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Als Bestarbeiter und die Messe der Meister von Morgen fotografiert wurden

Als Bestarbeiter und die Messe der Meister von Morgen fotografiert wurden

Heutzutage kann im Prinzip jeder fotografieren. Oder jedenfalls Bilder schießen mit einer Knipse oder mit dem Handy. Vor 60 Jahren war das anders. Als sich Enthusiasten 1954 zusammenfanden, um den Fotoclub "Ernst Abbe" zu gründen, war die Entwicklung von Fotos noch ein aufwendiger Akt.

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Quelle: Fotoclub

Borna. Und einfach drauflosgeknipst wurde ohnehin eher selten. Jetzt feiern die Fotografen das 60-jährige Bestehen des Clubs. Dazu gibt wird am Dienstag im Stadtkulturhaus eine Ausstellung eröffnet.

Wolfgang Ennoch trat dem Fotoclub 1962 bei. Der war von Dieter Melzer, in der Nachwendezeit SPD-Stadtrat, gegründet worden und bekam, wie es zu sozialistischen Zeiten üblich war, Geld von einem Betrieb. Im konkreten Fall von der Brikettfabrik Großzössen. Das änderte sich mit der Wiedervereinigung, als sich die Fotografen als Verein organisieren mussten. Über die Jahre gehörten meist nicht mehr als zehn Mitglieder zum Fotoclub, denen aber allen die große Liebe zur Fotografie eigen war. Ennoch, mittlerweile 78 Jahre, war durch die Malerei zur Fotografie gekommen, als er mit 14 eine kleine Kamera bekam. Daraus wurde ein Leidenschaft ebenso wie bei Thomas Noack, dem heutigen Vereinsvorsitzenden. "Wir haben uns einmal im Monat getroffen, erinnert sich Ennoch, "und dann wurden Themen behandelt" - Naturfotografie etwa oder Nachtaufnahmen oder Architekturfotografie. "Einer hat vom andere gelernt." Für eine kurze Zeit gab es sogar eine Verbindung zur Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig.

Dabei durften die Club-Fotografen keineswegs alles ablichten, was ihnen vor die Linse kam. Industrieanlagen durften generell nicht fotografiert werden. Möglich waren dagegen Bilder vom Betriebssport oder auch von der Messe der Meister von Morgen (MMM), einer Leistungsschau von Jugendlichen. Oder auch von der "Straße der Besten", einer mehr oder weniger öffentlichen Bildergalerie vermeintlicher oder tatsächlicher Bestarbeiter.

Für Leute wie Ennoch, die zu DDR_Zeiten stolz waren auf ihre Spiegelreflexkameras und nach der Wiedervereinigung auf ihre Cannons oder Minolta-Kameras, wurde der rasante Wechsel zur Digitalfotografie zu einem ernsthaften Problem. Und zwar zu einem finanziellen. Vor einigen Jahren gab es deshalb im Fotoclub "Ernst Abbe" einen großen Umbruch. Heutzutage gehören fünf Männer und fünf Frauen zum Verein. Mit Noack steht ein Mann an der Spitze, der einen Teil seiner Brötchen zwar an einer Tankstelle verdient, längst aber auch einen Namen als freier Fotograf hat. Er sorgt für regelmäßige thematische Workshops, bei den es etwa um digitale Bildtechnik, Studiofotografie oder Blitztechnik geht. Prinzipiell könne dazu jeder kommen, der Interesse an Fotografie hat "Ein kostenloser Ersatz für einen Volkshochschulkurs ist das aber nicht", so Noack.

Bleibt die Frage, was ein gutes Foto ausmacht. "Die Kunst besteht im Weglassen", sagt Ennoch. Und Noack, der auch in Zeiten der Digitalfotografie seine Bilder selbst entwickelt, kommt es auf die Bildidee an. "Die muss einfach erkennbar sein."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.09.2014
Nikos Natsidis

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