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Arbeitszeiten und teure Ausbildung schrecken den Nachwuchs ab

Fahrschulen im Landkreis Leipzig Arbeitszeiten und teure Ausbildung schrecken den Nachwuchs ab

Zu DDR-Zeiten galt er als Traumberuf: der Job des Fahrlehrers, immer hinter dem Steuer und mit großer Kundennachfrage. Diese Zeiten sind vorbei. Auch in Wurzen, Bad Lausick und Geithain. Vielmehr leidet die Branche unter Nachwuchsproblemen.

Fahrlehrer Patrick Sommerhalter vor seiner Fahrschule in Bad Lausick.

Quelle: Thomas Kube

Landkreis Leipzig.

„Die schrecken junge Leute eher ab“, sagt der Leiter der Fahrschule von Auto-Mobile Borna (AMB). Von seinen drei Fahrlehrern ist keiner unter 50, „und ich suche einen jungen Fahrlehrer“. Aber der ist nicht zu finden, sagt Kuhfuß, weil in einer normalen Fahrschule der Betrieb in der Regel erst ab 15 Uhr beginnt. „Dann ist Schulschluss“, und das bedeutet, dass die jungen Fahrschüler dann Zeit haben. Und er Fahrlehrer bis dahin eher wenig zu tun. Wer denkt, dass er Arbeitszeiten zwischen 8 und 16 Uhr hat, sollte das wissen, ist der erfahrene Fahrlehrer überzeugt.

Dabei gibt es auch im Landkreis Leipzig junge Leute in der Branche. Leute wie Maik Hermann von der Naunhofer Fahrschule Fahrzone. Der 37-Jährige ist seit fünf Jahren selbstständig, und als er anfing, war er der jüngste Fahrlehrer weit und breit. Dass es an Nachwuchs fehlt, liegt an den speziellen Ausbildungsbedingungen. Oder besser gesagt, an den Kosten dafür. Die gehen in die Tausende, und wenn dann auch noch verlangt wird, dass ein Fahrlehrer einen LKW-Schein haben muss, wird es auch für ernsthafte Interessenten schwierig, sagt Hermann. „Ich hatte zwei, drei Leute, für die ich die Ausbildung bezahlt hätte.“ Die aber kapitulierten, als die begriffen, dass dazu auch noch der LKW-Schein gehörte. Erschwerend für die Entscheidung, Fahrlehrer zu werden, seien zudem die alles andere als attraktiven Arbeitszeiten. „In der Regel zwischen 13 und 21 Uhr“, sagt der junge Fahrlehrer, auch wenn er versucht, Termine auf den Vormittag zu legen.

Auf Mitarbeitersuche ist Lothar Förster von der gleichnamigen Fahrschule in Wurzen nicht. Er ist Einzelkämpfer, und auf diese Weise reicht das, was er durch seine Arbeit einnimmt. „Ich kann davon leben.“

Das ist letztlich eine Preisfrage, weshalb Patrick Sommerhalter von der Fahrschule gleichen Namens in Bad Lausick froh ist, dass der Fahrschulmarkt mittlerweile bereinigt ist. Er ist ebenfalls Chef und Angestellter in einer Person und hat gelernt, mit den Arbeitszeiten leben. Schließlich kommen „zu 95 Prozent Schüler zu ihm, und dann geht es ab 13 bis 21 Uhr „und im Sommer auch noch länger“. Sommerhalter ist seit einem Vierteljahrhundert Fahrlehrer.

Noch länger, genau gesagt 30 Jahre schon, ist Heinz Domrös in Geithain im Geschäft. Als Ein-Personen-Unternehmen, „denn ich könnte keinen anderen Fahrlehrer durchbringen“. Er hat gelernt, mit den branchentypischen Arbeitszeiten zu leben: nachmittags und abends. „Vormittags kommen höchstens mal Arbeitslose oder Schichtarbeiter.“ Steffen Engelke ist zufrieden. Der 37-Jährige hat die Bornaer Fahrschule von seinem Vater übernommen und weiß, dass in diesem Gewerbe auch die Ehefrau mitspielen muss. Eben wegen der Arbeitszeiten. Engelke hat einen Mitarbeiter und beklagt den Preiskampf der Fahrschulen untereinander. Was die Nachwuchsprobleme anbelangt, so sei der die Ausbildung schlichtweg zu teuer. Jedenfalls dann, wenn sie nicht von der Arbeitsagentur finanziert wird. Dabei, so Engelke, der sich in seinem Beruf wohlfühlt, wäre das bitter nötig. Zumindest in Borna „ist die Hälfte aller Fahrlehrer in 20 Jahren im Rente“.

Von Nikos Natsidis

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