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Asylheim bremst attraktiven Baustandort im Bornaer Stadtteil Witznitz nicht aus

Grundstücke auf Industriebrache nachgefragt Asylheim bremst attraktiven Baustandort im Bornaer Stadtteil Witznitz nicht aus

Als die Entscheidung für die Flüchtlingsunterkunft in Borna-Witznitz fiel, sahen viele Bewohner ihren Stadtteil bereits von der Entwicklung der Kreisstadt abgehangen. Jetzt verhandelt Projektentwickler Bert P. Giesen mit großen Investoren.

Große, zusammenhänge Flächen in den alten Hallen der ehemaligen Brikettfabrik sollen gewerbliche Investoren nach Borna locken.

Quelle: Jens Paul Taubert

Borna. Rote Schilder preisen freie Grundstücke auf dem Gelände der ehemaligen Brikettfabrik in Witznitz an. Noch wirken die hohen Fabrikhallen mit den eingeschlagenen Fenstern trostlos. Von einer Aufbruchstimmung ist in dem nördlichen Stadtteil Bornas, der durch die Insolvenz von früheren Standortentwicklungsgesellschaften über mehrere Jahre ausgebremst worden ist, nur wenig zu spüren. Aber der gordische Knoten ist durchschlagen. „Seit drei Wochen sind wir mit den ersten Grundstücken am Markt“, bestätigte Bert P. Giesen, geschäftsführender Gesellschafter von VDL Consult. Nachdem die Gläubigerversammlung grünes Licht gegeben hat, zieht der Leipziger Kaufmann alle Register, um die Industriebrache der ehemaligen Brikettfabrik wiederzubeleben. Seinen Angaben zufolge sind bereits sechs Grundstücke am Ende der Grünen Harfe verkauft, die Eigentümer hätten bereits die Bauanträge gestellt. Auch für Grundstücke über 1000 Quadratmeter gäbe es Interessenten. Giesen setzt darauf, dass hier Bauvorhaben realisiert werden, die eine halbe Million Euro übersteigen werden. „Das spricht für die Qualität des Standortes“, so Giesen. Außerdem registriere er eine gezielte Nachfrage nach großen Gebäuden, unter anderem auch von bundesweit agierenden Unternehmen. In den nächsten Jahren sieht er in Witznitz einen prosperierenden Stadtteil mit vielen Neubauten und attraktiven Ansiedlungen im gewerblichen Bereich.

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Gebrannter Ziegel, ungewöhnliche Öffnungen, Lichtschächte auf den Dächern: Die Architektur der Witznitzer Brikettfabrik ist nichts von der Stange. Hier lassen sich ungewöhnliche Wohnkonzepte realisieren. Grundstücke und Immobilien sind auf dem Markt.

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Diesen Optimismus teilen die 130 Bewohner, die vor mehr als zehn Jahren auf der ehemaligen Gleisharfe 32 Wohnhäuser bauten und sich auf ein Umbauexperiment auf einer Industriebrache einließen, überhaupt nicht. Denn die aktuellen Entwicklungen könnten die Zukunft ihres Quartiers erneut ausbremsen. Nachdem sich der Landkreis zur Unterbringung von 280 Asylbewerbern in den benachbarten Immobilien der Sächsischen Lehmbaugruppe entschloss, sehen sie ihren Stadtteil erneut ausgebremst. „Wir sehen eine Stagnation voraus“, heißt es in einer Petition, die der Stadtverwaltung in Borna übergeben wurde. „Der Standort ist über Nacht nicht mehr erste Wahl“, stellen die Witznitzer fest.

Das kann Giesen nicht bestätigen. „Ich verstehe die Ängste der Menschen“, sagte er. Aber der Abschluss eines Zehn-Jahres-Mietvertrages für eine Flüchtlingsunternkunft sei bislang ohne Auswirkungen auf die Vermarktung von Grundstücken und bestehenden Immobilien. „Kein einziger Interessent ist von seinem Vorhaben abgerückt“, so Gießen weiter. Auch die Banken hätten den Standort nicht abgewertet. Weil Bauland in und um Borna inzwischen knapp werde, betrage der Grundstückspreis in Witznitz bereits 80 Euro pro Quadratmeter. Die Siedler, die 2005 und 2006 hier ihre Häuser errichteten, hätten noch zwischen 40 und 45 Euro pro Quadratmeter bezahlt. Auch die Rücknahme der Kaue – ein Gebäude der frühen Fabrik – aus der Zwangsvollstreckung sei ein Beleg, dass das Image des Standortes nicht verloren habe. Die Immobilie, die bislang unter Zwangsverwaltung eines Geldinstitutes gestanden habe, soll jetzt auf dem freien Markt einen höheren Erlös erzielen. Ein Letter of Intent, eine sogenannte Absichtserklärung, sei bereits unterzeichnet.

Während die Anwohner auf konkrete Aussagen seitens der Kommune und des Landkreises zur Zukunft von Witznitz warten, macht Giesen Nägel mit Köpfen. So ist endlich der Vertrag über den Bau einer Straße von der Grünen Harfe bis zur Pawlowstraße zwischen der Insolvenzverwaltung, der Stadt Borna und dem Bauträger unterzeichnet worden. „Wir reden nicht mehr von Planung, sondern von Realisierung“, sagte er. Sollte das Wetter mitspielen, werde im Januar der Bau beginnen, der sich dann bis Ende März hinziehen wird. Parallel dazu werden weitere Grundstücke für den Eigenheimbau verkauft, von denen sich einzelne im bereits bebauten Gebiet Grüne Harfe und größere an der Witznitzer Werkstraße befinden. Auch die Straße zu den Lofts, die in der Grünen Harfe 80 ausgebaut worden sind, soll befestigt werden. Damit im ehemaligen Pressenhaus weitere Reihenhäuser entstehen können, wird die Statik der Immobilie erneut geprüft. Einen neuen Eigentümer hat Giesen bereits für die langgestreckte Werkhalle am Ende der Witznitzer Werkstraße gefunden. Offensichtlich will eine Leipziger Firma einen neuen Firmensitz eröffnen. „Bereits 2016 wird es hier spürbare Veränderungen geben“, ist Giesen überzeugt. Auch für die Hallen mit 5000 Quadratmetern Nutzfläche gebe es bereits Anfragen. Aber was die potenziellen Interessenten hier vorhätten, darüber hielt sich der Makler vorerst bedeckt.

Von Birgit Schöppenthau

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