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Axt-Attacke bei Zwangsräumung

Axt-Attacke bei Zwangsräumung

Sie habe sich schon "unter einer Brücke gesehen" und nicht geglaubt, "dass die mir alles wegnehmen." Die Zwangsräumung ihrer Wohnung versetzte eine 53-jährige Frau aus Pegau im Oktober vorigen Jahres in Panik.

Pegau/Leipzig. Als der Gerichtsvollzieher und ein Mitarbeiter eines Schlüsseldienstes ihre Wohnungstür aufbrachen, sei sie durchgedreht. Laut Anklage attackierte die Mieterin den Schlosser mit einem Beil, was er zum Glück abwenden konnte. Seit gestern befasst sich das Landgericht Leipzig mit dem Fall, bei dem es letztlich nur um eins geht: die sichere Unterbringung der schuldunfähigen Frau. Sie leidet an einer paranoiden Schizophrenie, kann für den versuchten Totschlag nicht verantwortlich gemacht werden. Ein Sicherungsverfahren ist dennoch unausweichlich, weil von ihr laut Anklage der Staatsanwaltschaft "erhebliche rechtswidrige Taten zu erwarten sind und die Frau für die Allgemeinheit als gefährlich gilt."

Einsicht ist offenbar nicht ihre Stärke. Die Beschuldigte behauptete gestern, die Axt gleich wieder zur Seite gelegt und niemanden damit angegriffen zu haben. Die beteiligten Zeugen jener Aktion versicherten das Gegenteil. Es sei zu einem Gerangel gekommen, "ihre Hände waren überall", erinnerte sich der Schlosser an jenen Vormittag. Er wehrte sich und konnte der Frau gemeinsam mit dem Gerichtsvollzieher schließlich die Axt entreißen.

Zwischenzeitlich war die Polizei zu Hilfe gerufen worden. Die Situation sei sehr angespannt gewesen, "eine Unterhaltung war in keiner Weise möglich", sagte ein Beamter. Sein Versuch, die Frau bis zum Eintreffen des Notarztes zu beruhigen, schlug fehl. Sie habe geschimpft, um sich geschlagen und immer wieder "Behördenwillkür" geschrien.

Seit jenem Vorfall ist die Pegauerin im Fachkrankenhaus Altscherbitz untergebracht und eigenen Worten zufolge innerlich ruhiger geworden. Sie nehme jetzt Tabletten, die sie früher ablehnte. Eine Betreuerin ist für ihre Angelegenheiten zuständig, "sie kümmert sich um vieles."

Im Vorjahr war die Mutter zweier Söhne (32 und 26 Jahre alt), sie ist geschieden, noch allein auf sich gestellt, lebte von knapp 600 Euro Rente. Als die Rentenkasse auf einer Neu-Begutachtung bestand, wusste sie nicht, was sie tun sollte. "Ich habe manche Briefe gar nicht aufgemacht", gab sie gestern unumwunden zu. Sie habe niemanden mit ihren Problemen belasten wollen. Schließlich wurde keine Rente mehr gezahlt, in der Folge liefen Mietschulden auf. Doch auch die Mahnungen des Vermieters blieben ohne Reaktion. Sie sei nicht in der Lage gewesen, diese Dinge zu klären. Und so kam es zur Räumung der Wohnung.

Die gelernte Bäckerin, die unter anderem in der Küche der Bella-Schuhfabrik und eines Kindergartens arbeitete, wurde verrentet, als sie irgendwann Stimmen hörte. Sie hat bereits mehrere stationäre Aufenthalte hinter sich. Bereits 2008 wurde die Schizophrenie attestiert. "Jeder möchte nach Hause", erklärte die Angeklagte auf die Frage des Sachverständigen, ob sie sich in der Klinik am richtigen Platz fühle. Der Prozess wird am 17. März fortgesetzt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.03.2014
Grätz, Saskia

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