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Borna Aus dem Alltag eines Friedensrichters
Region Borna Aus dem Alltag eines Friedensrichters
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14:50 19.05.2015
Friedensrichter Dirk Hilmers in seinem Büro im Rathaus der Stadt Kitzscher. Quelle: André Neumann

Hier in einem Büro im unteren Geschoss des Rathauses bemüht er sich, Streitfälle aus dem Alltag zu schlichten. Meist beginnt es damit, dass er an seinem Sprechtag erst einmal einige erhitzte Gemüter beruhigen muss. Denn es kommt vor, dass die Kontrahenten - immerhin um eine Lösung bemüht - gleich gemeinsam vor seinem Büro warten und erst einmal drauflos wettern. "Bis jetzt habe ich noch alle dazu bekommen, sich erst einmal zu setzen", sagt der 47 Jahre alte Hilmers. Wenn er es dann schafft, mit ein paar Tipps und Hinweisen einen sogenannten Tür- und Angelfall aus dem vorgetragenen Problem zu machen, dann ist allen geholfen. Dann wird das Problem gelöst ohne ein aufwendiges Verfahren betreiben zu müssen. Wie bei dem Bewohner eines Reihenhauses, dem Regenwasser in den Keller lief. Um sich zu helfen, hatte er einfach das Fallrohr gekappt. Mit dem Erfolg, dass nun beim Nachbarn das Wasser nicht mehr ablief, was den natürlich wurmte. Die Sache war schnell aus der Welt geschafft, denn die undichte Stelle war im Keller am Regenabflussrohr zu finden. Der Mann schloss das Fallrohr wieder an, reparierte das Rohr in seinem Keller und die Sache war mit einem Aktenvermerk auch für den Friedensrichter erledigt.

Ist der gestörte Nachbarschaftsfrieden auf diese Weise nicht herzustellen, kommt es zu einem Schlichtungsverfahren. Dann muss der Antragsteller 50 Euro Vorschuss an die Stadtkasse zahlen und die streitenden Parteien bekommen eine Ladung. Erscheint einer nicht, sagt Hilmers, dem es nicht an Selbstbewusstsein fehlt, kann er ein Ordnungsgeld verhängen oder sogar polizeilich zuführen lassen. Letzteres kam noch nicht vor, ein Ordnungsgeld hat er schon einmal verhängt. "In einer Höhe, die auch wehtun sollte." Und nach einer Pause: "Man sollte sich mit mir nicht anlegen."

Bis jetzt, berichtet der Friedensrichter, seien alle Schlichtungsverhandlungen in ein bis zwei Stunden erfolgreich abgeschlossen worden. Etwa beim klassischen Nachbarschaftsstreit wegen über die Grenze hinaus wachsender Bäume und Sträucher. Ein Antragsteller meinte, der Nachbar hätte ihn mit einer Zaunslatte geschlagen, was aber nicht so war. Und auch ein Fall ausstehenden Lohnes nach einer Kündigung landete vor dem Friedensrichter.

Nach abgeschlossener Verhandlung werden die Kosten abgerechnet, meist, sagt Hilmers, bekommen die Antragsteller von den 50 Euro noch etwas zurück.

Es habe sich herumgesprochen, "dass es hier vor der Schiedsstelle schneller geht, als vor Gericht", sagt Hilmers. Und auch er selbst hat sich in der Stadt einen Namen gemacht, er wird gelegentlich sogar angesprochen und um Rat gefragt. "Dann gebe ich auch mal auf der Straße einen Tipp - es muss ja nicht erst ein Fall daraus werden."

iIn diesem Jahr finden die Sprechstunden des Friedensrichters von Kitzscher an jedem ersten Dienstag im Monat statt (bisher war es der letzte), jeweils von 15 bis 17 Uhr im Zimmer 111 des Rathauses. Kontakt: Frieden04567@aol.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.01.2014
Neumann, André

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