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Anwohnerversammlung in Lobstädt: Bürger haben Angst vor den Flüchtlingen

Gemeinschaftsunterkunft Anwohnerversammlung in Lobstädt: Bürger haben Angst vor den Flüchtlingen

Viele Lobstädter haben offenbar Angst vor den Flüchtlingen, von denen die ersten 36 am Mittwoch die Gemeinschaftsunterkunft am Ortsrand in der Glück-Auf-Straße beziehen sollen. Auf einer Informationsversammlung für Anwohner wurden jede Menge Vorbehalte, Verdächtigungen und Befürchtungen geäußert.

Am Mittwoch sollen die ersten Flüchtlinge in die ehemalige Berufsschule in Lobstädt einziehen.

Quelle: André Neumann

Neukieritzsch/Lobstädt. Viele Lobstädter haben offenbar Angst vor den Flüchtlingen, von denen die ersten 36 am Mittwoch die Gemeinschaftsunterkunft am Ortsrand in der Glück-Auf-Straße beziehen sollen. Auf einer Informationsversammlung für Anwohner wurden jede Menge Vorbehalte, Verdächtigungen und Befürchtungen geäußert, das ganze gemischt mit genereller Ablehnung und Wut gegenüber der Flüchtlingspolitik in Deutschland.

Die Gemeindeverwaltung hatte ganz bewusst nur persönliche Einladungen verteilt. Im Gemeinderaum in Lobstädt saßen dann zwar doch mehr als 100 Besucher, von denen viele keine Einladung hatten, doch blieb die Situation friedlich, und es wurde niemand aus Lobstädt zurückgewiesen. Gesprächspartner für die Bürger waren Landrat Henry Graichen, der 1. Beigeordnete des Landkreises Gerald Lehne und Neukieritzschs Bürgermeister Thomas Hellriegel (alle CDU). Außerdem Marcel Wiesemann, Chef der aus Hessen stammenden Betreiberfirma für das Flüchtlingsheim, und Sylvia von Wlkanowa, Leiterin der Task Force Asyl bei der Polizeidirektion Leipzig.

Den Tenor der Debatte bestimmte gleich zu Beginn eine aufgebrachte Frau, die von Diebstahl und Vergewaltigungen sprach und vom Krieg der Religionen, den die Asylbewerber ins Land tragen würden. Man kümmere sich um Flüchtlinge, aber „wer kümmert sich um das Dorf“, fragte sie in Richtung Podium. Andere Gäste schlugen in die selbe Kerbe. Wer beschützt unsere Kinder, hieß es. Eine Frau warf die Frage auf, ob sie nun ihren Job kündigen müsse, für den sie abends im Dunkeln durch den Ort laufen muss. Andere sprachen davon, dass Eltern ihre Kinder nun nicht mehr alleine zum Schulbus gehen lassen können.

Entgegnungen auf die Vorurteile wurden kaum geduldet. Marcel Wiesemann verwies auf lange Erfahrungen seiner Firma mit Asylunterkünften, die „Ihnen die Ängste nehmen können“. Dafür erntete er den Vorwurf, es gehe ihm nur ums Geld, nicht um das Volk. Task-Force-Chefin Wlkanowa sagte, derartige Fragen und Befürchtungen höre die Polizei auf jeder Veranstaltung, die Ängste hätten sich aber nie bestätigt. Kaum hatte sie das gesagt, konterte eine Frau aus dem Saal mit dem Zwischenruf, ihre Tochter sei im Zug „angegrabscht“ worden. Wlkanowa sprach von Einzelfällen und forderte, dass die zur Anzeige gebracht werden müssten. Hinsichtlich des Sicherheitskonzeptes für Lobstädt versicherte sie, die Polizei werde trotz verringerter Kapazitäten die Streifentätigkeit erhöhen und mehrmals täglich durch den Ort fahren.

Sowohl die Vertreter des Landratsamtes als auch der Neukieritzscher Bürgermeister betonten mehrfach, dass sie keine Möglichkeit hätten, der Unterbringung von Flüchtlingen auszuweichen. Als Begründung für die Wahl der ehemaligen Berufsschule in Lobstädt, die das Landratsamt laut Henry Graichen Anfang 2015 noch nicht im Visier hatte, sagte der Landrat, durch den enormen Flüchtlingszustrom sei die Wahl später „auch auf weniger geeignete Objekte gefallen“. Gerald Lehne versicherte, dass der Kreis sehr wohl versuche, auf die komplizierte Situation aufmerksam zu machen, sich gegen die Verpflichtung, Flüchtlinge unterzubringen, aber nicht wehren könne. „Was wir hier im Moment machen, macht uns keine Freude“, sagte Lehne und machte auch klar, was für ihn die schlimmste Lösung wäre, nämlich kommunale Turnhallen zu belegen. Deshalb suche man lieber andere Objekte.

Von André Neumann

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