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Borna Alte PLZ ist verschüttgegangen
Region Borna Alte PLZ ist verschüttgegangen
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16:35 19.05.2015
Zeigt am Beispiel der Stadtverwaltung die frühere und die aktuelle Postleitzahl von Borna: Isabell Gutsche, Praktikantin in der Allgemeine Verwaltung der Stadt Borna. Vor 20 Jahren wurde aus der vierstelligen 7200 die fünfstellige 045552. Quelle: Thomas Kube

Etwa 800 doppelte Postleitzahlen in Ost und West verschwanden, in Borna zum Beispiel wurde aus der O-7200 die 04552.

Ob der damalige Bundespostminister Wolfgang Bötsch (CSU) mit seiner Meinung recht behalten hat, wonach Deutschland mit der Aufhebung der postalischen Trennung auch dem Ziel der "menschlichen und gesellschaftlichen Wiedervereinigung" näherkommen würde, mag jeder selbst beurteilen. Tatsache ist, dass die Ereignisse vor 20 Jahren für jede Menge Aufregung und Unmut sorgten. Sei es wegen der fünf Nummern, die sich einzuprägen manch einer für zu schwierig erachtete. Sei es wegen der Null, mit der viele ostdeutsche Postleitzahlen nun begannen. Heute ist dies alles Schnee von gestern, und die alte Postleitzahl dürfte kaum mehr jemand kennen. Oder etwa doch?

"Keinen blassen Schimmer" ist die erste Reaktion von Jürgen Reiche. Der 70-jährige Deutzener fühlt sich, quasi aus dem Nichts heraus auf seine alte Postleitzahl angesprochen, auf dem falschen Fuß erwischt. "In der Zwischenzeit ist einfach zu viel Neues hinzugekommen, so dass man die unwichtigen Dinge gelöscht hat", sagt er. Doch wie es mit dem Löschen der Festplatte so ist, lassen sich viele Informationen mit ein wenig Geduld wieder herstellen. Denn wenig später glaubt sich der Deutzener Rentner doch daran erinnern zu können, dass es in die Richtung 7445 gegangen sei, um abermals einige Minuten später diese Zahl auf 7203 zu korrigieren. Und die ist richtig.

Ein stückweit besser in Form ist, zumindest in puncto alte Postleitzahlen, das Langzeitgedächtnis von Helga Walter. In die 74567 für Kitzscher packt die Seniorin zwar eine Zahl zuviel hinein, dürfte aber damit der Wahrheit schon ziemlich nah kommen. "Ich bin mir jedenfalls sicher, dass die beiden Zahlen vorn und hinten identisch waren", so die 77-Jährige. Damit liegt sie aber leider doch nicht richtig, Kitzscher besaß bis 1993 die Postleitzahl 7205.

Gänzlich passen muss hingegen Helga Swoboda. "Es ist traurig aber wahr, aber ich kann mich nicht ansatzweise daran erinnern", gesteht die Bornaer Rentnerin. "Sicherlich haben wir damals viel häufiger Briefe geschrieben als dies heute der Fall ist und damit entsprechend auch das Schreiben der Postleitzahl praktiziert. Aber seitdem ist sehr viel Zeit vergangen, und das Gehirn musste sich viele neue Dinge merken", gibt die 71-Jährige zu bedenken.

Nicht um den heißen Brei in puncto Gedächtnisausfall bezüglich alter Postleitzahlen redet auch Gerhard Krock. "Ich habe keine Ahnung, denke aber, dass meine Frau sie ganz sicher weiß", sagt der 74-jährige Wyhrastädter.

Allein ein Privileg des vermeintlich schwachen Geschlechts ist das Abspeichern der alten Postleitzahlen ganz offensichtlich nicht, muss doch auch die Vorsitzende des Böhlener Kulturvereins passen. "Obwohl ich noch immer in der gleichen Wohnung in Lößnig wohne, kann ich mich partout nicht daran zu erinnern", gibt Karla Schimmel zu verstehen. Immerhin kann die Vereinschefin insofern einen Beitrag zum Thema leisten, als sie mit der Bezeichnung ihres Wohnbereiches vor der Einführung des DDR-Postleitzahlsystems 1965 aufzuwarten vermag. "Leipzig-Lößnig wurde als S 3 bezeichnet", so Schimmel.

Auch die Bad Lausicker Heimatforscherin Monika Löffelmann muss bei der Frage nach ihrer alten Postleitzahl passen. "Ich denke aber, dass es bewegendere Dinge als Postleitzahlen gibt", meint die Kurstädterin, die ganz aktuell die Umbenennung von Lausigk in Lausick anführt, die sich vorigen Montag zum 100. Mal gejährt hat. "Daran, dass vorn eine Sieben stand, kann ich mich noch erinnern, beim Rest müsste ich die alte Korrespondenz meines Mannes zu Rate ziehen." Die würde ihr verraten: Bad Lausick war postalisch mit der 7232 zu erreichen.

© Standpunkt

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.07.2013

Roger Dietze

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