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Baggerbergung sorgt für Gedränge am Tagebaurand

Baggerbergung sorgt für Gedränge am Tagebaurand

Die seit Dienstag laufende Bergung des Ende August umgekippten Schaufelradbaggers im Tagebau Vereinigtes Schleenhain (die LVZ berichtete) erweist sich als Attraktion.

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Schaulustige am Aussichtspunkt in Deutzen.

Quelle: André Neumann

Deutzen. Auch gestern herrschte am Tagebau-Aussichtspunkt in Deutzen ein ständiges Kommen und Gehen. Unten hing der 950 Tonnen schwere Bagger schon mit einer Kette in der Luft.

Bisher laufe alles planmäßig, hieß es gestern Nachmittag von der Mitteldeutschen Braunkohlegesellschaft (Mibrag).Viel mehr als das unablässige Schaufeln und Schwenken der Bagger, die seit gestern Vormittag die Kohle direkt unter dem mit Stahlseilen gesicherten Koloss wegbaggern, der dabei aufgewirbelte Staub und ein paar Männer in orangefarbener Warnkleidung ist davon nicht zu sehen. Wer eine Veränderung bemerken will, müsste schon ziemlich lange in der Kälte ausharren. Dennoch ist hinter dem Geländer, von dem aus man in die weite Tagebaulandschaft blickt, häufig kaum ein freier Platz und immer wieder kommen und gehen Neugierige. Einheimische, die seit Jahren neben dem Tagebau leben und sich schon deshalb dafür interessieren, Leute aus den umliegenden Orten aber auch von weiter weg. Unter ihnen sind etliche ehemalige Bergleute.

Steffen Marinoff (59) aus Pegau ist einer davon. Zwanzig Jahre hat er als Raupenfahrer im Tagebau Profen gearbeitet. Das verbindet. „Das wollten wir uns nicht entgehen lassen", sagt der Pegauer, das Fernglas in der Hand, zu der Bergungsaktion, wie er sie in den zwei Jahrzehnten nicht erlebt hat. Sein Begleiter ist sein Nachbar, der 78-Jährige Karl Wagner, der sagt: „Das ist immer interessant, was in dem Tagebau passiert." Die beiden wollen bis Freitag, dem voraussichtlichen Ende der Bergung, auf jeden Fall noch einmal herkommen.

 Auch Bernd Scarbata (59) aus Leipzig hat persönliche Erinnerungen an den Tagebau. Als Mitarbeiter des früheren Leipziger Verkehrs- und Tiefbaukombinates war er mit vielen Kollegen im Winter oft hier und half beim Wegebau und Gleise rücken. „Da interessiert einen das schon noch", sagt der Mann, der heute im Autobahnbau tätig ist.

Während Erik Sabottka mit seinem dreijährigen Sohn Eike auf dem Weg vom Kindergarten nach Hause „nur mal gucken" wollte, treffen sich mit Detlef Schulze (64) und Rolf Fischer (65) zwei ehemalige Kollegen, denen Großgeräte wie das, das da unten noch immer auf der Seite liegt, nicht fremd sind. Schulze arbeitetet im Tagebau Zwenkau und später bis 2006 im Vereinigten Schleenhain als Elektriker. Fischer kennt aus seiner Zeit die Tagebaue Espenhain, Zwenkau, Cospuden, Profen und Schleenhain. Auch er war in der Elektroabteilung beschäftigt, unter anderem für Revisionen zuständig. Dabei traf er auf den Großgeräten häufig mit Schulze zusammen. Beide kennen noch einen Teil der Besatzung des verunglückten Baggers. „Gott sei Dank waren die rechtzeitig runter", sagt der Elektromeister. Weil es im Bergbau immer unvorhergesehene Erdbewegungen geben kann, erklären die beiden, gibt es auf den Baggern Geräte, die die Neigung messen. „Wird die Neigung zu groß, müssen alle sofort runter vom Bagger", denn man wisse nicht, was passiert. Dafür, dass diese Geräte richtig funktionieren, seien sie beide mit zuständig gewesen.

Rudolf Hannawald (76) und Martha Dietz (73) wohnen gemeinsam in Borna, beide kennen die Tagebaulandschaft der Region gut. Martha Dietz lebte früher in Deutzen und hatte den Tagebau vor der Tür: „Meine Stiefmutter hat hier gearbeitet", erzählt sie und dass beide am nächsten Tag wiederkommen wollen. Den Transport der Heuersdorfer Kirche nach Borna, den die selbe Spezialfirma bewerkstelligte, die jetzt den Bagger aufrichtet, hatten sie ebenso verfolgt.

Für Dietmar (62) und Margitta Meier (60) aus Altenburg ist der Aussichtspunkt seit dem Spätsommer ein regelmäßiges Ausflugsziel. Der private Landwirt saß gerade auf dem Mähdrescher, als er im Radio vom umgekippten Bagger hörte. Er schnappte den Fotoapparat und fuhr nach Deutzen. „Ich war einer der Ersten, die Bilder davon ins Internet stellten", vermutet der Hobbyfotograf. Seitdem sind die beiden mindestens alle vier Wochen hier gewesen und sie wollen das Aufrichten des Baggers auch noch miterleben. Die Mibrag rechnet am Freitag damit.

André Neumann

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