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Bad Lausickerin will Katzen retten – nun steckt die Seniorin in der Zwickmühle

Tierwelt Bad Lausickerin will Katzen retten – nun steckt die Seniorin in der Zwickmühle

Einmal ein weiches Herz gezeigt und Katzen gefüttert, die hungrig in den Garten kamen – und jetzt für alle Zeiten in der Pflicht? Margit Veit aus Bad Lausick will das nicht in den Kopf. Sie sieht sich allein gelassen. Der Hilferuf, den sie absetzte, ist nirgendwo gehört worden. Die Rechtslage ist verzwickt.

Im Tierheim Oelzschau werden Fundkatzen aufgenommen.
 

Quelle: Archiv

Bad Lausick.  Weil sie junge Katzen, die vor zwei Jahren in ihrem Garten auftauchten, nicht hungern lassen wollte, hat Margit Veit jetzt ein Problem: Sich um die Tiere, die - davon geht sie aus - aus aufgelassenen Gärten der Anlage an der Bad Lausicker Heinrich-Heine-Straße stammen, auf Dauer zu kümmern, überfordert sie. Zumal mindestens zwei der fünf Katzenkinder von einst aktuell Nachwuchs erwarten. Beim Ordnungsamt der Stadt Bad Lausick und beim Tierheim in Oelzschau hatte sie schon vor Längerem auf das Problem hingewiesen. Hilfe, die das Problem gelöst hätte, erfuhr sie nicht. Statt dessen stößt sie mit ihrer Fürsorge für die Tiere bei manchem Gartennachbar auf Unverständnis und Kritik: „Aber ich kann die Tiere doch nicht verhungern lassen.“

Margit Veit mag Katzen, keine Frage. Mit dieser Liebe ist sie nicht allein. „Die Tiere werden ganz offensichtlich auch von anderen versorgt. Ich bin nicht jeden Tag draußen, und trotzdem sehen sie gepflegt aus“, sagt sie. Wenn es aber um die Zukunft der Katzen und um das in der Sache der Natur liegende Ausufern der Population geht, sieht sich die 72-Jährige unfreiwillig allein auf weiter Flur. Ihre gut gemeinte Zuwendung erweist sich immer deutlicher als ein Problem. Wie es gelöst werden könnte? Die freundliche Frau weiß es nicht.

„Hätte das Ordnungsamt der Stadt die fünf jungen Kätzchen damals wirklich genommen und ins Tierheim gebracht, gäbe es das ganze Problem nicht“, ist Veit überzeugt. Und erzählt die Vorgeschichte, wie sie sie erlebte: In der Kleingartenanlage gaben mehrere Pächter ihre Parzellen auf, ließen einen Kater und zwei Katzen zurück. Eine Katze tauchte vor zwei Jahren mit ihrem fünfköpfigen Nachwuchs bei Margit Veit auf. Die fütterte die Tiere, wandte sich zugleich aber an das Tierheim, das seinerseits auf das Ordnungsamt der Stadt verwies. Dessen Mitarbeiter kamen, um die Tiere in einen Karton zu sammeln - „doch wenige Tage später waren die Katzen wieder da“. Und blieben seither im Umfeld. „Jetzt sind sie groß und bekommen selber Nachwuchs.“

„Die Katzen gelten nicht als Fundtiere, da sie gefüttert werden“, sagt der Bad Lausicker Bürgermeister Michael Hultsch (parteilos). Für Fundtiere sei das Tierheim in Oelzschau zuständig; mit dem habe die Kurstadt einen Vertrag. Doch der konkrete Fall liege anders. Dass sie durch das Füttern der Tiere Eigentümerin der Tiere geworden sei mit aller damit verbundenen Verantwortung, das hörte Margit Veit zu ihrer Verwunderung bereits von Ordnungsamt wie Tierheim. Plötzlich, meint sie, habe sie den schwarzen Peter auf der Hand. „Das Problem wäre gar nicht erst entstanden, wenn der Gartenverein dafür gesorgt hätte, dass die wirklichen Eigentümer die Tiere beim Auszug mitnehmen.“

Woher die Katzen tatsächlich stammten, sei nicht klar, wendet Vereinsvorsitzender Fredo Bufe ein. In der Mitgliederversammlung habe man mehrfach über die Tiere gesprochen. Manche ärgerten sich über zerwühlte Beete und die Hinterlassenschaften. Glücklich sei man mit der Situation nicht, aber wie man die bereinigen könne, wisse man auch nicht.

Für das Tierheim in Oelzschau gibt es grundsätzlich zwei Kriterien, sagt dessen Leiter Oliver Fasse: Fundkatzen, die zahm seien, nehme das Heim an – um sie dem Eigentümer zurück oder in andere liebevolle Hände abzugeben. Für verwilderte Katzen sei zuerst das Ordnungsamt einer Kommune verantwortlich: „Die Leute meinen es gut, wenn sie zugelaufene Katzen füttern.“ Dass sie sich damit rechtlich auf schwieriges Terrain begäben, sei ihnen nicht bewusst. Wer sich kümmere, werde Eigentümer, sagt Fasse; das sei die gängige Rechtsauffassung.

Eine Nachfrage beim Landratsamt ergab: Das Bürgerliche Gesetzbuch, Paragraf 958, bestimmt, „wer eine herrenlose bewegliche Sache in Eigenbesitz nimmt, erwirbt das Eigentum an der Sache“. Das Problem liege im Detail, sagt Behördensprecherin Brigitte Laux, etwa „wann und wie zum Beispiel streunende Katzen in Besitz genommen werden“. Starre zeitliche Fristen gebe es nicht. Tierliebenden Menschen müssten sich bewusst sein, dass sie durch uneigennütziges Versorgen schnell in eine Halterrolle und damit in die Pflicht geraten könnten.

Fundtiere, also jene, die jemandem gehörten, aber zum Beispiel ausgebüxt seien, könne man nach Oelzschau bringen, sagt Oliver Fasse. Für herrenlose Tiere aber müsse die Stadt die Kosten übernehmen, zum Beispiel für eine Kastration. Wer aber eine Katze einfach abgeben, also loswerden möchte, der müsse dem Tierheim eine Gebühr entrichten. Das sei recht und billig, schließlich müsse man die Tiere versorgen, impfen, behandeln, sagt Fasse. Und was den konkreten Fall betrifft? Selbst wenn die Tiere endlich kastriert würden, könnten sie doch nicht in der Gartenanlage bleiben, sagt Margit Veit. Zum einen passe das nicht, und zum anderen sehe sie sich schon aus Altersgründen nicht in der Lage, sich für alle Zeiten um die Tiere zu kümmern, auch wenn sie manchmal durch Nachbarn unterstützt würde: „Wenn mal was ist mit mir, wer sorgt sich dann? Diese Verantwortung kann ich wirklich nicht übernehmen.“

Der Freistaat Sachsen hat Empfehlungen für den Umgang mit Fundtieren zusammengestellt. Sie sind im Internet zu finden unter www.tieraerzte-sachsen.de/dokumente/Fundtiere.pdf.

Von Ekkehard Schulreich

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