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Am Rittersaal in Kitzscher ist jetzt das Schloss wieder zu sehen

Am Rittersaal in Kitzscher ist jetzt das Schloss wieder zu sehen

Rund 48 Stunden hat die 60 Jahre alte Bärbel Frommelt in den vergangenen Tagen auf einem Baugerüst an der straßenseitigen Fassade des Rittersaales in Kitzscher verbracht, dem einstigen Pferdestall des Rittergutes.

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Franz Waberzeck (r.) und Mirko Podlewski freuen sich über das Bild vom Schloss, das Bärbel Frommelt auf die Fassade des Rittersaales malte.

Quelle: Thomas Kube

Kitzscher. Jetzt ist an der Wand das Bild des 1949 abgerissenen Schlosses zu sehen. Das 3,60 Meter breite und 2,20 Meter hohe Bild entstand nach einer Abbildung auf einem Briefpapierbogen der Familie von Arnim, der letzten Besitzer des Gutes, das Franz Waberzeck, der Vorsitzende des Heimatvereins, der Hobbymalerin, die Mitglied im Stadtrat von Kitzscher ist, zur Verfügung stellte.

Den ersten Anstoß dafür, dass jetzt an prominenter Stelle direkt an der Bornaer Straße an das Schloss erinnert wird, gab im Frühjahr eine anfangs umstrittene Entscheidung im Stadtrat. Die Stadt verkaufte ein Grundstück, auf welchem früher ein Teil des Schlosses stand. Der Heimatverein war dagegen. Der Kompromiss sah so aus, dass die Stadt dem Verein bis zu 1500 Euro zur Verfügung stellte für eine Informationstafel, die im Park an das Schloss erinnern sollte.

Zu der Zeit gehörte auch Mirko Podlewski, der Eigentümer des Rittersaales, noch dem Stadtrat an. Von ihm kam schließlich die Anregung für die jetzige Lösung: Eine Infotafel, so seine Überlegung, wird irgendwann vielleicht zerstört. Ein Bild an der Wand nicht. Außerdem passte das ganz gut in seine Vorhaben zur Gestaltung der Fassade. Franz Waberzeck stimmte ihm zu und griff den Gedanken gern auf. Bärbel Frommelt, die die Debatte ja ebenfalls im Stadtrat verfolgt hatte, musste nicht lange überzeugt werden. Und auch der Bürgermeister, sagte Waberzeck, sei mit einem Wandbild anstelle einer Infotafel einverstanden gewesen.

Schon während Bärbel Frommelt noch malte, zeigte sich, wie richtig die Entscheidung war. Immer wieder wurde die Künstlerin auf das entstehende Bild hin angesprochen. "Einige Ältere", wundert sich die Kitzscheranerin, "meinten, dass ich das Rathaus male." Dagegen hätten die ganz Kleinen das Schloss gleich erkannt.

"Das ist genau das, was wir wollen", freut sich der Heimatvereinsvorsitzende. "Es wird hinterfragt und es wird über das Schloss gesprochen." Zumal das Bild an dieser Stelle viel sichtbarer für die Öffentlichkeit sei, als es eine Tafel im Park gewesen wäre.

Die Familie von Arnim hatte das Rittergut 1871 gekauft und umbauen lassen. Es bekam eine zusätzliche Etage aufgesetzt, und aus dem ehemaligen Innenhof wurde ein Treppenhaus. Dieser Bau ist bis in die Details auf dem Gemälde zu sehen, einschließlich der beiden Pferdebändiger-Figuren vor dem Tor, von denen heute jede Spur fehlt, wie Waberzeck bedauert. Nur die Farbe entsprang der künstlerischen Freiheit von Bärbel Frommelt, denn das Bild auf dem Briefpapier ist schwarz-weiß.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.10.2014
Neumann, André

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