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Ausstellung in Borna wirft einen Blick auf das Schicksal geretteter Baudenkmäler im Kreis

Landratsamt Ausstellung in Borna wirft einen Blick auf das Schicksal geretteter Baudenkmäler im Kreis

Dem Verfall waren zahlreiche Schlösser, Kirchen und Bürgerhäuser zu DDR-Zeiten preisgegeben. Von der Rettung historischer Bausubstanz im Landkreis Leipzig berichtet eine neue Ausstellung im Bornaer Landratsamt.

Wolfgang Hocquèl hat gerettete Kulturdenkmale in der Region dokumentiert, darunter auch Schloss und Park Machern.

Quelle: Jens Paul Taubert

Borna. Wie reich die Region an Baudenkmälern ist, zeigt eine neue Ausstellung im Bornaer Landratsamt. „Geschützt, gerettet, saniert – Kulturdenkmale der Landkreise Leipzig und Nordsachsen“ – unter diesem Titel sind seit Dienstag Vorher-Nachher-Ansichten von Schlössern, Burgen, aber auch zahlreichen Dorfkirchen zu sehen. Wolfgang Hocquél, ein Urgestein der sächsischen Denkmalpflege, hat die Visitenkarten zusammengetragen.

Eine neue Sonderausstellung im Landratsamt Borna zeigt Kulturdenkmale auf Vorher-Nachher-Tafel

Eine neue Sonderausstellung im Landratsamt Borna zeigt Kulturdenkmale auf Vorher-Nachher-Tafel. Hier die alte Scheune vom Volkskundemuseum Wyhra.

Quelle: Jens Paul Taubert

Der Kunsthistoriker hat sich nicht wenige Meriten um den Erhalt historischer Bauten erworben. „Schloss Machern war quasi mein Einstieg“, plauderte der Ausstellungsmacher aus dem Nähkästchen. Dass sich das Barockschloss heute so präsentiert, sei mehreren Umständen zu verdanken gewesen. „Eigentlich wollte man das Gemäuer nach Kriegsende

Die Scheune vom Volkskundemuseum Wyhra nach der Sanierung

Die Scheune vom Volkskundemuseum Wyhra nach der Sanierung.

Quelle: Jens Paul Taubert

abreißen.“ Die Anweisung, nach 1945 den Charakter der Rittergüter zu verändern, wurde von den damaligen Verantwortlichen auch architektonisch vollkommen missverstanden. Zum Abriss kam es zwar nicht. Allerdings wurden das Schloss geplündert, ein historisches Kavalierhaus dem Erdboden gleichgemacht und die Haube des Schlossturms 1948 entfernt. Im Jahr 1981 bekam das Anwesen, das besonders wegen des englischen Landschaftsparks weit über die Region bekannt ist, einen weiteren schweren Treffer ab. „Der komplette Dachstuhl im Ostflügel brannte aus“, erinnerte Hocquél. Schon ein Jahr später begannen Aktivitäten, das Ensemble schrittweise zu sanieren. Die Aktion war konzertiert: Bürgermeister, LPG-Vorsitzender, einheimische Handwerker und sogar der Förster – alle halfen, den zerstörten Teil wieder aufzubauen. „Machern war das erste Schloss im damaligen Bezirk Leipzig, in das Geld geflossen ist. Sogar eine Parkdirektion wurde zu DDR-Zeiten gegründet.“ Und der Turm erhielt ab 1988 sogar seine alte Haube zurück. Anhand beeindruckender Fotos können die Ausstellungsbesucher das Auf und Ab des Macherner Aushängeschildes nachvollziehen. Und laut Hocquél besteht an der Einzigartigkeit kein Zweifel. „Bis heute gilt, was Cornelius Gurlitt niederschrieb: Der Macherner Park ist eine der bedeutendsten sentimental-romantischen Schöpfungen dieser Art in Deutschland.“

Bei der Ausstellungseröffnung

Bei der Ausstellungseröffnung: Denkmal- und Kulturpfleger Wolfgang Hocquèl (l.) und Landrat Henry Graichen (2. v. r.)

Quelle: Jens Paul Taubert

Eine Aufholjagd in Sachen Bausubstanz habe aber auch die Stadt Borna hingelegt, lobte Hocquél. „Als Tourist kann man heute locker zwei, drei Stunden in der Stadt verbringen: Historische Bausubstanz wie das Hornsche Haus und zahlreiche andere sanierte Denkmäler lohnen eine Stippvisite.“ Hocquél ließ an der Stelle durchblicken, dass er sich einen anderen Standort für die Emmauskirche hätte vorstellen können. „Es gab Pläne, das Heuersdorfer Gotteshaus am heutigen Kahnsdorfer See anzusiedeln. Dort hätte es als Landmarke eine andere Ausstrahlung gehabt.“ Kirche und Bergbauunternehmen hätten damals allerdings nicht mitgespielt. „Und inzwischen habe auch ich meinen Frieden mit dem Standort im Schatten der Bornaer Stadtkirche gemacht.“

Wer sich auf eine gedankliche Reise zu weiteren Kulturdenkmälern begeben will, kann unter anderem Schloss Grimma mit dem heutigen Amtsgericht, die Grimmaer Pöppelmannbrücke sowie die Schlösser in Frohburg, Wurzen und Nischwitz bestaunen. Auch industrielle Zeitzeugen wie die umgenutzte Brikettfabrik Neukirchen und die Deutzener Wasserkugel werden vorgestellt.

Besonders freute es Hocquél zu hören, dass sich für das Großbothener Wundt-Haus eine Rettung andeutet. „Wir haben einen Förderverein gegründet, um das Andenken an Forscher Wilhelm Wundt zu bewahren“, berichtete Landrat Henry Graichen (CDU) zur Ausstellungseröffnung. Wundt (1832-1920) gilt als Vater der Psychologie, er etablierte 1879 an der Leipziger Alma mater das weltweit erste Institut für experimentelle Psychologie. Seine Verdienste in Lehre und Forschung seien noch höher als die von Nobelpreisträger Wilhelm Ostwald einzuschätzen, registrierten die Zuhörer verblüfft. „Das Haus, in dem Wundt in seinen letzten Lebensjahren wohnte, steht in Großbothen – direkt gegenüber dem Ostwald-Park“, so Graichen. Er selbst sei zur Rettung des Denkmals mit Berliner Wissenschaftlern in Kontakt und engagiere sich im neu gegründeten Förderverein.

Von Simone Prenzel

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