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Borna Archäologen machen in Groitzsch überraschende Entdeckungen
Region Borna Archäologen machen in Groitzsch überraschende Entdeckungen
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12:31 12.08.2016
Grabungstechniker Jens Winter (von links), Marcin Dalidowski, Harald Stäuble und Cornelia Rupp begutachten einige Funde und bereiten die nächsten Areale für Grabungen vor. Quelle: Julia Tonne
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Groitzsch

Das Gelände Wiesenblick in Groitzsch ist seit Jahrtausenden ein beliebter Wohnstandort. Das haben die Archäologen vom Sächsischen Landesamt für Archäologie in den vergangenen Wochen herausgefunden. Bis Mitte September sind sie noch auf dem Areal unterwegs, um nach Beweisen für Siedlungen zu graben. Die Arbeiten bisher waren mehr als erfolgreich – und bargen so manche Überraschung.

„Wir wussten ja schon vom Baugebiet Schiefer Weg, dass hier einiges zu finden sein dürfte, doch dass es so viel sein wird, hat uns selbst überrascht“, sagt Harald Stäuble, Referatsleiter für Großprojekte im Landesamt. Seit Mitte Juni konnten etwa 3000 Keramikfunde geborgen und nummeriert werden. Ersichtlich dabei wurde vor allem eines: der Wiesenblick ist seit mehr als 5500 Jahren besiedelt worden. Deutliche Zeichen dafür sind Scherben der Linienbandkeramik, die der Jungsteinzeit zuzurechnen ist. Diese Epoche ist vor allem dadurch gekennzeichnet, dass die Bauern sesshaft wurden.

Doch nicht nur die Keramik deutet auf die lange Siedlungsgeschichte hin, sondern auch Überreste von zu dieser Zeit üblichen Langhäusern. Sowohl Pfosten als auch Wandgräben haben die Archäologen aufgespürt. Auch Stichbandkeramik (um 4900 und 4500 vor Christus) konnte bei den Grabungen ans Tageslicht geholt werden – im Gegensatz zu den Arbeiten am Schiefen Weg. „Das sagt uns, dass es im Schiefen Weg eine Siedlungsunterbrechung gegeben haben muss, im Wiesenblick jedoch nicht“, erklärt Stäuble. Er begründet das mit der topographisch guten Lage des jetzt neuen Wohnbaugebietes. Nicht nur die Böden seien nährstoffreich, es gebe zudem in unmittelbarer Nähe einen Fluss. Auch Gruben, die der Jungsteinzeit, dem Neolithikum, zuzuordnen sind, kamen bei den Grabungen zum Vorschein. Sie dienten wahrscheinlich als Getreidespeicher oder Silo.

Ungewöhnlich sind aber Funde, mit denen kaum jemand gerechnet hätte. Einige Funde können auf die römische Kaiserzeit datiert werden. Zu diesen gehören beispielsweise sogenannte Grubenhäuser. „Sie waren bis zu 80 Zentimeter tief in die Erde gebaut, hatten ein Dach und waren rund acht bis zehn Quadratmeter groß“, sagt Cornelia Rupp, beim Landesamt zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Sie dienten nach bisherigen Erkenntnissen vermutlich als Werkstätten und Lagerräume. Auch Gefäßteile konnten in diesen Grubenhäusern ausfindig gemacht werden. Ob sie allerdings Aufschluss über die Nutzung geben, steht erst nach Auswertung aller Funde fest.

Schon gleich am ersten Tag der Grabungen waren Funde aufgetaucht. Und Grabungsleiter Marcin Dalidowski geht davon aus, dass bis Mitte September noch etliche dazukommen. Bis dahin haben die Archäologen Zeit, das Areal der zukünftigen Zufahrtsstraße und der Zuwegungen im Wiesenblick zu erkunden. „Die Arbeit der Archäologen ist immer baubegleitend, zu Verzögerungen kommt es durch uns nicht“, betont Rupp. Ist das Gelände entlang der künftigen Wohngebietsstraßen abgearbeitet, geht es mit den Grundstücken weiter, auf denen die Häuser gebaut werden. „Wir fangen dort aber erst an, wenn mit dem Bau begonnen wird – und auch dann sind unsere Arbeiten baubegleitend“, macht Stäuble deutlich. Er geht davon aus, dass auch in diesen Bereichen noch so manche Überraschungen warten.

Von Julia Tonne

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