Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna BSZ Böhlen fordert bessere Perspektiven auch für schwierige Schüler
Region Borna BSZ Böhlen fordert bessere Perspektiven auch für schwierige Schüler
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:25 22.03.2018
Veränderungen in Schule und Unternehmen sind erforderlich, um allen eine Perspektive bieten zu können. Quelle: Thomas Kube
Anzeige
Böhlen

Wenn Jörg Großkopf, Leiter des Beruflichen Schulzentrums (BSZ) des Landkreises Leipzig, Entscheidungsbefugnisse über seine Schule hinaus hätte, würde er so einiges in Angriff nehmen: kleinere Klassen, weitere Fachrichtungen, Praktika einmal wöchentlich für ein Jahr und die Schaffung von Ausbildungsstellen in Helferberufen. Seine Wunschliste stellte er vor wenigen Tagen beim Unternehmertreff des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft vor. Thema des Abends: Personalgewinnung.

„Die Anforderungen an die Berufe, die von den Unternehmen immer attraktiver gemacht werden, steigen ständig“, sagte Großkopf. Allerdings gäbe es sowohl am BSZ als auch an anderen Schulen manche Schüler, die eben diesen Anforderungen nicht gewachsen seien. „Die reinen Helferberufe sind im Laufe der vergangenen Jahre weggefallen.“

70 Absolventen im Berufsvorbereitungsjahr

Von den derzeit rund 800 Schülern am BSZ absolvieren rund 70 ein Berufsvorbereitendes Jahr (BVJ), allerdings kommen von diesen wiederum 38 aus Förderschulen und ohne Hauptschulabschluss. Für Großkopf eine Katastrophe, „es kann doch nicht sein, dass Abgänger von Schulen zur Lernförderung ohne Abschluss entlassen werden“. Die entsprechenden Schüler hätten sich dann darauf eingestellt, später ohne Job und Ausbildung dazustehen und ihr Leben zuhause zu verbringen. Großkopf fordert, auch diese jungen Leute mitzunehmen und ihnen eine Perspektive zu bieten. Dafür sei es notwendig, Änderungen an Anforderungen und Ausbildung vorzunehmen.

Lehrabschnitte überschaubarer gestalten

Er plädierte daher dafür, dass Firmen und Betriebe eine Stufenausbildung anbieten. Heißt: die einzelnen Lehrabschnitte sollten klein und überschaubar gestaltet sein, die Ausbildung dann vielleicht statt drei eben vier Jahre dauern. In dem Zusammenhang forderte er auch, das Unternehmen ihre Praktika-Angebote überdenken sollten, um bei Schülern Interesse zu wecken. „Wenn unsere Schüler zwei Wochen am Stück in die Betriebe gehen und die Chefs nicht so recht wissen, was sie dann mit ihnen anfangen sollen, ist das für beide Seiten unbefriedigend“, machte der Schulleiter deutlich. Sinnvoller sei es, die jungen Leute einmal in der Woche über einen längeren Zeitraum in die Firmen zu schicken. „Das hat gleich mehrere Vorteile. Es entwickelt sich eine Kontinuität, die Wertschätzung der Arbeit wird größer, die Verantwortung der Schüler steigt.“

Großkopf: Klassenteiler senken

Doch damit ist seine Wunschliste noch nicht erschöpft. Vielmehr müsse der Klassenteiler gesenkt werden, der liege im BSZ im Bereich des BVJ bei 22 Schülern, „notwendig wäre er bei zehn bis zwölf, um allen Schülern gerecht zu werden“. Großkopf fordert zugleich, dass die Berufsorientierung in den Ober- und Förderschulen bereits in der fünften Klasse beginnen müsse, zudem sollte es eine viel engere Zusammenarbeit mit ortsansässigen Firmen geben. Ein Paradebeispiel, was die Kooperation betrifft, lieferte Großkopf mit Matthias Forßbohm, Maurermeister, geprüfter Restaurator im Maurerhandwerk und stellvertretender Obermeister der Bauinnung Leipzig/Leipziger Land. Dieser hat Großkopfs Praktika-Vorschläge in die Tat umgesetzt – „und gute Erfahrungen gemacht“, wie er selbst sagte. Mittlerweile habe er von seinen bisherigen Praktikanten einige in die Ausbildung übernommen.

Von Julia Tonne

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Alle Jahre wieder – zum Osterfeuer steht die Frage: Dürfen die das? Der Gesetzgeber sieht klare Regeln vor. Und die haben es in sich.

21.03.2018

Der Gefahr des Grundwasseranstiegs nach dem Ende des Kohleabbaus soll mit zahlreichen Projekten begegnet werden. Die Bürgerinitiative „Grundwasser Regis-Breitingen“ hat diese in einer Vereinbarung aufgelistet, die die Stadt mit Bergbausanierer LMBV abschließen soll.

24.03.2018

Die Große Kreisstadt Borna ist besser als ihr Ruf – auch wenn durchaus Stellschrauben aktiviert werden können, um die Stadt noch attraktiver zu machen. Welche das sein können, war Thema eines Kamingesprächs zwischen Bürgermeisterin, Klinikchef sowie dem Förderverein zum Aufbau eines Dokumentationszentrums Industriekulturlandschaft Mitteldeutschland und HTWK.

24.03.2018
Anzeige