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Borna Asylbewerber: Neue Heimplätze nötig
Region Borna Asylbewerber: Neue Heimplätze nötig
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23:59 26.09.2014

Für den Landkreis Leipzig werden nun 792 Personen prognostiziert, die in diesem Jahr neu ankommen - 134 mehr als noch im Juni avisiert.

Insofern ist in den verbleibenden drei Monaten ein Schub zu erwarten. Denn bislang ist nur etwa die Hälfte der angekündigten Antragsteller im Landkreis eingetroffen. In den ersten acht Monaten des Jahres waren es 365 neue Asylbewerber, die zwischen Hohburger Bergen und Kohrener Land aufgenommen werden mussten. In der gleichen Zeit verließen 113 Flüchtlinge den Landkreis aus unterschiedlichen Gründen, 46 von ihnen wurden abgeschoben.

Ende August lebten 785 Asylbewerber im Landkreis. "Mittlerweile dürften es über 800 sein", sagt der Zweite Beigeordnete im Landratsamt in Borna, Thomas Voigt. Knapp die Hälfte davon, 370 Personen, ist in den fünf Gemeinschaftsunterkünften einquartiert, alle anderen sind auf Wohnungen im Landkreis verteilt. In der Relation soll das auch so bleiben.

Während andere Kommunen bereits von einem Notstand bei der Unterbringung sprechen, ist laut Voigt im Landkreis Leipzig "im Augenblick alles beherrschbar". Im Partner-Landkreis Esslingen zum Beispiel musste jetzt eine Turnhalle für Asylbewerber hergerichtet werden, in der etwa 100 Menschen leben. Auf solche Provisorien möchte Voigt auf jeden Fall verzichten.

Allerdings müssen noch mehr Wohnungen generiert werden, und der Beigeordnete denkt auch an "ein oder zwei neue Gemeinschaftsunterkünfte". Denn das Landratsamt geht davon aus, dass die Zahl der aufzunehmenden Flüchtlinge weiter klettert. "Wir rechnen damit, dass im nächsten Jahr 1500 Menschen kommen, 2016 vielleicht sogar 2000", gibt Voigt angesichts der Krisenherde in der Welt zu verstehen.

Derzeit werde ein erweitertes Maßnahmekonzept erarbeitet, erklärt der Beigeordnete. Das soll in der kommenden Woche zunächst mit dem Kreisvorstand des Sächsischen Städte- und Gemeindetages und Mitte Oktober mit allen Bürgermeistern des Landkreises besprochen werden. Dann gehe es unter anderem darum, sagt Voigt, die Asylbewerber im Landkreis gleichmäßiger zu verteilen. Momentan stehen in 15 der 33 Kommunen Wohnungen zur Verfügung, ganz vorn in Borna, gefolgt von Grimma, Frohburg und Markkleeberg. Ziel sei es, die Antragsteller in allen Städten und Gemeinden unterzubringen, so Voigt. Dazu müsse in den kleineren Kommunen, wo es kaum sanierten Leerstand gibt, auch die Herrichtung von Wohnraum ins Auge gefasst werden.

Ein Thema dürften aber auch neue Gemeinschaftsunterkünfte sein. Die etablierten Heime in Thräna, Elbisbach, Hopfgarten und Bahren sind derzeit mit 307 Personen belegt. Im Alpha Appart Hotel in Rötha leben im Moment 63 Personen. Laut Voigt ist der Vertrag mit dem Hotel-Betreiber inzwischen unterschrieben, und wie mit der Stadt Rötha vereinbart, könnten im Haus je nach Bedarf bis zu 90 Personen untergebracht werden. Voigt geht davon aus, dass künftig etwa 200 weitere Heimplätze vonnöten sind.

Alle eintreffenden Asylbewerber werden zunächst in eine Gemeinschaftsunterkunft eingewiesen und auf ihre neue Situation vorbereitet. Vor allem Familien erhalten dann so schnell wie möglich eine Wohnung. "Da ist zuvor vieles abzuklären", sagt Voigt mit Blick auf Schul- oder Kindergartenkinder. Einzelpersonen dezentral unterzubringen, sei wesentlich schwieriger, erklärt der Beigeordnete. Es gebe kaum Einraumwohnungen, und Wohngemeinschaften zu bilden, sei schon aus ethnischen Gründen nicht so einfach. Der größte Teil der im Landkreis eintreffenden Asylbewerber stammt aus der russischen Förderation. Tunesien, Indien, Serbien, Iran, Irak, Pakistan und Syrien sind die folgenden Nationalitäten. Voigt weiß, dass hinter den nackten Zahlen ein Schicksal nach dem anderen steckt. "Das ist schon heftig, was da manche erlebt haben."

Dass die Situation im Landkreis derzeit beherrschbar ist, hängt zum einen damit zusammen, dass es genügend leer stehende Wohnungen gibt. Mancher Vermieter bietet ganze Häuser an. In solchen Fällen treten aber die Bürgermeister, die eine Konzentration bei der Unterbringung vermeiden wollen, auf die Bremse. Zum anderen gab es bislang immer einen zeitlichen Vorlauf von der Ankündigung bis zum Eintreffen der Asylbewerber. So konnte sich der Landkreis entsprechend vorbereiten, und Voigt hofft, dass das auch so bleibt.

Die Kosten aber werden weiter aus dem Ruder laufen. Zurzeit zahlt der Freistaat dem Landkreis pro Asylbewerber 6000 Euro im Jahr, die Summe soll 2015 um 1600 Euro steigen. Diese Pauschale decke aber die Aufwendungen nicht ab, sagt Voigt. Im kommenden Jahr rechne der Landkreis mit einem Zuschussbedarf von einer Million Euro. Und: Etwa alle halben Jahre muss das Personal aufgestockt werden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.09.2014

Frank Prenzel

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