witznitzer Werkstraße läuft mit einer Kapazität von 280 Plätzen weiter. Thräna läuft jetzt aus – den Vertrag hat der Landkreis beim Privateigentümer gekündigt.“ Die Miete laufe bis zum Jahresende. „Es kommen weniger, der Bedarf ist nicht mehr da.“

Das Problem bei vielen neuen Heimen, für die vor zwei Jahren die Verträge geschlossen wurden: Sie haben Laufzeiten von zehn Jahren und mehr. „Aus den Verträgen kommen die Kommunen nicht raus.“ Die älteren Heime – zwei in Frohburg, eins in Grimma, eins in Borna – hätten hingegen kürzere Fristen von einem halben Jahr. „Da ist klar, dass die bei einem Rückgang der Flüchtlingszahlen zuerst gekündigt werden, wie jetzt der Fall“, sagte Luedtke.

Von Oliver Becker

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