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Anreiz zum Umsteigen

Anreiz zum Umsteigen

Am Sonnabend wird mit einem Festakt im Leipziger Hauptbahnhof der City-Tunnel und damit das neue Mitteldeutsche S-Bahn-Netz eingeweiht. Nutznießer werden auch die Fahrgäste der Borna-Geithainer Region sein.

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Hier war es noch der Probebetrieb, ab Sonntag wird es ernst. Dann halten die Züge auch in der City-Tunnel-Station am Wilhelm-Leuschner-Platz - und von Borna aus geht es wieder im Halbstundentakt nach Leipzig.

Quelle: dpa

Borna. Die Züge verkehren von Borna aus wieder im Halbstundentakt, und die Fahrtzeit von und nach Leipzig verkürzt sich deutlich. Geithain, Frohburg, Borna, Neukieritzsch und Böhlen liegen an der S-4-Strecke. LVZ fragte die Bürgermeister der fünf Kommunen, welche Erwartungen sie mit der Eröffnung des neuen Verkehrsnetzes hegen.

"Das ist in Sachen Verkehr der zweite Paukenschlag für Geithain in diesem Jahr", sagt Geithains Bürgermeisterin Romy Bauer (CDU). Seit der Autobahneröffnung im August hat die Stadt eine Auf- und Abfahrt an der A 72, nun erfolgt der Anschluss an das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz. Dass ein Festakt zur offiziellen Eröffnung am 14. Dezember in Geithain stattfindet, zeige die Bedeutung der Kommune im Verkehrsnetz der Region. "Geithain wird als Wohnstandort noch attraktiver", freut sich die Stadtchefin und verweist auf das Eigenheimgebiet an der Colditzer Straße. Doch die guten Verkehrsverbindungen seien keine Einbahnstraßen. "Ein herzliches Willkommen allen, die Geithain und die Region besuchen möchten", betont die Bürgermeisterin.

Ein Problem sieht Bauer auf die Stadt zukommen: Die von der Kommune geschaffenen Parkplätze im Bahnhofsumfeld reichen schon jetzt nicht aus, um die Autos aller Pendler aufzunehmen. "Wir setzen uns sehr dafür ein, weitere Stellplätze zu schaffen. Das wird aber nur mit erheblicher Unterstützung gehen, vor allem vom Zweckverband für den Nahverkehr." Außerdem sei es unbedingt erforderlich, das Zubringernetz nach Geithain per Bus zu optimieren.

Er hoffe, sagt Frohburgs Bürgermeister Wolfgang Hiensch (parteilos), "dass die in den Argumentationen zur Notwendigkeit des City-Tunnels immer wieder benannten Vorteile wenigstens annähernd eintreten". Die Elektrifizierung der Strecke Borna-Geithain gehe nun in Betrieb. Er erhoffe sich dadurch, so Hiensch, dass diese Bahnverbindung für die Zukunft nicht infrage gestellt wird und damit auch gute Voraussetzungen für die Umnutzung des Frohburger Bahnhofsgebäudes durch private Investoren bestehen. "Grundsätzlich halte ich den Neubau des City-Tunnels aber für eine Steuerverschwendung", kritisiert Hiensch. "Es hätte in Deutschland, Sachsen und auch der Region Leipzig wohl wichtigere Maßnahmen gegeben, für die diese Mittel hätten sinnvoller eingesetzt werden können." Der Rathauschef hofft zudem, dass die Deutsche Bahn 2014 endlich "die lange versprochene Modernisierung des Haltepunktes Frohburg realisiert", nachdem die Stadt die neue Verknüpfungsstelle für Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und Schienenpersonennahverkehr (SPNV) am Bahnhof fertiggestellt habe. Außerdem erwarte er, dass im Hinblick auf diese Investitionen die Buslinienführung in der Region so verbessert wird, dass tatsächlich eine bessere Verknüpfung von SNPV und ÖPNV am Frohburger Bahnhof ermöglicht wird.

Die Bornaer Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke) freut sich, dass sich durch die Eröffnung des Leipziger City-Tunnels die Anbindung der Kreisstadt Borna wesentlich verbessert. Schließlich brauchen Bornaer künftig nur noch eine halbe Stunde, um mitten in der Leipziger Innenstadt auszusteigen. "Das ist gerade für Berufspendler und junge Leute wichtig", so die Rathauschefin. Sie begrüßt es, dass auch Kinder und Jugendliche schneller nach Leipzig, etwa ins Kino, und wieder zurückkommen.

"Die verbesserte Anbindung an den Haltepunkten in Neukieritzsch und Lobstädt bedeutet für unsere Bürger eine schnellere und komfortable Anbindung ins Leipziger Zentrum", sagt der Neukieritzscher Bürgermeister Henry Graichen (CDU). Besser erreichbar seien aber auch Einrichtungen wie die Messe, der Flughafen oder sogar Städte wie Halle, Zwickau oder Hoyerswerda. Somit werde "für den beruflich wie den privat veranlassten Verkehr ein deutlicher Anreiz gesetzt", auf die Bahn umzusteigen. Durch die Anbindung weiterer Regionen in Sachsen sowie in Sachsen-Anhalt an die Stadt Leipzig, wachse die Attraktivität der gesamten Region Leipzig und verleihe ihr zusätzliche wirtschaftliche Dynamik, so Graichen.

Die Erwartungen von Böhlens Bürgermeisterin Maria Gangloff (Linke) an den City-Tunnel sind ambivalent. Einerseits sei es von Vorteil, in kurzer Zeit in Leipzigs Innenstadt zu sein, "und wir Böhlener verfügen über weitere gute S-Bahn-Anschlussmöglichkeiten". Andrerseits ist der City-Tunnel laut Gangloff so teuer gewesen, dass sie, wie ihr Amtskollege Hiensch, das Aufwand-Nutzen-Verhältnis infrage stellt. "Dazu kommt, dass für behindertenfreundliche Bahnhöfe unter 1000 Nutzern, für umfangreicheren Lärmschutz, Sicherheitsfragen und für fahrgastfreundliche Bahnhofsmöbilierung kein Geld vorhanden ist", kritisiert Böhlens Rathauschefin. Als eine Region, die über kein U-Bahn-Netz verfügt, sei es für sie noch immer rätselhaft, was zum Bau des City-Tunnels inspirierte.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.12.2013

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