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Borna Auch Schiller war auf der Flucht: Kahnsdorf feiert den Dichter beim 10. Schillerfest
Region Borna Auch Schiller war auf der Flucht: Kahnsdorf feiert den Dichter beim 10. Schillerfest
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09:54 07.06.2016
Schillerfest in Kahnsdorf: Im vorigen Jahr trug die Mundartbühne Borna Schiller-Texte auf sächsisch vor. Diesmal stehen die „Fischelanden Gaffeedanden“ im Programm. Quelle: André Neumann
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Neukieritzsch/Kahnsdorf

Am Wochenende wird in Kahnsdorf das zehnte Schillerfest gefeiert. Der Titel, unter dem die Veranstaltung den großen deutschen Dichter Friedrich Schiller (1759 bis 1805) an drei Tagen kulturell und thematisch ins Gedächtnis rufen will, könnte aktueller nicht sein: „Schiller: Vom Flüchtling zum Nationaldichter“. Der Historiker Hans-Jürgen Ketzer, Leiter des Volkskundemuseums in Wyhra sowie Erfinder und Organisator des Schillerfestes, widmet der Titelidee seinen Festvortrag, den er am Freitagabend hält. Überschrieben ist er „Fluchtwege: Schillers Heimat“.

Nicht nur Schiller, ist Ketzer überzeugt, sondern viele Personen mit Bedeutung für die regionale Geschichte haben Fluchtbiografien. Friedrich Schiller habe sich nach seinem ersten veröffentlichten Drama „Die Räuber“ auf der Flucht befunden, auf der Flucht vor Schreibverbot, unbefriedigender freier Autorenschaft und unglücklicher Liebe. Erst nach der Begegnung mit Christian Gottfried Körner in Kahnsdorf und Aufnahme in dessen Freundeskreis habe er Fuß fassen können. Wirklich sesshaft sei er erst in Weimar geworden.

Auf jene schicksalhafte Begegnung mit Körner am 1. Juli 1785 geht die Verbindung des Ortes mit dem Dichter zurück, ebenso das Schillerfest. Das beginnt wie gewohnt am Freitagabend und wird 19 Uhr vom ehemaligen Leipziger Regierungspräsidenten Walter Christian Steinbach eröffnet. Nach Ketzers Festvortrag gibt die Gruppe Romantika aus Rötha ein rund einstündiges Konzert, danach beginnt die traditionelle Gesprächsrunde „Kahnsdorfer Perspektiven“. Moderatorin Manuela Krause erwartet in diesem Jahr Christian Conrad, Geschäftsführer der Firma Blauwasser, die den Hainer See vermarktet, und dessen Pendant von der Sächsisches Seebad Zwenkau GmbH Benedikt Kahlstadt. Außerdem haben Sandra Brandt, Geschäftsführerin des Tourismusvereins Leipziger Neuseenland, und Michael Wagner, Gemeinderat und stellvertretender Bürgermeister in Neukieritzsch, zugesagt. Vor den Gästen des Eröffnungsabends, sprechen sie darüber, welche Rolle kulturelle Traditionen für den Tourismus spielen und spielen könnten.

Musik, Literatur und Theater bestimmen das Programm am Sonnabend und am Sonntag. Bei einem geführten Spaziergang durch den Ort begegnet man jungen Leuten, die in Kostümen Szenen aus Schillers Werken aufführen und die Teilnehmer zum mitmachen einladen. An allen drei Tagen laden die Veranstalter zudem zu einer Wort-Schatz-Suche zwischen Schillerhaus, Lagune, Strand und Kirche ein. Berühmte Schillerzitate weisen den Weg zu Stationen im Dorf, die es zu finden gilt.

Musikalische Kostbarkeiten verspricht das Abschlusskonzert am Sonntagnachmittag. Das Duo „con emotione“ führt Schillertexte in der Vertonung von Zeitgenossen auf. Die Lieder stammen von bekannten Komponisten wie Beethoven und Haydn, aber auch von Andreas Streicher, einem Jugendfreund des Dichters.

Kahnsdorf feiert Schiller

Freitag, 10. Juni

19 Uhr Eröffnung am Rittergut

19.30 Uhr Festvortrag „Fluchtwege: Schillers Heimat“ von Hans-Jürgen Ketzer

20 Uhr Konzert Romantika

21 Uhr Podiumsgespräch „Kahnsdorfer Perspektiven“, Thema: Kultur als Tourismusfaktor im Neuseenland

Sonnabend, 11. Juni

10 Uhr Schülerprogramme

14 Uhr Schillernde Gartenträume – Schillerszenen im Park und geführter Spaziergang durch den Schillerort Kahnsdorf mit Gästeführerin Sabine Raabe

15 Uhr Lesung: Bernd Weinkauf, „Leipzig mit Goethes Augen“

17 Uhr Schillerstücke mit den „Fischelanden Gaffeedanden“

20 Uhr Sommerabendmusik: „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da“, Ensemble Kolorit (Zeitz)

Sonntag, 12. Juni

10 Uhr Matinee mit dem Orchester Holzhausen

14.30 Uhr Abschlusskonzert mit dem Duo „con emotione“:

„Du musst glauben, du musst wagen“

Von André Neumann

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