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Borna Angeklagter durch Zeugen belastet: Mann reagiert aggressiv unter Alkohol
Region Borna Angeklagter durch Zeugen belastet: Mann reagiert aggressiv unter Alkohol
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00:29 23.03.2018
Die Staatsanwaltschaft spricht von Heimtücke und Grausamkeit. Foto: David Ebener/Illustration Quelle: dpa
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Rötha/Leipzig

Mehr als zwei Stunden saß Wolfgang W. am Montag im Zeugenstand am Landgericht Leipzig. Und er mühte sich oft vergeblich um konkrete Antworten. Er hat vieles schlicht vergessen. Alkoholbedingt. Und so blieben seine Aussagen im Prozess um versuchten Totschlag – jähes Ende eines nachbarschaftlichen Verhältnisses zweier Männer, die im Plattenbau in der Ernst-Thälmann-Straße in Rötha Wand an Wand wohnten und vor allem viel tranken – eher diffus.

Drei Promille zur Tatzeit

Viele der Fragen von Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung zur Aufklärung des Falls liefen ins Leere. Denn auch der Geschädigte – vom Angeklagten Günter M. (66) am 2. September vorigen Jahres laut Anklage mit einem Tischbein traktiert – hatte am Tattag nach Aktenlage rund drei Promille intus. Die Folge: So manches Detail ging verloren. „Ich führe kein Tagebuch“, meinte er auf die Vorfälle angesprochen.

Der 63-Jährige, der seit geraumer Zeit in einer Wohnung ohne Strom lebt, schilderte einen Nachbarn, der durchaus hilfsbereit gewesen sei. „Wir haben manchmal zusammen gekocht und Fernsehen geguckt.“ Das Problem: der Alkohol. Günter M. rastete, wenn er getrunken habe, schnell aus, „bei Widerrede kann es sein, dass er explodiert.“ Etwa, wenn es um Fußball ging und die Männer, der eine hielt auf Bayern München, der andere auf Dortmund, aneinander gerieten.

Da habe der Angeklagte dann ohne Vorwarnung zugeschlagen. Sich dann am nächsten Tag aber entschuldigt, „dann ging es auch wieder ein Weilchen“, sagte der Zeuge, ein arbeitsloser Schlosser. Er lebt von Hartz IV. Und habe sich immer wieder „breit schlagen lassen“, wenn der Nachbar wieder angekommen sei. Der hatte niemanden sonst. Er habe nicht gewusst, dass der Mann nebenan „ein Quartalssäufer ist“, der angetrunken streitsüchtig und rechthaberisch wurde.

Fünf handfeste Auseinandersetzungen

Insgesamt fünf handfeste Auseinandersetzungen – mit einem Tischbein, einem Aschenbecher, einer Bierflasche verschärft – soll es den von der Staatsanwaltschaft Leipzig erhobenen Vorwürfen zufolge gegeben haben. Der massivste Streit endete für den Geschädigten mit „lebensbedrohlichen Verletzungen“ – unter anderem wurde ein Schädelbruch attestiert – im Krankenhaus. Günter M. sitzt seither in Untersuchungshaft.

Der Angeklagte hatte zu Prozessbeginn erklärt, dass es um seine Brieftasche gegangen sei. Um 100 Euro, die gefehlt hätten. Sein damaliger Nachbar vermochte sich daran am Montag ebenso wenig erinnern wie an einen Vorfall mit einem verloren gegangenen Schlüsselbund. Das hölzerne Tischbein, das als Beweisstück auf dem Richtertisch lag, erkannte er aber wieder. Zur eigenen Sicherheit, weil sich seine Wohnung nicht abschließen ließ, hatte er es bereit gelegt. Dass er den Nachbarn in irgendeiner Form betrogen habe, wies er von sich.

Zeuge bereits wegen Körperverletzung in Haft

Tatsache ist: Laut Aktenlage saß der Zeuge bereits wegen Körperverletzung in Haft, hatte bei den einzelnen Vorfällen auch 2,4 bis 3 Promille intus. „Da ist schon viel Alkohol bei Ihnen im Spiel“, meinte der Vorsitzende Richter Hans Jagenlauf.

Ein weiterer Zeuge bestätigte ebenfalls, dass Günter M. unter Alkohol „leider aggressiv geworden“, ansonsten aber ein ganz angenehmer Mensch sei. Er habe ihm beim Umzug von Kitzscher nach Rötha geholfen, schilderte der 72-Jährige. Im Sommer vorigen Jahres wurde er von Günter M. mit einer Eisenstange bedroht. „Ich hatte ihn nur gefragt, wann ich mein Geld zurückbekomme“, erklärte er im Zeugenstand. Er war damals aus der Wohnung geflüchtet und daher unverletzt geblieben. Das Geld, 68 Euro, habe er nicht zurückbekommen.

Gutachter werden angehört

Das Gericht wird zur Aufklärung der angeklagten Straftaten noch weitere Zeugen und zwei Gutachter hören. Letztere werden zur Schuldfähigkeit und zur alkoholischen Beeinflussung Stellung beziehen. Für Donnerstag wird ein Urteil erwartet. sg

Von Saskia Grätz

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