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Borna Auf dem Weg zurück ins Leben: Udo Scholz kämpft um Job im Bauhof Kitzscher
Region Borna Auf dem Weg zurück ins Leben: Udo Scholz kämpft um Job im Bauhof Kitzscher
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08:00 18.09.2016
Kitzschers Bauhofleiter Andreas Lettau (re.) mit Udo Scholz. Quelle: André Neumann
Kitzscher

Einen Tag vor Heiligabend des Jahres 2011 wurde im Leben von Udo Scholz von einem Moment auf den anderen alles anders. Schlaganfall. In seiner Wohnung fiel er einfach um. Schnelle Reaktion seiner Frau, Intensivstation, drei Jahre Reha – so kämpfte sich der heute 57 Jahre alte Flößberger ins Leben zurück. Seit Mai 2014 hat er einen Arbeitsplatz im Bauhof Kitzscher. Hier fühlt er sich wohl, deswegen kämpft er um seine Stelle. Mit Erfolg.

In der Reha musste Udo Scholz das Laufen, das Rechnen und das Schreiben neu lernen. Alles war weg. „Ich hatte keine Vorstellungskraft mehr, wie Buchstaben und Zahlen aussehen“, sagt der Mann. Nach drei Jahren hatte er das Niveau der fünften Klasse wieder erreicht, bekennt er ohne Scheu. Bewerbungen zu schreiben mit Hilfe von Therapeuten, das gehörte auch zum Training.

Die Stadt Kitzscher lud ihn zum Vorstellungsgespräch ein. Scholz erinnert sich daran, dass es für ihn sehr schwer gewesen sei, selbst erzählen zu müssen, während sein Gesprächspartner ihn nur anschaute und keine Fragen stellte. Als dann der Satz fiel: „Dann probieren wir es mal“, war das für Scholz vermutlich so etwas wie die zweite Chance. Und er griff zu. Zunächst bekam er ein Praktikumsstelle und musste mit zur Grünanlagenpflege. Dreieinhalb Stunden Arbeitszeit am Tag. Danach fühlte er sich müde. „Es war schwer für mich, Fuß zu fassen“, sagt er heute. Und dass er nach der Arbeit immer „sehr fertig“ gewesen sei. Doch die Arbeit an der frischen Luft tat ihm gut, die Aufnahme durch die Kollegen auch.

Nach zwei Monaten bekam er einen Arbeitsvertrag für ein Jahr. Von dem Zuschuss, den die Stadt für die Beschäftigung eines Schwerbehinderten vom Integrationsamt erhielt, wurde für den Bauhof ein Gerät angeschafft, ein Fugenvergussgerät. Als er die erste Verlängerung um ein Jahr erhielt, gab es erneut einen Zuschuss, und der Bauhof bekam einen Laubsauger zum Schieben. Der saugt auch Konfetti weg, und bei einem der ersten Einsätze reinigte Udo Scholz Ecken und Parkbuchten, in die die Kehrmaschine nicht hineinkommt, von den Überresten des Faschingsumzuges. Das war vorher mit der Hand gemacht worden.

Als auch das zweite Jahr zu Ende ging, „wusste keiner so recht, was man mit mir anstellen sollte“, hatte der Flößberger im Frühjahr gespürt. Dabei hatte er sich gut eingelebt, immer mehr Fortschritte gemacht und sich das Vertrauen der Kollegen erarbeitet. Sein Chef Andreas Lettau, sagt Scholz, sei „ein guter Kumpel“, der ruhig bleibe, wenn bei ihm mal etwas nicht gelingt. Lettau wiederum nennt Scholz einen angenehmen Kollegen und staunt: Der Bauhof habe schon öfter Leute gehabt, die sich ins Arbeitsleben wieder eingliedern mussten. Doch Scholz sei „der erste, der bleibt.“

Und das jetzt voraussichtlich für die nächsten fünf Jahre. Denn als das zweite Jahr zu Ende ging und der Arbeitsvertrag auslief, wusste Scholz, was zu tun ist. Er machte sich selbst auf den Weg ins Integrationsamt. Fuhr erst nach Leipzig, wurde von hier nach Chemnitz geschickt und kümmerte sich dort um die nächste Finanzspritze, die die Stadt erhalten kann, wenn sie ihn einstellt. „Mit der Fürsprache des Bürgermeisters“, gelang das, freut sich Scholz. Nun bekommt die Kommune einen Zuschuss für ein kleines Multifunktionsgerät zum Straße kehren, Rasen mähen und für den Winterdienst. Sozusagen ein Ganzjahresarbeitsplatz für Udo Scholz. Denn der darf mittlerweile wieder fahren und hat ein ähnliches Gerät schon ausprobiert.

Seine Wochenarbeitszeit wird demnächst leicht erhöht. Seinen Kopf muss er nach wie vor trainieren und die Erschöpfung stellt sich immer noch regelmäßig ein. Scholz freut er sich riesig, dass er seinen Job nun fünf Jahre sicher hat. Der Weg zurück ins Leben geht weiter.

Von André Neumann

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