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Bad Lausicker Eibenfreunde bringen den Urbaum zurück

Waldumbau Bad Lausicker Eibenfreunde bringen den Urbaum zurück

Die Eibe – ein Nadelbaum, der wegen seines harten Holzes besonders wertvoll ist – ist aus den sächsischen Wäldern so gut wie verschwunden. In Thierbaum bei Bad Lausick setzen sich die Eibenfreunde jetzt für den seltenen Baum ein. Dort gibt es sogar einen Eibenkindergarten.

Die Forstlehrlinge Christopher Richter aus Borna und Tobias Streicher aus Geithain setzen Eiben-Stecklinge im Colditzer Forst.

Quelle: Andreas Schwientek

Bad Lausick. Die Eibe ist aus den Wäldern verschwunden. Eine Art, die in weiten Teilen als Urbaum gilt, vergleichbar mit dem Gingko. Allenfalls in Parks und auf Friedhöfen, mitunter auch in Gärten, finden sich die Gewächse mit den immergrünen Nadeln und den feuerroten, becherförmigen Früchten, die die weiblichen Bäume tragen. Dass die Eibe in Gänze giftig ist – abgesehen vom wertvollen Fruchtfleisch der Beeren – mag ein Grund dafür sein, dass die Eibe verdrängt wurde.

„Ein triftiger Grund ist das nicht, denn die Eibe hat Wert – gerade auch für den Wald der Zukunft“, ist Frank Meisel überzeugt. Der Mitbegründer der Gruppe der Eibenfreunde weiter: „Die Eibe hat in zehntausenden Jahren gut überstanden, was uns angesichts der Klimaveränderungen bevorsteht.“ Und sie liefere wertvolles Holz, in seiner Festigkeit, Farbe und Struktur Tropenhölzern ebenbürtig. Aus guten Grund wurde es im Mittelalter für die Herstellung von Langbögen verwendet. Die Eibenfreunde, ein loser Zusammenschluss, möchte die Art zurück in die Wälder bringen.

„Das ist Liebhaberei. Retten können wir die Eiben damit nicht. Aber wir machen einen Anfang“, sagt Meisel, der auf seinem Grundstück nahe Thierbaum in Töpfchen kleine Eiben heranzieht. Pflanzen, die nicht nur in den Gärten der Mitstreiter heranwachsen sollen, sondern auch im Privat- und im Landeswald. „Wir konnten mehrere Forstbetriebe als Unterstützer gewinnen und pflanzen demnächst weitere Eiben aus“, sagt Meisel. Womit man hier in der Region nach Jahrhunderten quasi Neuland betrete, sei in Frankreich und vor allem der Schweiz gängige Praxis. Dort wisse der Forst den Wert der Eibe zu schätzen – des Baumes und des Holzes. „Das Eibenholz ist durch sein extrem langes Wachstum hart, schwer und dauerhaft“, sagt der Grimmaer Waldbewirtschafter Wolfgang Köcher.

Die Stadt Zürich etwa zeige, dass sich die Eiben-Vermarktung lohne, erziele sie doch bei mittlerer Qualität durchaus 1000 Euro pro Festmeter. Die 23. Internationale Eiben-Tagung, die Anfang Oktober in der schweizerischen Stadt ausgerichtet wurde, habe unterstrichen, dass dieser Baum „zur aktuellen Forstwirtschaft gehört und zukünftig noch einen höheren Stellenwert bekommen wird“ – nicht nur in der Alpen-Republik, in Frankreich oder Österreich, sondern auch in Deutschland und in Sachsen. Um eine Nachfrage zu entwickeln, brauche es das Angebot – und deshalb gelte es unverzüglich zu handeln, denn 120 Jahre brauche eine Eibe mindestens, ehe sich der Einschlag lohne.

Intensiv mit der Eibe beschäftigen sich jene angehenden Forstwirte des Staatsbetriebes, die Andreas Schwientek in der Ausbildungsstätte Colditz unter seinen Fittichen hat. „Sie machen zu ihrem Eiben-Projekt im Frühjahr ihre Prüfung in puncto Naturschutz und Landschaftspflege“, sagt er. Während ihrer Ausbildung pflanzten sie im Glastener Forst mehrfach Eiben-Setzlinge, sammelten Früchte, um sie aufwendig zum Keimen zu bringen. Ende November brachten sie im Rahmen des Naturschutzprojektes „Nachtschwärmer am Todesbaum“ (meint: Fledermäuse an der Eibe) erneut 45 kleine Bäumchen aus Meisels Eibenkindergarten an sieben Stellen im Revier Waldmühle in den Boden. Schwientek: „Sie dienen als Initialzünder für die Wiederansiedlung der Eibe im Landeswald.“

Seinen Einsatz für die Eibe konzentriert Frank Meisel nicht allein auf Exemplare, die in Stecklingsgröße in einen Blumentopf passen. Zweimal schon bediente er sich eines Krans und Lastwagens, um über 50 Jahre alte Bäume vor der Fällung zu bewahren und ihnen in Thierbaum Raum bis zum Ende ihrer Tage zu geben. Einer, an die sechs Meter hoch, stand in Borna auf dem Gelände des einstigen Krankenhauses Umbauten im Weg. Meisel, obschon unter zeitlichem Druck, ging das Wagnis ein, grub die Wurzeln im Umkreis von anderthalb Metern ab, schob einen Drahtkorb um den geretteten Teil des Wurzelballens. „Nach drei, vier Jahren begann er, schön auszutreiben, und heute ist er richtig vital“, freut sich Meisel. Großbaum Nummer zwei barg er aus dem Leipziger Zoo, wo er mit seinem Fachbüro Bauarbeiten an der Flamingo-Anlage betreute. „Zweifler gab es auch hier, die sagten: Das geht schief. Aber der Baum hat es geschafft.“ Längere Vorbereitungszeit hat Meisel für die Umsetzung einer Eibe aus Großgrimma, die wie das Dorf dem Kohleabbau weichen muss. Der Baum soll nun im nächsten Jahr nach Thierbaum umziehen.

Von Ekkehard Schulreich

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