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Borna Autobahntrasse ist eine Fundgrube
Region Borna Autobahntrasse ist eine Fundgrube
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17:15 19.05.2015
Die Präsidentin des Landesamtes für Archäologie, Regina Smolnik (hinten links), und Minister Sven Morlok begutachten mit Archäologin Vera Hubensack (vorne links) und der Grabungszeichnerin Jana Müller eine Grube. Sie diente wohl einst als Vorratslager.Fotos (3): Julia Tonne Quelle: Julia Tonne

Sven Morlok, Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (FDP), informierte sich gestern vor Ort über die Arbeiten.

"Anhand der Funde bestätigt sich unsere Vermutung, dass das Gebiet hier schon seit frühester Zeit besiedelt und für den Ackerbau genutzt worden ist", erklärte Regina Smolnik, Präsidentin des Landesamtes für Archäologie in Dresden. Die Siedlungslage sei äußerst günstig gewesen: "Es gab Wasser in der Nähe, aber es bestand keine Gefahr durch Hochwasser, zudem waren die Böden sehr fruchtbar."

Sven Morlok ist die Verantwortung gegenüber der Archäologie durchaus bewusst, die mit dem Trassenneubau einhergeht. "Bevor die Bagger rollen, müssen die Archäologen die Chance nutzen können, die Böden zu untersuchen und die hier so zahlreich zutage tretenden, bedeutenden Kulturschätze der sächsischen Landesgeschichte zu sichern", betonte er. Der Bau der A72 sei derzeit das wichtigste Bauvorhaben im Freistaat, "und ohne den Bau wäre vieles wohl nicht zum Vorschein gekommen".

Bis Mitte Juli nehmen 18 Mitarbeiter des Landesamtes eine rund 25000 Quadratmeter große Fläche genau unter die Lupe. Circa 3500 Quadratmeter davon sind bereits geschafft und haben Erstaunliches zutage befördert. Fast 500 Funde verzeichnet das Landesamt zum jetzigen Zeitpunkt. Die ältesten Stücke, Schnurkeramik, stammen aus der Zeit um 2500 vor Christus, die jüngsten aus dem frühen Mittelalter um das Jahr 1000, als die Slawen hier siedelten. "Überwiegend finden wir jedoch Stücke aus der Spätbronzezeit um 1200 bis 1000 vor Christus", erklärte Archäologin Vera Hubensack, unter deren Leitung die Mitarbeiter graben.

Zu den wichtigsten Funden zählen bislang eine Pfeilspitze und verschiedene Klingen aus Silex sowie ein Steinbeil. "Unsere besondere Aufmerksamkeit gilt einer kleinen durchbohrten Scheibe, die vielleicht ein Wagenradmodell sein könnte", so Smolnik weiter. Was zudem außerordentlich selten zum Vorschein kommt, ist ein Brennofen, wie er in Eula ausgegraben wurde. Das Siedlungsgebiet war wohl einst auch eine Produktionsstätte für Keramik, doch der Ofen funktionierte im Laufe der Zeit nicht mehr. Davon zeugen Fragmente von stark fehl gebrannter Keramik.

Die Funde kommen nach Abschluss der Grabungen ins archäologische Archiv nach Dresden. Doch die wohl bedeutendsten unter ihnen müssen an Ort und Stelle bleiben: tiefe kastenförmige Gruben, die vermutlich als Wasserschöpfstellen oder als Vorratslager genutzt worden sind.

Anhand der verschiedenen Merkmale können die Archäologen genau erkennen, aus welcher Zeit die Funde stammen. So weist Keramik aus slawischer Zeit das damals typische Wellenmuster auf, Rillen waren eher während der Bronzezeit sozusagen modern. "Jede Kultur hat ihre eigenen Verzierungen", sagte Hubensack. Und mit Hilfe der Funde könne die Geschichte der Landschaft detailliert dokumentiert werden.

Derzeit stehen die Archäologen unter enormem Zeitdruck, denn Baubeginn für den A-72-Abschnitt ist bereits im Sommer.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.04.2013

Julia Tonne

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