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Borna B 7 neu im Bundesverkehrswegeplan: Freude in Altenburg und Zweifel in Frohburg
Region Borna B 7 neu im Bundesverkehrswegeplan: Freude in Altenburg und Zweifel in Frohburg
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10:03 23.03.2016
Blick von der alten B 95 über die Wyhraaue zur B 93 und zum Gewerbegebiet am Wilhelmschacht. Quelle: Jens Paul Taubert
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Frohburg/Borna/Altenburg

Die neue Bundesstraße 7 hat es in den Entwurf des bis 2030 vorausschauenden Bundesverkehrswegeplans geschafft – allerdings anders als gedacht. War der Zubringer bisher Teil des A-72-Projektes, wurde sie nun der Verbindung zwischen den Autobahnen 72 in Frohburg und 9 in Zeitz zugeordnet. Die neue Systematik hat zur Folge, dass nicht nur die B 7n zwischen Frohburg und Altenburg Teil des Vorhabens ist, sondern auch die B 180 inklusive Westumfahrung. Zudem sind alle Teilabschnitte als vordringlicher Bedarf gekennzeichnet. Das ist nach „fest disponiert“ die zweithöchste Wichtigkeit.

„Dennoch sollte man nicht glauben, dass demnächst eine Ortsumfahrung Meuselwitz entsteht“, erklärte der Ostthüringer Bundestagsabgeordnete Volkmar Vogel (CDU). Das werde sich noch über sehr viele Jahre hinziehen. „Bis 2030 ist das unrealistisch.“

Das belegt ein Blick auf die Planungsstände. Während für die B 7n als Verbindung zwischen Altenburg und A 72 ein Vorentwurf samt vom Bund genehmigter Linienführung vorliegt, gibt es für den Abschnitt nach Rositz nur Umweltverträglichkeitsvarianten. Die Ortsumfahrung Meuselwitz wird gar noch „ohne Planung“ geführt. „Für die B 7n heißt es nun, mit Planungen und Genehmigungen voranzukommen“, sagte Vogel. Der jetzt sechs Wochen zur Diskussion stehende Entwurf sei kein Realisierungsplan, weswegen nach wie vor keine Aussage über den Bauzeitpunkt möglich ist.

Trotzdem ist Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) glücklich: „Ein Dankeschön an den CDU-Staatssekretär Rainer Bomba, der Wort gehalten hat. Mit gemeinsamer Kraftanstrengung ist es gelungen, das Projekt in den vordringlichen Bedarf zu bekommen, was elementare Voraussetzung ist, die finanziellen Mittel zu bekommen.“ Für Frohburg sei nicht der Neubau der Bundesstraße Richtung Altenburg das entscheidende, hatte dagegen Frohburgs Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW) bereits in der Vorwoche erklärt. „Mich interessiert vor allem die Anschlussstelle Frohburg auf der A 72.“ Er sei zuversichtlich, dass jene Gründe, die den Bau bisher verhinderten, ausgeräumt seien.

Zu jenen aus der Region, die die schnelle Anbindung Altenburgs an die Autobahn 72 falsch platziert sehen, gehört der Nenkersdorfer Helmut Strobel. Nicht nahe Frohburg sollte eine leistungsfähige Trasse gebaut werden, sondern südlich von Borna. Die Bundesstraße 93 sei die deutlich kürzere Verbindung von Altenburg gen Leipzig und abschnittsweise bereits gut ausgebaut. Über eine kurze, kaum anderthalb Kilometer lange Südumfahrung Bornas wäre die A-72-Anschlussstelle Borna-Süd im Handumdrehen erreicht.

Erwägungen, die, sagt Helmut Strobel, keinesfalls neu seien. Schon Anfang der Siebzigerjahre habe der Rat des Kreises Borna Planungen in Auftrag gegeben für eine Spange zwischen den damaligen Fernverkehrsstraßen 93 und 95. Die Trasse sollte über die Wyhraaue führen und die Kreisstadt Borna vom Durchgangsverkehr entlasten. „Ich habe die Pläne damals gesehen“, erinnert sich der Diplomingenieur, der als Investbauleiter für die Ausrüstung Agrochemischer Zentren in der Region tätig war. „Wenn man so schaut, bietet sich das doch selbst heute noch an“, sagt Strobel, steht am Rand der inzwischen abgestuften B 95 zwischen Zedtlitz und der Anschlussstelle der Autobahn, und weist nach Westen über die Wyhraaue. Zu sehen sind der Flusslauf, von Bäumen markiert, und die Neubaublocks von Borna-Gnandorf. In einer breiten Lücke lassen sich die auf der B 93 rollenden PKWs und Lastwagen beobachten, eine Lücke, wie gelassen für die Aufnahme einer breiten Straße.

Dass statt der neuen B 7 doch noch eine Spange südlich von Borna gebaut würde, Strobel ist nicht der Mann, der das ernsthaft glauben würde. Dazu sei die Sache viel zu weit gediehen. Das Überbrücken der Aue würde einen wertvollen Naturraum beeinträchtigen. Andererseits: Harsche Eingriffe in Naturräume und Ackerland wären auch im Frohburger Raum unverzichtbar, und dort auf einer Länge von vielen Kilometern.

Warum die Pläne vor vier Jahrzehnten in der Schublade verschwanden, Strobel weiß es nicht. Doch an sie zu erinnern, hält er für aufschlussreich. Vielleicht, sagt er, habe das mit den Russen zusammengehangen, mit der Sowjetarmee, die wegen des neuen Tagebaus Bockwitz ihr Übungsareal am Fürstenholz verlassen musste und ein neues zugewiesen bekam an der B 93 zwischen Borna und Thräna.

Und dann weist der Mann noch hin auf zwei längst begrünte Böschungen im Landschaftsbild, die unmittelbar an die gewesene F/B 95 anschließen: „Auf diesem Planum haben sie Bagger und Technik aus der Petergrube nach Bockwitz rübergeholt.“ Fast könnte man meinen, die Schrägen seien Vorarbeiten für die Bornaer Süd-Umgehung, die nicht gebaut wurde und wohl nie gebaut werden wird.

Von Ekkehard Schulreich und Thomas Haegeler

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