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Borna Auf Kaufland-Krimi in Borna folgen Haftstrafen
Region Borna Auf Kaufland-Krimi in Borna folgen Haftstrafen
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08:29 04.03.2016
Zwei Männer aus Libyen und Tunesien müssen nach ihrem Beutezug durch das Bornaer Kaufland im Gewerbegebiet Am Wilhelmschacht ins Gefängnis. Quelle: LVZ
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Borna/Leipzig

Der Beutezug von mehreren Asylbewerbern bei Kaufland in Borna endete für zwei von ihnen im Gefängnis. Wegen räuberischen Diebstahls standen am Donnerstag der 33-jährige Kilani M. und der 32-jährige Jawher H. vor dem Leipziger Amtsgericht. Gegen die aus Libyen und Tunesien stammenden Männer wurden in der Hauptverhandlung Gefängnisstrafen von einem Jahr und sechs Monaten verhängt. Oberstaatsanwältin Beate Herber hatte für beide Angeklagten ein Jahr und acht Monate gefordert.

Der Vorfall, der die beiden Männer bereits am 25. Dezember in Untersuchungshaft gebracht hatte, hört sich an wie die Vorlage zu einem Krimi mit jähen Wendungen. Es ist kurz vor Weihnachten. Am 19. Dezember, der Ladenschluss bei Kaufland ist mit einer halben Stunde in greifbarer Nähe, rückt eine Gruppe von fünf als Ausländer erkennbaren Männern bei Kaufland im Gewerbegebiet Am Wilhelmschaft an. Als sie ihre Taschen bei der Information abgeben, klingeln bei der Kassierin und dem Doorman der Security-Firma alle Alarmglocken. „Die waren schon häufiger im Markt“, wird die Kassiererin später in der Hauptverhandlung aussagen. „Ich bin sofort hinterher“, erinnerte sich ein Sicherheitsmann.

Aber als sich die Gruppe teilt, kann er nur noch einem der Diebesbande folgen. Dabei beobachtet er, wie sich Jawher H. einen schwarzen Koffer aus der Auslage nimmt und einsammelt, was ihm gefällt: Mehrere DVD, sechs Lautsprecher, am Ende Waren im Wert von knapp 400 Euro. Auch in den anderen Gängen verschwinden unterdessen Haartrockner, Sportschuhe, Hemden, Unterwäsche in Koffer, Rucksäcken und Taschen, die aus den Supermarktregalen stammen. An der Kasse kommt es dann zum Handgemenge. Nachdem sich der Tunesier weigert, den Koffer aufs Band zu legen, greift die Kassiererin beherzt nach dem Gepäckstück. Doch der Mann entreißt es ihr und rennt aus dem Supermarkt, um zu flüchten.

Der Plan geht nicht auf. Denn auf dem Parkplatz warten zwei Polizisten aus dem Revier Borna. Als sie den Flüchtenden Richtung Gnandorf laufen sehen, springt Polizeihauptkommissar Martin Voigt aus dem Wagen und nimmt die Verfolgung auf. Er kann den Mann stellen. Weil dieser sich heftig wehrt, legt er ihm Handschellen an. Als die Beamten – Voigt war mit einem Kollegen in zivil zufällig in Nähe des Einkaufszentrums – den Dieb in den Supermarkt zurückbringen, stürmt Kilani M. heraus. Der untersetzte Mann kann durch die Hilfe eines Komplizen die Kasse durchbrechen, muss zwar einen Teil der Beute zurücklassen, will aber mit einem Rucksack und einer Tasche abhauen.

Der durchtrainierte Beamte hat den Libyer schnell ein und ringt ihn nieder. Da teilt der dunkelhäutige Mann gezielte Faustschläge aus. „Mir kam zugute, dass ich regelmäßig boxe und auch als Sparringpartner zur Verfügung stehe“, so der 50-Jährige. Jeder untrainierte Polizist wäre k.o. gegangen, erklärte er. Diese Aggressivität hätte er in seiner über 20-jährigen Laufbahn bei der Polizei noch nicht erlebt.

Obwohl der Wert der gestohlenen Waren nur bei rund 400 Euro lag, plädierte Oberstaatsanwältin Herber für die drastische Gefängnisstrafe. Sie warf den Angeklagten vor, ihr Gastrecht missbraucht zu haben. „Damit tun sie all jenen, die hierher kommen und unseren Schutz brauchen, keinen Gefallen“, so die Oberstaatsanwältin.

Richter Peter Weber konnte über den Antrag der Verteidiger, die Haftstrafe zur Bewährung auszusetzen, nur müde lächeln. Er zog die vermeintliche Läuterung der Angeklagten, die den Diebstahl einräumten, jedoch die versuchte Körperverletzung gegen die Beamten und Schläge gegen einen Wachmann leugneten, in Zweifel. „Für wie dumm halten sie das Gericht eigentlich“, fragte er. Wenn jemand wie im Fall des Tunesiers bereits nach einem halben Jahr in einem neuen Land eine derartige Tat begehe, dann müsse er sich fragen, zu welchem Zweck er eingereist sei.

Von Birgit Schöppenthau

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