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Als aus drei Genossenschaften eine Landwirtschafts-GmbH wurde

Als aus drei Genossenschaften eine Landwirtschafts-GmbH wurde

Die politische und wirtschaftlichen Veränderungen nach 1989/90 bedeuteten für viele volkseigene Betriebe das Aus. Zugleich eröffneten sich Menschen mit Ideen und Mut die Chance, selbst Unternehmer zu werden und etwas aufzubauen.

Steinbach. Gerade auch für die Landwirtschaft bedeutete die Zeit einem Umbruch, wie die Landwirtschaftsbetrieb Kitzscher GmbH zeigt, die ihre Wurzeln in mehreren LPG hat.

„Was damals unsere Strategie war? Die großen Flächen beieinanderhalten, drei Jahre durchhalten, damit erst mal ein bisschen Stabilität reinkommt." Alex Kunze lacht und schüttelt zugleich den Kopf, wenn er sich an die Jahre 1990 bis 1993 erinnert. Kunze, heute 67 Jahre alt und Rentner, hatte damals den Hut auf: Seit 1987 in der LPG Pflanzenproduktion Kitzscher, dann in der neuen Genossenschaft und ab dem Sommer 1991 schließlich als Geschäftsführer der neuen GmbH. Aus mehreren Landwirtschafts-Genossenschaften eine gemeinsame zu machen und dann ein Wirtschaftsunternehmen - es war ein Wagnis und nur eine Herausforderung von vielen, denn zugleich brachen den LPG die Märkte weg, lösten vielerorts die Bauern, was sie eingebracht hatten an Land und Gebäuden, heraus. Von einem schmerzhaften Prozess spricht Kunze in der Rückschau, von einer Suche nach Wegen, die nicht unumstritten gewesen sei. Und von Arbeitsplätzen, die in dieser Größenordnung nicht zu halten waren. Kunze hat der im elterlichen Betrieb die Landwirtschaft von der Pike auf gelernt. „Ich hab die ganze Entwicklung mitgemacht, von der LPG Typ I an", sagt er.

Im Herbst 1989 waren es vier LPG: die Pflanzenproduktion Kitzscher und die Tierproduzenten Beucha/Hainichen, Kitzscher und Kahnsdorf. In deren Ställen standen Milchvieh, Mastrinder und Schweine. Die Kahnsdorfer gingen bald darauf eigene Wege; die drei anderen verschmolzen zu einer neuen Genossenschaft und retteten sich auf der Linie vor der Liquidierung. die zum Teil schon eingeleitet war. Die umgewandelte Genossenschaft hatte 600 Mitglieder und noch 350 Beschäftigte. Die Umwandlungsversammlung füllte eine Halle auf der Agra in Markkleeberg. Ein Wiedereinrichter und ein Nebenerwerbs-Landwirt  lösten ihr Eigentum heraus. „Damals haben viele Berater aus den alten Bundesländern an unsere Tür geklopft. Aber wir haben gesagt, wir kümmern uns allein", sagt Alex Kunze.

Für die GmbH werden in der Belegschaft acht Gesellschafter gesucht; die meisten sind bis heute dabei. Die Landwirtschaft Anfang der neunziger Jahre war im Umbruch. „Unsere Tierproduktion fuhr Verluste ein. Wir mussten Ställe schließen, um nicht noch tiefer ins Minus zu kommen", erinnert sich Kunze: Die Erlöse waren zu gering, der Investitionsstau zu groß. Die Schweinezucht in Beucha wurde aufgegeben. Heute ist die Milchproduktion samt Nachzucht im Stockheim konzentriert. 1992 kaufte das Unternehmen die ersten neuen Mähdrescher, „um eine höhere Schlagkraft zu haben". Die Kehrseite der neuen Technik: es wurden immer weniger Hände gebraucht. Die Älteren gingen in die Rente, andere nutzten den Vorruhestand. Kunze: „Wir mussten schrittweise abbauen. Es ging nicht anders." Im Gegenzug baute man auf: eine neue Kartoffel-Sortier-, Wasch- und Abpackanlage in Kitzscher sowie eine große Lagerhalle. Die Zwiebelproduktion wurde gestrichen, statt dessen stärker auf Pflanzkartoffeln gesetzt. Über Jahre belieferte der Betrieb das Bornaer Edeka-Lager aus erster Hand. „Heute haben wir mit Friweika eine Vermarktungskooperation", sagt Martin Landgraf. Der 33-jährige Diplom-Agraringenieur wuchs seit 2003 in den Betrieb hinein und löste vor zweieinhalb Jahren Alex Kunze ab. Der gebürtige Großstorkwitzer muss neue Wege finden, die gelben Knollen zu den Verbrauchern zu bringen und den Absatz zu steigern. Nicht zuletzt soll der ganzjährige Kartoffelverkauf ab dem Lager Kitzscher neu angekurbelt werden.

Den Schwerpunkt beim Ackerbau bildet allerdings Weizen, gefolgt von Mais, Raps und Gerste. 2450 Hektar Felder bewirtschaftet das Unternehmen heute, setzt auf lange Pachtverträge und kauft, wo möglich, Land hinzu.Die Zahl der Mitarbeiter pendelt um die 50, junge Leute auszubilden, das gehört zur Firmen-Philosophie. Und das kontinuierliche Investieren in leistungsfähige Technik, um am Markt bestehen zu können. Dass in der Europäischen Gemeinschaft in drei Jahren die Milchquote zur Disposition steht, schreckt Landgraf nicht. „Wir sind inzwischen so vom Weltmarkt beeinflusst, da dürfte das kaum eine Rolle spielen", meint er. Wenn er an neue Technologien denkt, dann auch an Sonnenstrom. Seit Ende Mai wird auf Hallendächern am Steinbacher Verwaltungssitz Strom produziert: „Das ist ein Versuch. Wenn es funktioniert, haben wir auch in Kitzscher noch zig Quadratmeter Dachfläche für Kollektoren."

Die Landwirtschaftsbetrieb Kitzscher GmbH unterstützt die 17. LVZ-Wanderung am 18. September. Die führt nicht nur durch die von ihr bewirtschafteten Felder. Das Wanderfest richtet der Festverein Beucha in einer Halle des Unternehmens aus. Dass man dort auch Kartoffeln frisch vom Feld kaufen kann, versteht sich. Und wer Glück hat, kann bei Wanderquiz einen von fünf Säcken mit leckeren Knollen gewinnen.

Ekkehard Schulreich

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