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Borna Anwohner in Böhlen, Rötha und Espenhain äußern sich nach dem Großbrand
Region Borna Anwohner in Böhlen, Rötha und Espenhain äußern sich nach dem Großbrand
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16:43 13.03.2018
Feuer bei Recyclingfirma in Böhlen. Quelle: Andreas Döring
Böhlen/Rötha/Espenhain

Am Tag nach dem Großbrand ist der Vorfall für viele Anwohner in Böhlen und den umliegenden Orten ein Thema. „Es hat schon ganz schön geraucht, aber unser Stadtgebiet war nicht so stark betroffen, denke ich. Wir haben zwar die Fenster zugemacht, aber in anderen Orten war es mit der Luft wohl schlimmer“, sagte die Böhlenerin Brigitte Schömann.

Eine Bäckereiangestellte in ihrer Stadt erlebte es drastischer: „Es roch noch am nächsten Morgen stark nach verbrannter Plaste, da sind mit Sicherheit Schadstoffe drin!“ Es werde zwar immer gern behauptet, dies sei nicht schädlich, aber sie glaube nicht daran. Sie würde sich wünschen, dass die Bevölkerung in so einem Fall mehr geschützt wird, dass zum Beispiel Mundschutz ausgegeben wird. Der Großbrand sei kein Einzelfall, immer mal wieder gebe es Vorfälle in der Region. Da könne man sich schon Gedanken machen.

Der Böhlener Ortsteil Gaulis war akut betroffen, erzählte Anwohnerin Sandra Götze. Sie war am Dienstagvormittag mit ihren beiden Hunden der Rasse Magyar Vizsla in Richtung Kraftwerk Lippendorf unterwegs, verkürzte aber ihren Spaziergang, weil es vom Gelände der betroffenen Recylingfirma immer noch leicht qualmte. Am Montagabend war es „wirklich heftig, alles schwarz“, sagte die 36-Jährige. Auch am Dienstag noch würde es „sehr seltsam riechen“. Seit sieben Jahren wohnt sie in Gaulis und findet dieses Dorf wunderschön, nur mit dem Industriegebiet nebenan sei es mitunter schwierig. „Aber was sollen wir denn machen?!“, fragte die Hundeliebhaberin und zuckte mit den Schultern.

Im nahen Rötha bekam Margitta Müller nach dem Vorfall schwer Luft. „Ich hab’ zwar gleich die Fenster zugemacht, aber früh dann hatte ich so ein Stechen beim Atmen“, erzählte die 76-Jährige. Sie sei mit dem Bus nach Borna gefahren, dabei seien die Beschwerden immer noch zu spüren gewesen. Ihrer Meinung nach hat sich die Luft im Vergleich zu DDR-Zeiten zwar immens verbessert, aber immer noch gebe es große Industriebetriebe in der Nachbarschaft. Dies könnte sich schon auf die Gesundheit auswirken, meinte die Seniorin. Ihr Mann, der vierzig Jahre im Werk Espenhain arbeitete, sei vor einem Vierteljahr an einer Lungenkrankheit gestorben, „das wird auch was damit zu tun haben“.

„Die Qualmwolke bei dem Brand sah aus wie eine Gewitterfront“, erinnerte sich John Große in Espenhain, nur wenige Kilometer von Böhlen und Rötha entfernt. Die Straßenlaternen leuchteten früher als sonst, weil es so dunkel war, meinte er. Von seinem Auto wischte er jede Menge Aschepartikel. Der 35-Jährige, der mehrere Jahre bei der Feuerwehr war, beobachtet, „dass es in großen Recyclingunternehmen immer mal brennt“. An bestimmte Belastungen sei die Region seit Jahrzehnten gewohnt, „wir müssen damit leben und haben kein Mitspracherecht, wenn sich Firmen ansiedeln“. Zu wünschen sei allerdings, dass die Industrie wirklich die versprochenen Arbeitsplätze schafft.

Von Claudia Carell

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