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Borna Alte Drehleitern müssen auf den Schrott
Region Borna Alte Drehleitern müssen auf den Schrott
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05:03 09.05.2018
Die Feuerwehr in Borna möchte ein ausrangiertes Fahrzeug in die ukrainische Partnerstadt verschenken und scheitert. Quelle: Symbolbild
Landkreis Leipzig

In Bornas ukrainischer Partnerstadt Irpin leben inoffiziell rund 120 000 Einwohner, ihnen stehen rund 136 Kameraden der Feuerwehr und eine rund 45 Jahre alte Einsatztechnik gegenüber. Nicht verwunderlich also, dass sowohl der Bornaer Oberbürgermeisterin Simone Luedtke, sondern auch Stadtwehrleiter Tino Reim während einer Reise in die Ukraine die Idee kam, das Drehleiterfahrzeug der großen Kreisstadt der Partnergemeinde zu schenken. Denn Borna bekommt in wenigen Tagen eine neue Drehleiter, mit allem Drum und Dran, mit modernster Technik. Die jetzige also muss weg, dabei hat sie derzeit 25 Jahre auf dem Buckel, wäre also in der Irpiner Wache 36 vergleichsweise hochaktuell. Doch daraus dürfte wohl nichts werden, obwohl sich Juriy Burenko, Chef der Wache 36, nichts sehnlicher wünschen würde.

Die betagten Fahrzeuge der Feuerwehr in Irpin Quelle: Tino Reim

Denn laut telefonischer Auskunft heißt es vom Bundesumweltministerium: Die bisherigen Fahrzeuge müssen dauerhaft stillgelegt und dürfen nicht woanders eingesetzt werden. Nur dann bekomme eine Kommune für die neue Drehleiter Fördermittel über das Investitionsprogramm „Brücken in die Zukunft“. „Das neue Fahrzeug wird nur gefördert, weil es deutlich umweltfreundlicher ist, also weniger Kohlendioxid ausstößt“, erklärt Luedtke. Dabei, so die Rathauschefin, würde das „alte“ Gefährt in der Ukraine noch lange gute Dienste leisten können.

Forderung nach Stilllegung kommt vom Staat

Das Wort Nachhaltigkeit ist in aller Munde, immer wieder wird gefordert, nicht jedes aktuelle Handymodell sofort zu kaufen, sich den Ressourcen, die für die Technik gebraucht werde, bewusst zu sein. Um so kurioser erscheint es, dass fahrtüchtige Feuerwehrtechnik stillgelegt werden muss. Ein Problem, vor dem auch die Städte Groitzsch, Wurzen und Grimma stehen, die ihre alten Lösch-Giganten ebenfalls ausmustern.

„Das ist nicht zu Ende gedacht“, sagt auch Maik Kunze, Bürgermeister von Groitzsch. Die Stadt müsse ebenfalls zugunsten einer neuen ihre jetzige Drehleiter, die sie sich mit Zwenkau, Pegau und Neukieritzsch teilt, außer Betrieb nehmen und verschrotten lassen. Wobei zumindest der Leiteraufsatz noch als Ersatzteillager genutzt werden könne. „Das Fahrgestell darf nicht mehr verwendet werden, der Aufsatz schon“, sagt Kunze. Daher hatte er beim Unternehmen Kunze und Sohn angefragt, ob dort der Aufsatz gebraucht werde – mit abschlägigem Bescheid. Selbst der Betrieb, dessen Schwerpunkt auf dem Verleih und Verkauf von mechanischen Leitern, Arbeitsbühnen und Geräten liegt, kann damit nichts anfangen – ein Umbau sei schlicht kaum finanzierbar. „Da ist das Verschrotten günstiger, kostet uns als Gemeinden aber auch Geld“, macht der Bürgermeister deutlich.

Für alle Kommunen gibt es den Auftrag zur Verschrottung

In Ehren ergraut ist auch die Wurzener Technik, die bald ausgemustert wird. „Auch unsere Drehleiter wird verschrottet“, gibt der Wurzener Stadtwehrleiter Michel Uischner Auskunft. „Da es sich um eine gemeinschaftlich geförderte Anschaffung handelt, gelten für alle vier beteiligten Kommunen die selben Bedingungen.“ Das Wurzener Fahrzeug hat die meisten Einsatzjahre auf dem Buckel. „Es stammt aus dem Jahr 1992 und ist damit das älteste der vier zu ersetzenden Modelle.“

Auch die Grimmaer Kameraden werden ihrer alten „Dame“ vermutlich nicht nachtrauern. „Das Fahrzeug aus dem Jahr 1995 wird wie gefordert stillgelegt“, so Stadtsprecher Sebastian Bachran. Die Stadt Grimma hatte die europaweite Ausschreibung der neuen Rettungstechnik im Auftrag aller vier Kommunen betreut. Unterstützt wurde sie dabei von der Dietze Kommunal- und Unternehmensberatung, hinter der sich der ehemalige Brandiser Bürgermeister Andreas Dietze verbirgt. Auch dieser weist auf die Besonderheit des Förderprogramms „Brücken in die Zukunft“ hin: „Da es sich um Gelder aus dem Luftreinehalteprogramm handelt, fordert der Bund, dass die Vorgängerautos ausgemustert werden.“ Wörtlich heißt es dazu in der Vorschrift: „Durch neue Fahrzeuge mit verbesserten Abgaswerten kann ein Beitrag zur Luftreinhaltung geleistet werden. Dementsprechend muss das Altfahrzeug nach der Anschaffung stillgelegt werden.“

Allerdings ist das auch in Dietzes Augen nicht zu Ende gedacht. „Schließlich könnten auch alte Drehleitern zum Beispiel im Ausland noch wesentliche ältere Modelle ablösen.“ Das käme global gesehen dem Klimaschutz ebenso zugute.

Neue Drehleitern mit Euro-6-Norm

Kreisbrandmeister Nils Adam bestätigt, dass die Ausmusterung alter Technik sonst nicht verlangt wird, selbst wenn Fördergeld fließt. „Fahrzeuge werden in der Regel von den Kommunen veräußert oder landen mitunter auch im Museum.“ Letztlich komme es aber vor allem darauf an, dass die Retter ökologisch unverdächtig unterwegs sind. „Die neuen Drehleitern erfüllen alle die Euro-Abgasnorm 6. Das“, so Adam, „ist schon eine andere Liga.“

Von Simone Prenzel und Julia Tonne

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