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Aufregung in der Asylbewerberunterkunft Thräna

Aufregung in der Asylbewerberunterkunft Thräna

Aufregung am Mittwoch in der Asylbewerberunterkunft in Thräna: Dort wurde den Heimbewohnern nicht wie üblich am letzten Mittwoch des Monats das Taschengeld ausgezahlt.

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Polizei musste anrücken, nachdem Mitarbeiterinnen des Bornaer Landratsamtes bedroht worden waren.

Quelle: Jakob Richter

Thräna. Die dafür nötigen Barschecks waren noch nicht im Landratsamt eingetroffen. Für viele Heimbewohner Anlass, auf ihre schlechten Wohnbedingungen aufmerksam zu machen. Zuvor waren Mitarbeiterinnen des Landratsamtes bedroht worden.

Ein Polizeiauto in der Einfahrt zu den Gebäuden an der B 93 in Thräna, in denen etwa 70 Asylbewerber untergebracht sind. Hinter dem Eingang heftige Diskussionen der Bewohner. Mittendrin Lothar Jung, im Sozialamt des Landratsamtes Leipziger Land für die Betreuung von Asylbewerbern zuständig. Grund der Aufregung: Die Bewohner bekommen nicht, wie es am letzten Mittwoch eines Monats üblich ist, ihr monatliches Taschengeld. Das sind 40,90 Euro pro Person ab 16 Jahren, die üblicherweise in Barschecks ausgezahlt werden. Die allerdings, so Jung, sind noch nicht eingetroffen und sollen von der Firma, die sie druckt, heute oder morgen nachgeliefert werden. Doch nicht nur das sorgt für Aufregung unter den Heimbewohnern, die aus aller Herren Länder zwischen Indien, Tunesien und Ghana, aber auch aus dem Kosovo oder Tschetschenien stammen. In Bahren bei Grimma, wo der Landkreis ebenfalls Asylbewerber untergebracht hat, wurde das Taschengeld kürzlich in bar ausgezahlt. „Das wollen wir auch", machen die aufgeregten Heimbewohner klar.

Bevor die Polizei in Thräna eintrifft, droht die Situation deshalb zu eskalieren. Zwei Mitarbeiterinnen aus dem Bornaer Landratsamt, die in das Heim wollen, werden umzingelt, so dass sie ihr Fahrzeug nicht verlassen können. Erst die Polizei sorgt für eine gewisse Entspannung. Dafür machen die Heimbewohner ihrem Unmut über die Bedingungen, unter denen sie leben müssen, Luft. Etwa Nadia Ben Hassine. Die 28-jährige Tunesierin hat vor zwei Wochen ihren Sohn Mohammed Adam in Borna zur Welt gebracht. Das Baby schläft in einem Raum, dem es, gelinde gesagt, an regelmäßiger Frischluftzufuhr mangelt. Es stinkt, weil die junge Mutter, die zusammen mit Kind und Mann in einem engen Raum lebt, die Fenster nicht öffnen kann. Davor befindet sich der Müllplatz des Heims.

Die meisten Familien, meist Eltern mit Kindern, leben beengt und schlafen in aneinandergestellten Metallbetten. So wie die elfjährige Siranusch Jumschud, die die Bornaer Dinter-Mittelschule besucht, mit ihren Eltern Sargis und Elen Jumshud. Irakische Christen, die in ihrer Heimat verfolgt wurden und die seit neun Monaten in Thräna untergebracht sind – zu dritt in einem engen Raum, in dem neben Schränken, Betten und einem Tisch kaum noch Platz ist. Oder Franziska Addai, eine junge Mutter aus Ghana. Sie ist seit 19 Monaten hier und versteht nicht, dass ihr Sohn, der einen deutschen Vater hat, mit ihr im Heim leben muss. Die Frau muss sich die Sanitäranlagen mit den etwa 70 Heimbewohnern teilen, denen ihren Angaben zufolge zwei Toiletten zur Verfügung stehen. „Und in der Waschmaschine sollen fünf Familien ihre Wäsche zugleich waschen." Sechs Familien teilen sich eine Küche, und nicht nur dort sind die Scharen von Kakerlaken unübersehbar. Auch von Ratten vor dem Haus berichten die Heimbewohner.

Außerdem gibt es zwei Duschen für alle. „Aber vor acht ist das Wasser dort kalt", sagt Naime Faziel. Sie stammt aus dem Kosovo. Ihr Sohn lebt beim Vater in Kassel. Ihn zu besuchen, fehlt ihr das Geld. Neben den 40,90 Euro Taschengeld stehen den Asylbewerbern 141 Euro für Ernährung und Hygiene zu, sofern es sich um einen Haushaltsvorstand handelt. Hinzu kommen 20,33 Euro für Bekleidung. Frauen und Kinder bekommen weniger. Das Geld wird in Form so genannter Wertschecks ausgezahlt, die in Supermärkten einlösbar sind. Dass das Bundesverfassungsgericht vor Wochenfrist in einem Urteil klargestellt hat, dass Asylbewerber künftig so viel zu bekommen haben wie ein Hartz-IV-Empfänger, hat sich auch in Thräna herumgesprochen. Dass das Geld, das sie bisher erhalten, nicht langen kann, machen die Bewohner klar: etwa für die Fahrt mit dem Bus ins fünf Kilometer entfernte Borna zum Einkauf oder zum Arzt. Und es wird Kritik an der Heimleitung laut. „Die behandeln uns nicht wie Menschen", sagt die Ghanaerin Franziska Addai.

Landrat Gerhard Gey (CDU) erklärt, der Zustand des Asylbewerberheims in Thräna habe bisher nicht für Kritik gesorgt. Die Unterkunft entspreche vielmehr den vorgebenen Eckwerten. „Die Verwaltungsvorschriften werden eingehalten", das sei auch bei Überprüfungen bestätigt worden. Dass die Heimbewohner von lediglich zwei Duschen für 70 Leute sprechen, hat allerdings mit einer speziellen Wahrnehmung zu tun. Sozialamtsmitarbeiter Jung spricht von zwei Duschräumen mit jeweils vier Duschen im Thränaer Heim. Die allerdings werden als lediglich zwei Duschen wahrgenommen, „weil die Räume abgeschlossen werden, wenn jemand duscht". Außerdem gebe es zwölf Toiletten.

Derzeit laufe die Suche nach alternativen Unterbringungsmöglichkeiten für die Thränaer Heimbewohner in Borna, sagt Landrat Gey. Gegen einen  Asylberwerber werde wegen der Bedrohung der beiden Mitarbeiterinnen des Landratsamtes ein Verfahren eingeleitet. Es seien vor allem Tunesier, die versuchten, die bürgerkriegsähnlichen Zustände in ihrem Heimatland nach Deutschland und nach Thräna zu exportieren. Zudem, so der Landrat, habe der Landkreis Leipzig im letzten Jahr eine Million Euro aus Eigenmitteln für Asylbewerber zur Verfügung gestellt. Der Landkreis erhalte pro Asylbewerber eine Pauschale von 1125 Euro im Quartal, eine Summe, die seit zehn Jahren gleichgeblieben sei. Deshalb sei letztlich der Bund gefordert, wenn es um Veränderungen bei der Lebensbedingungen von Asylbewerbern gehe.

Nikos Natsidis

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