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Borna Bahnhof immer noch nicht barrierefrei: „Wir Rollstuhlfahrer sitzen in Borna fest“
Region Borna Bahnhof immer noch nicht barrierefrei: „Wir Rollstuhlfahrer sitzen in Borna fest“
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10:00 09.06.2016
„Rollstuhlfahrer sitzen in Borna fest.“ Elke Fritzsche ist entsetzt, dass sich nichts am Bahnhof tut, wenn es um Barrierefreiheit geht. Quelle: Julia Tonne
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Borna

Überall, wo Elke Fritzsche unterwegs ist, steht sie vor einem Problem. Das mag für gesunde Fußgänger allenfalls als kleines Übel durchgehen, für die Rollstuhlfahrerin aber ist jede Bordsteinkante ein riesiges Hindernis. Und davon, so sagt sie, gibt es in der Kreissstadt Borna viele.

Vor allem der Bahnhof macht ihr und anderen behinderten Menschen nach wie vor zu schaffen. „Jetzt haben wir ein perfekt ausgebautes S-Bahn-Netz, mit dem man ohne Umsteigen nach Leipzig fahren kann, aber wir Rollstuhlfahrer sitzen hier in Borna fest, weil der Bahnhof nicht barrierefrei ist“, macht sie ihrem Unmut Luft. Zwar komme sie in die Messestadt, da die Züge in diese Richtung vom Gleis 1 abfahren, das noch ohne Treppen zu erreichen ist. Der Rückweg aber wird dann zu einer Geduldsprobe. Um mit ihrem elektrischen Gefährt in Borna aussteigen zu können, müsste sie zunächst nach Geithain oder Frohburg weiterfahren und sich dann wieder in die Bahn der entgegengesetzten Richtung setzen, um an Gleis 1 anzukommen. Denn noch immer führen alle Wege zu Gleis 2 und 3 über Treppen. Aufzüge und Rampen? Fehlanzeige.

„Wir kommen hier nicht so ohne weiteres zurück, stehen immer wieder vor dem gleichen Dilemma“, betont Fritzsche, die seit zwei Jahren auf den Rollstuhl angewiesen ist. Dass sich hier noch immer nichts getan habe, liegt ihrer Meinung nach vor allem an der fehlenden Lobby für behinderte Menschen. „Uns hört einfach keiner.“

Laut Aussage von Jens Merkel, Behindertenbeauftragter des Landkreises Leipzig, könne sich die Situation erst 2018 am Bahnhof entspannen. Dann will die Bahn einen barrierefreien Zugang schaffen. Bis dahin, so Merkel weiter, solle eine Interimslösung geschaffen werden. „Angedacht ist eventuell ein sogenannter schienengleicher Übergang, also eine Art Planken, die zu den hinteren Gleisen führen“, erklärt er. Auch die Stadt wäre nach Aussage des Sprechers Hans-Robert Scheibe damit mehr als zufrieden, wenn es noch vor 2018 eine Übergangslösung geben könnte. Doch derzeit liegt die endgültige Entscheidung laut Merkel noch beim Eisenbahnbundesamt.

Für Fritzsche wäre ein Interim schon ein großer Schritt nach vorne, „ich will noch in diesem Jahr mit dem Zug nach Leipzig und zurück fahren“, stellt sie klar. Sollte der Bahnhof dann tatsächlich nutzbar sein, steht sie aber vor einer anderen Herausforderung. Denn dieser ist bei weitem nicht der einzige Schwachpunkt in der Stadt.

Zwischen der Stauffenbergstraße und dem Bahnhof gibt es zwar einen Trampelpfad, der aber ist für Rollstühle unpassierbar. Stattdessen muss sie einen riesigen Umweg in Kauf nehmen. Der steht übrigens auch an, wenn sie Veranstaltungen im Stadtkulturhaus besuchen will. Einen barrierefreien Zugang gibt es lediglich vom Volksplatz aus, da aber stellt die Steigung der Straße eine nicht unwesentliche Hürde dar.

„Bei der Post geht das Dilemma weiter, hier müssen die Mitarbeiter die Rollstuhlfahrer draußen vor der Tür bedienen, weil diese die Treppen nicht hochkommen. In Borna gibt es also noch viel zu tun, wenn es um Barrierefreiheit geht“, macht Fritzsche deutlich.

Von Julia Tonne

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