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Anne-Frank-Ausstellung wird am Donnerstag in Borna eröffnet

Gegen das Vergessen Anne-Frank-Ausstellung wird am Donnerstag in Borna eröffnet

Sie wurde gerade einmal 15 Jahre alt, verbrachte zwei Jahre ihres kurzen Lebens im Versteck – und schrieb Tagebuch. Eine Sonderausstellung zu Annelies Marie Frank ist ab dem 1. September, im Goldenen Stern in Borna unter dem Titel „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“ zu sehen.

Die Nachbildung von Annes Zimmer im Versteck bildet das Zentrum der Anne-Frank-Ausstellung.

Quelle: Anne-Frank-Zentrum Berlin

Borna. So besonders, wie es das Mädchen selbst war, sind auch die Schau des Anne-Frank-Zentrums Berlin und das Begleitprogramm vom Flexiblen Jugendmanagement aus Bad Lausick. Außergewöhnlich ist zudem, dass Jugendliche selbst Schulgruppen durch die Ausstellung führen und Fragen beantworten. 28 Neunt- und Zehntklässler der Dinterschule und des Teichgymnasiums haben sich beworben und sich für diese Aufgabe ausbilden lassen. Das Flexible Jugendmanagement, das sich für die aktive Beteiligung Jugendlicher bei der Gestaltung ihrer Lebenswelt einsetzt und demokratisches Handeln und Mitbestimmung von Jugendlichen fördert, setzt dieses besondere Konzept um, „weil es Gleichaltrige braucht, um Jugendliche für bestimmte Themen zu interessieren“, begründet Andreas Rauhut von der Projektgruppe.

Dieser sogenannte Peer-to-Peer-Ansatz habe sich schon in der Ausstellung in Frohburg vor drei Jahren als erfolgreich erwiesen, da die Hemmschwellen, miteinander ins Gespräch zu kommen, geringer seien und Diskussionen auf Augenhöhe stattfinden könnten.

Renan Ran Harari (links) vermittelt den künftigen Ausstellungsbegleitern Lena, Toni, Niklas und Samanta Hintergrundwissen über das Judentum

Renan Ran Harari (links) vermittelt den künftigen Ausstellungsbegleitern Lena, Toni, Niklas und Samanta Hintergrundwissen über das Judentum.

Quelle: Julia Tonne

Workshop mit jüdischem Israeli Renan Ran Harari

Zu der Ausbildung der Ausstellungsbegleiter gehörte unter anderem ein Workshop mit Renan Ran Harari, einem Juden aus Israel, der auch in Deutschland zuhause ist. „Die Schüler wissen heutzutage vieles vom Holocaust und vom Dritten Reich, aber wenig über das Judentum“, macht Harari deutlich. Einen Nachmittag lang vermittelte er den 14- und 15-Jährigen Grundlagen zur Religion, zur Geschichte der Wanderungen auf der Suche nach dem eigenen Land und zu Besonderheiten des Alltags eines Juden. „Das Judentum ist die älteste der monotheistischen Religionen, was bedeutet, dass es nur einen Gott gibt.“ Bei anderen Weltanschauungen würden mehrere Götter die Welt ausbalancieren, im Judentum sei jeder selbst für Balance und Stabilität verantwortlich und diene dem einen Gott. Ein Jude könne man nicht werden, als Jude müsse man geboren werden. „Und das macht die Juden zu einem sehr friedlichen Volk“, betont Harari. Für ihn um so paradoxer, dass ein solch kleines Volk dermaßen im Mittelpunkt einer Gesellschaft stand und zum Teil immer noch steht.

Bornaer Schüler führen durch die Ausstellung

Zu den 28 Schülern aus Borna, die in den kommenden vier Wochen Besucher durch die Schau führen, gehören unter anderem Lena, Toni, Niklas und Samanta. Dass sie sich für diese Aufgabe beworben haben, begründen sie mit ihrem Interesse an Anne Frank. „Sie hat den Opfern des Nationalsozialismus ein Gesicht und eine Stimme gegeben. Und ihr Vater Otto hat mit der Veröffentlichung ihres Tagebuchs dafür gesorgt, dass das Leid nicht in Vergessenheit gerät“, erklärt Lena. Für die Führungen werden die Schüler, die im Zweierteam unterwegs sind, von der Schule freigestellt. „Die Hälfte der Schultermine ist vergeben, es gibt also noch genug Möglichkeiten für Schulen, sich für eine Führung anzumelden“, betont Rauhut.

In der Ausstellung erzählen große Bildwände in sechs Abschnitten von Anne Franks Leben und ihrer Zeit: von den ersten Jahren in Frankfurt am Main und der Flucht vor den Nationalsozialisten, über die Zeit in Amsterdam – die Kindheit und die schwere Zeit im Versteck – bis zu den letzten sieben Monaten ihres Lebens in den Lagern Westerbork, Auschwitz und Bergen-Belsen. Viele private Fotos erlauben einen intimen Einblick in das Leben der Familie Frank und ihrer Freundinnen und Freunde. Die Ausstellung zeigt außerdem die Geschichte des Tagebuchs seit dessen Veröffentlichung. Zentrum der Ausstellung ist ein Gedenkraum – die Nachbildung von Annes Zimmers im Versteck. Aktuelle Fragen zu Identität, Gruppenzugehörigkeit und Diskriminierung werden ebenfalls in der Wanderausstellung aufgeworfen.

Begleitprogramm zur Anne-Frank-Ausstellung

Stadtführung „Jüdisches Leben in Borna“: Sonntag, 4. September, 14 Uhr, Museum der Stadt Borna. Die Führung widmet sich jüdischen Spuren in Borna und verläuft unter anderem entlang des Kaufhauses Britania, des Geschäftshauses Singer und der Gedenkstätte Lobstädter Straße.

Lesung von Küf Kaufmann „Wodka ist immer koscher“: Sonntag, 4. September, 17 Uhr, Stadtkulturhaus. Kaufmann führt Regie an zahlreichen Kleinkunstbühnen und spielt bundesweit Kabarett mit Bernd-Lutz Lange. Er ist Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig und Mitglied des Zentralrats der Juden.

Einführung ins Judentum – Leben und Tradition mit Rabbiner Zsolt Balla: Montag, 5. September, 19 Uhr, Sitzungssaal Rathaus. Der Rabbiner gibt Einblick in die jüdische Religion und die Alltagstraditionen.

Geocaching-Tour im ehemaligen KZ-Außenlager Flößberg: Dienstag, 6. September, 9 Uhr, Lagergelände zwischen Flößberg und Beucha. Die Tour richtet sich insbesondere an Schulklassen. Sie führt mittels GPS-Koordinaten über das KZ-Gelände und gibt Informationen zur Geschichte.

Filmvorführung : Donnerstag, 8. September, 12 Uhr, Stadtkulturhaus mit anschließender Diskussion.

Judentum zum Anfassen und Schmecken : Sonnabend, 10. September, 10 Uhr, Goldener Stern. Der Verein KinderZeit informiert über jüdisches Leben, Bräuche und Festtage und erklärt typische Gegenstände wie Kippa, Menorah und Mesusa. Bei einer Verkostung lernen die Besucher biblische Früchte kennen.

Themenwoche im Freizeitzentrum: Dienstag, 13. September, bis Freitag, 16. September, 16 Uhr, Kindervereinigung mit Filmnachmittag, Herstellung von Tagebüchern, Kennenlernen von alten Schriften, Besuch der Ausstellung.

Klezmer Muskelkater : Freitag, 16. September, 20 Uhr, Stadtkulturhaus. Die Band aus Leipzig spielt traditionelle jiddische Instrumentalmusik und nimmt die Zuhörer mit auf eine Reise durch Länder und Kulturen. Klezmermusik ist ein Schmelztiegel vieler musikalischer Traditionen.

Zu sehen ist sie bis zum 29. September im Goldenen Stern, eröffnet wird sie am Donnerstag um 18 Uhr. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr, Sonnabend von 14 bis 18 Uhr. Führungen werden von Montag bis Freitag jeweils 8 bis 16 Uhr angeboten. Sie sind bei Bedarf auch in englischer Sprache möglich.

Das Jugendmanagement nimmt Terminwünsche zu Führungen unter der Nummer 034345/559736 entgegen.

Von Julia Tonne

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