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Amtsgericht Borna kann Messerstecherei im Asylheim Rötha nicht aufklären

Verhandlung Amtsgericht Borna kann Messerstecherei im Asylheim Rötha nicht aufklären

Ein Fall von vielen: Im Asylbewerberheim in Rötha gerieten im März 2015 Bewohner in Streit. Mehr als anderthalb Jahre später kann das Amtsgericht Borna die Angelegenheit nicht mehr aufklären und spricht die Angeklagten frei.

Die Verhandlung am Amtsgericht Borna konnte nicht klären, was im März 2015 bei der Auseinandersetzung in der Flüchtlingsunterkunft in Rötha tatsächlich geschah.
 

Quelle: Jens Paul Taubert

Borna/Rötha.  Im März 2015 hatte die Flüchtlingskrise noch nicht ihren Höhepunkt erreicht, die Auswirkungen der ungebremsten Zuwanderung waren aber längst zu spüren. Besonders in den Flüchtlingsunterkünften selbst, die schon rappelvoll waren. Nahezu täglich musste die Polizei ausrücken, weil in Rötha, Regis-Breitingen, Borna oder Thräna Ausländer aneinandergeraten waren.

Zu dem Fall, der jetzt am Amtsgericht in Borna verhandelt wurde, waren die Beamten in der Nacht zum 7. März gerufen worden. An der Rezeption des Apart Hotels in Rötha, welches seit November 2013 als Flüchtlingsunterkunft dient, fanden sie einen schreienden und tobenden Mann mit blutenden Wunden an Bauch und Rücken, der erst durch ein paar feste Griffe und eine Spritze des Notarztes zu beruhigen war. Nur allmählich konnten sich die Polizisten ein Bild machen und in Erfahrung bringen, was geschehen und wer beteiligt gewesen sein könnte.

Mehr als anderthalb Jahre später sitzen zwei Männer auf der Anklagebank. Der eine heißt Karem B., ist 30 Jahre alt, stammt aus Libyen und wird in Handschellen aus dem Gefängnis gebracht, wo er wegen anderer Straftaten einsitzt. Der andere, Muhanad O., ist 24 und ebenfalls Libyer. Was dem Polizisten im Zeugenstand, der damals am Einsatz beteiligt war, zuerst auffällt: Der Mann, den man damals als mutmaßlichen Haupttäter ausgemacht hatte, ein gewisser Al B., ist nicht im Gerichtssaal. Den mitangeklagten jüngeren Mann kennt er gar nicht.

Al B. ist nicht der einzige Beteiligte, auf den das Gericht beim Versuch, das damalige handgreifliche Durcheinander aufzuklären, verzichten muss. Der, der als Geschädigter gilt und aussagen sollte, der Tunesier Khaled L., ist mittlerweile abgeschoben worden. Al B. selbst ist untergetaucht. Zwei weitere ausländische Zeugen fehlen, wie auch ein geladener Mitarbeiter der Hotelrezeption, der damals im Haus war.

Das Gericht sieht sich einem Durcheinander widersprüchlicher Aussagen gegenüber. Polizisten, die selbst nicht Augenzeugen waren, erzählen, was die Beteiligten ihnen vor anderthalb Jahren gesagt haben. Bevor L. attackiert wurde, soll jemand in etwa gesagt haben: Du hast meine Mutter beleidigt, dafür töte ich dich. Wer zu wem, ist nicht klar.

Auch nicht, wer wann von wem mit einem Messer oder einer abgebrochenen Bierflasche verletzt worden ist. Jemand wollte den verschwundenen Dritten, Al B., mit einem Messer in der Hand über dem blutenden L. stehend gesehen haben. Auch Karem B. hatte damals eine Schnittwunde im Unterarm. Der Polizei sagte er allen Ernstes, er wisse nicht, woher die stamme und dass niemand ein Messer gehabt habe. Jetzt im Gerichtssaal schweigen beide Angeklagten hartnäckig, nur in der Pause unterhalten sie sich munter miteinander.

Ernüchterung macht sich im Gerichtssaal breit. Im Gesicht des Staatsanwaltes gewinnt Zerknirschung die Oberhand. Der Richter ruft die Beteiligten zur Beratung darüber zusammen, wie man weitermachen solle. Schließlich wird noch die damalige Aussage des Tunesiers verlesen, der selbst schon vor Gericht stand und der immerhin zugegeben hatte, mit den Libyern ein Problem zu haben.

Sicher ist nur: Es wurde an dem Abend eine Menge Bier getrunken, es gab ein oder mehrere Handgemenge und mehrere Verletzte. Für keinen, so ein Rechtsmediziner, habe Lebensgefahr bestanden. Die Angeklagten werden freigesprochen, die Kosten trägt der Staat. Immerhin muss Karem B. zurück ins Gefängnis.

Von André Neumann

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