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Borna Auf der Suche nach blühenden Landschaften
Region Borna Auf der Suche nach blühenden Landschaften
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05:06 02.08.2018
In einem leer stehenden Ladenlokal am Markt in Kitzscher wollen Kuratorin Constanze Müller (v.l.), Projektkünstler Daniel Theiler und Mandy Gehrt vom Kulturbahnhof Markkleeberg das Bundesministerium für Blühende Landschaften eröffnen. Quelle: André Neumann
Kitzscher

Wie muss ein Ort sein, damit seine Bewohner ihn als ein Zuhause empfinden? Und dass das auch auf Dauer so bleibt. Mandy Gehrt vom Markkleeberger Verein Kulturbahnhof weiß es auch nicht. Aber sie will es herausfinden. Gemeinsam mit der Kuratorin und Kunstvermittlerin Constanze Müller, mit Künstlern und vor allem mit den Bewohnern der Orte, in die sie mit dem Kunstprojekt „Home sick Home“ kommt. Kitzscher ist einer davon.

Eröffnung am 22. August

Home sick Home, ein Wortspiel – abgewandelt von Home sweet Home – zwischen Heimweh und kranke Heimat, beginnt in Kitzscher mit einem Paukenschlag. Ausgerechnet in einem der leeren Ladenlokale am Markt soll am 22. August das Bundesministerium für blühende Landschaften eröffnet werden. Kunst als Provokation also.

Liebe Bundesbürger*innen, am 22. August um 17:00 Uhr eröffnet das Bundesministerium für Blühende Landschaften feierlich...

Gepostet von Bundesministerium für blühende Landschaften - BMBL am Sonntag, 22. Juli 2018

Hinter dem Projekt steht der Leipziger Künstler Daniel Theiler (37). Der ist zwar auch Architekt, beschäftigt sich aber seit einigen Jahren fast ausschließlich mit Kunst im öffentlichen Raum. Immer irgendwie provozierend. Zum Beispiel mit einem fiktiven Golfplatz mitten im Plattenbaugebiet Leipzig Grünau oder mit der Idee, die Hülle des Palastes der Republik in Leipzig wieder aufzubauen. Weil er dessen Abriss und den Bau einer kitschigen Replik des Stadtschlosses in Berlin nämlich für einen Skandal hält.

Künstler Daniel Theiler lädt die Kitzscheraner zum Mitmachen ein. Quelle: André Neumann

 

Jetzt also Kitzscher. Mit der Entwicklung der Region und der Stadt nach der Wende von der Tagebaulandschaft zum Neuseenland seien viele Hoffnungen verbunden, sagt Theile. „Auch mit dem damaligen Versprechen von Helmut Kohl“, schließt er den Bogen zu seinem Kunst-Ministerium. Darin will er ergründen, wo die Kitzscheraner sich nach 28 Jahren sehen. „Was ist gut, was ist schlecht gelaufen und wie fühlen sich die Menschen?“

Wie die komplette Kunstaktion ist auch das BMBL ein „beteiligungsorientiertes Kunstprojekt“. Deswegen bittet der Künstler die Kitzscheraner um ihre Mithilfe. Gesucht werden private Ton- und Filmaufnahmen von den Siebzigerjahren bis heute. „Wir suchen Landschaftsaufnahmen, Fotos von besonderen Ereignissen wie beispielsweise von Volks- und Familienfesten oder Aufnahmen aus Ihrem Alltag, die an Orten in der Stadt entstanden“, bittet Daniel Theile. Das Material wird dann im Bundsministerium für blühende Landschaften gezeigt. Kontakt: bmbl.kitzscher@gmx.de oder telefonisch unter 0179 790-6772. Gebraucht wird das Material bis zum 5. August.

Das BMBL stellt sich vor: Das Bundesministerium für blühende Landschaften stellt eine (fiktive) oberste Bundesbehörde...

Gepostet von Bundesministerium für blühende Landschaften - BMBL am Sonntag, 8. Juli 2018

Der Kulturbahnhof hat sich für sein Kunstprojekt drei Städte mit ganz unterschiedlicher Situation ausgesucht, in denen die Frage nach Heimat und Zuhause jeweils anders steht. Markkleeberg, wo „Home sick Home“ schon war, erlebe gerade viel Zuzug und steigende Preise. In Rötha, wo man noch hin will, und wo es eine Flüchtlingsunterkunft gibt, steht das Zusammenleben mit Fremden im Fokus. Kitzscher ist in den letzten Jahren von Bevölkerungsrückgang und Leerstand geprägt. „Bis auf das Café Wahnsinn und die Eisdiele ist das Zentrum sehr leer“, stellt Constanze Müller fest, die persönliche Kindheitserinnerungen an die Stadt hat.

Liebe Kitzscheraner*innen, das Bundesministerium für blühende Landschaften bittet Sie um Ihre Mithilfe. Gesucht wird...

Gepostet von Bundesministerium für blühende Landschaften - BMBL am Montag, 16. Juli 2018

Für sie ist interessant, wie verschiedene Entwicklungen sich auch architektonisch auswirkten. Da sei zuerst das Dorf, dann kam die geordnete Arbeitersiedlung aus Häusern mit Vorgärten, dann die Plattenbauten, jetzt wieder Bauland für kleinteiligen Wohnungsbau. „In den Plattenbauten guckt einen viel Traurigkeit an. Das neue Baugebiet ist jetzt auch ein Versuch, wieder Hoffnung zu wecken.“

Kleingärten werden einbezogen

Und schließlich seien da die vielen Kleingärten in Kitzscher. Auf die wird „Home sick Home“ sogar direkten Bezug nehmen. Und zwar mit dem spanischen Künstler Eriz Moreno, der sich künstlerisch mit Pflanzen auseinandersetzt und unter anderem mit einem öffentlichen Spaziergang durch Gärten am Projekt beteiligt sein wird. Zwei weitere Künstler, die Constanze Müller nach Kitzscher holt sind Tina Mamczur und der Leipziger Performancekünstler Martin Haufe.

Wird Kunst jenseits von Ausstellungen im Heimatmuseum in Kitzscher funktionieren und ein Publikum finden? Auch das weiß Mandy Gehrt vorher nicht. Aber sie ist gespannt darauf, genauso wie ihre Mitstreiter.

Von André Neumann

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