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Ausbau der Bahnstrecke bei Neukieritzsch beginnt Mitte 2017

Sachsen-Franken-Magistrale Ausbau der Bahnstrecke bei Neukieritzsch beginnt Mitte 2017

Zwei Jahre lang soll der Streckenabschnitt zwischen Neukieritzsch und Regis-Breitingen erneuert werden. 40 Millionen Euro wird das Vorhaben verschlingen. Die Anwohner sind doppelt gestraft – sie kämpfen mit dem Schmutz vom Tagebau und müssen ab Baubeginn im Sommer 2017 zudem den Baulärm ertragen.

Soll erneuert werden: die Eisenbahnbrücke der Deutschen Bahn in der Forststraße in Regis-Breitingen.

Quelle: Andreas Döring

Neukieritzsch. Volles Haus bei der Informationsveranstaltung zum Ausbau der Bahntrasse im Abschnitt Neukieritzsch über Deutzen nach Regis-Breitingen. Lutz Buchmann, Projektleiter der Deutschen Bahn für die Sachsen-Franken-Magistrale, informierte Dienstagabend im Gemeindeamt Neukieritzsch betroffene Anwohner über die Bauarbeiten auf dem fünf Kilometer langen Streckenabschnitt, die Mitte 2017 beginnen und mit Vor- und Nacharbeiten an Schiene und Vegetation bis Mitte 2019 laufen.

Die reinen Baukosten belaufen sich auf 28 Millionen Euro, sogar rund 40 Millionen sind es laut Buchmann, rechne man Planungskosten und Entschädigungen der Anwohner hinzu. Die Baumaßnahmen im Streckenabschnitt sind Teil des Ausbaus der 160 Jahre alten Sachsen-Franken-Magistrale, die sich über 554 Kilometer erstreckt und die Städte Leipzig und Dresden über Werdau mit Hof verbindet.

„Wir erneuern alles – bauen ein neues Schotterbett, neue Schienen, neue Schwellen. Die Kabelleitungen werden modernisiert, eine Entwässerung des Unterbaus vorgenommen. Zudem wird es neue Oberleitungen geben“, sagte Buchmann. Auch die Schaltanlagen für die Weichen, die Signaltechnik, wird erneuert. Grund der Modernisierung: Die Strecke ist abgenutzt, veraltet.

Bahnhof Deutzen wird verschoben

Eine wesentliche Veränderung gibt es am Haltepunkt Deutzen. Er wird verschoben. Eine alte Fußgängerbrücke ist seit geraumer Zeit außer Betrieb – Fußgänger mussten über die Staatstraße laufen, um von der einen auf die andere Seite zu gelangen, standen mitunter vor der Bahnschranke, als der eigene Zug in den Bahnhof einfuhr. Eine neue Brücke über die Bahnhofstraße mit seitlichen Treppenaufstiegen und einem Fußgängerweg unterhalb der Brücke wurde errichtet. Nun soll der Bahnhof an die Brücke heran gebaut werden. „Die Lage des Bahnhofs wird leicht verschoben, damit die Fußgänger nicht so weit laufen müssen, um von dem einen auf den anderen Bahnsteig zu kommen“, sagte der Projektleiter. Ein Park- und Bushalteplatz liegt gleich nebenan. Nach Fertigstellung kommen Bahnreisende mit dem Auto oder Bus an und können bequemer umsteigen.

Neue Brücke entsteht in Regis

Die veraltete Eisenbahnbrücke in der Forststraße in Regis-Breitingen soll zudem eingerissen und durch eine neue ersetzt werden. „Dort ist geplant, Treppen in Richtung Bahnsteig an beiden Gleisseiten hoch zu bauen. Zudem will die Gemeinde, die Straße erneuern.“ Die Brückenbauarbeiten dauern rund ein halbes Jahr. Erst nach Abschluss der Baumaßnahme soll Ende 2020 der Bahnhof Neukieritzsch modernisiert werden.

Schmutz und Lärm beim Bau

Auf die Bürger kommen diverse Einschränkungen zu. So müssen sie Schmutz und Lärm ertragen. Zwischen 6 und 22 Uhr wird wochentags in der Regel gebaut, in Ausnahmefällen auch nachts und an Wochenenden. „Das ist der Fall, wenn eine Weiche und die zugehörige Signaltechnik umgestellt, die Strecke komplett gesperrt werden muss, damit auf dem anderen Gleis gefahren werden kann“, sagte Buchmann. Vier- oder fünfmal soll das in der Bauzeit geschehen.

Einschränkungen wird es auch auf verschiedenen Straßen durch den Bauverkehr geben, wenn Fahrzeuge zur Trasse hin- und zurückfahren. „Es gibt zwar eine Baustraße, die parallel zum Gleis und auf der Seite verläuft, auf der niemand wohnt. Dennoch müssen wir immer wieder auch an die linke Trassenseite ran, wo die Grundstücke liegen“ – so im Bereich des Bahnhofs Deutzen, der Brücke in Regis-Breitingen und bei Entwässerungsarbeiten auf der gesamten Strecke. Fünf Bau-Zufahrtsstraßen soll es geben. Bei den anliegenden Grundstücken wird außerdem ein Freischnitt vorgenommen. „Es gibt Teilbereiche, wo der Bewuchs zu nah an die Trasse geht und Äste und Gebüsch zurückgeschnitten und ganze Bäume gefällt werden müssen.“

Große Aufregung gab es beim Thema Schallschutz. Denn laut Baugenehmigung von 2005 muss die Bahn im gesamten Abschnitt keinen Schutz errichten. Einwände der Bürger wurden in einem Abwägungsverfahren zuvor abgeschmettert. Die Bahn plant jedoch, Lärmschutzwände dauerhaft aufzustellen, hat dafür aber weder eine Baugenehmigung, noch eine gesicherte Finanzierung. Es wird derzeit geprüft.

Bürger fordern Schallschutz

„Unsere Sorge ist, dass wir nachts nicht schlafen können“, sagten mehrere Anwohner der Fabrikstraße in Deutzen. „Wir haben schon drei Jahre diesen Baulärm gehabt, jetzt geht das wieder los.“ Die Bürger würden nicht ausreichend informiert, ihr Wunsch nach Schallschutz nicht berücksichtigt. „Es zählt nicht der Mensch – die bauen, ob wir das wollen oder nicht“, hieß es. Befürchtet wird auch, dass die kleinen Straßen, die nicht für den Schwerlastverkehr ausgelegt sind, zu Schaden kommen und die Anwohner am Ende für die Reparatur zur Kasse gebeten werden.

Von Oliver Becker

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