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Borna Anschlag auf Zigarettenautomaten: Bornaer leugnet erst und gibt dann alles zu
Region Borna Anschlag auf Zigarettenautomaten: Bornaer leugnet erst und gibt dann alles zu
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00:31 05.03.2018
So ähnlich könnte der Zigarettenautomat nach dem Anschlag vor einem Jahr ausgesehen haben (Beispielfoto). Quelle: Udo Zagrodnik
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Borna

Eine Signalrakete explodierte am 29. Januar des vorigen Jahres, morgens zwischen fünf und halb sechs, im Ausgabeschacht eines Zigarettenautomaten in der Semmelweisstraße in Borna . Der Automat wurde beschädigt, aber nicht so sehr, dass Zigaretten und Geld freigelegt wurden.

Deswegen versuchte es der Täter ein paar Minuten später noch mit einem Bolzenschneider. Auch vergeblich. Für den missglückten Anschlag musste sich der Bornaer Kevin G. jetzt vor Gericht verantworten.

Angeklagter kommt in Handschellen

Der 28-Jährige sieht jünger aus. Und auch die Art, wie er dem Richter seine Geschichte von jenem frühen Morgen auftischt, passt eher zu einem unartigen Jungen, als zu einem Mann seines Alters. Allerdings führen ihn zwei Polizisten in Handschellen in den Gerichtssaal, denn er sitzt gerade eine dreimonatige Haftstrafe ab.

Polizei und Staatsanwaltschaft sind sich ziemlich sicher: Kevin G. wollte an das Geld und die Zigaretten ran, die Anklage lautet deshalb auf Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, Sachbeschädigung und versuchten Diebstahl. Es gab Fußspuren im Schnee, Spuren des Fahrrades, den Bolzenschneider und einen Rucksack mit Spuren der Signalrakete und auch DNA-Spuren. Außerdem sind sich die Bewohner der nur rund acht Meter entfernten Wohnung sicher, damals nur einen einzigen Mann gesehen zu haben.

Kevin G. beteuert Unschuld

Doch Kevin G., arbeitslos und ohne Beruf, beteuert seine Unschuld, will mit der ganzen Sache nichts zu tun haben. Er habe nicht schlafen können und sei deshalb raus gegangen. Am Zigarettenautomaten will er einen Kumpel getroffen haben, der ihn bat, mal den Rucksack zu halten. Mit dem sei er dann um die nächste Straßenecke gegangen.

Dort habe er es knallen gehört, ohne zu wissen, was passiert ist. Dann will er den Kumpel angerufen haben, um zu erfahren was los sei. Dann kam die Polizei, und er haute ab. Mit dem Rucksack, der nicht seiner gewesen sei, stellten ihn die Beamten auf dem Parkplatz unterhalb der Sana-Klinik.

Kumpel hat plötzlich anderen Namen

Komisch ist, dass er bei einer vorangegangenen Vernehmung einen anderen Namen des angeblichen Kumpels benutzt hatte, hält der Richter dem Angeklagten vor. Das kann der zwar nicht erklären, doch er bleibt erstmal dabei: „Ich habe damit nichts zu tun, das müssen Sie mir glauben“, beteuert er. Daran ändert sich auch noch nichts, als der Richter ihm ins Gewissen redet: „Sie sind gerichtserfahren genug, um zu wissen, was ein Geständnis bewirkt.“

Kevin G. hat nämlich nicht zum ersten Mal mit der Justiz zu tun. Vor zehn Jahren stand er erstmals vor Gericht. Zum vorläufig letzten Mal im August 2017. Dazwischen lagen mehr als ein Dutzend Verurteilungen wegen Sachbeschädigung, Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Körperverletzung, mehrfach wegen Diebstahls, wegen Führens einer Waffe, Zeigens verfassungsfeindlicher Symbole und Betrug. Meist gab es Geldstrafen, auch mal Arbeitsstunden und Arrest. Einmal drei Monate Haft auf Bewährung. Die muss Kevin G. derzeit absitzen, weil er Bewährungsauflagen nicht erfüllt hat. Für die Sprengstoffexplosion würde es diesmal mindestens ein Jahr werden.

Verteidiger räumt Tatvorwurf ein

Nachdem der Richter andeutet, in einer zweiten Verhandlungsrunde den angeblichen Kumpel als Zeugen vorzuladen, gibt es eine Beratungspause. Danach geht alles plötzlich ganz schnell. Kevin G. sagt nichts mehr, dafür räumt sein Verteidiger im Namen des Angeklagten den Tatvorwurf „eins zu eins“ ein.

Im Gegenzug fordert der Staatsanwalt zwar ein Jahr und zehn Monate Haft, bemüht sich aber zu begründen, warum die trotz der langen Vorstrafenliste doch noch einmal zur Bewährung ausgesetzt werden können. Nicht ohne hinzuzufügen: Wenn Sie jetzt noch einen Kaugummi klauen, ist Schluss!

Der Richter verhängt schließlich ein Jahr und acht Monate auf Bewährung. Drei Jahre darf sich Kevin G. nichts zuschulden kommen lassen, er muss 150 Arbeitsstunden leisten und jeden Wohnungswechsel in dieser Zeit unaufgefordert melden.

An besagter Stelle in der Semmelweisstraße steht heute kein Zigarettenautomat mehr.

Von André Neumann

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