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Bahnstreik ergreift Bornaer Region

Bahnstreik ergreift Bornaer Region

Der Lokführer-Streik trifft auch die Borna-Geithainer Region. Menschen und Waren bleiben bis Sonntag sprichwörtlich auf der Strecke, die Auswirkungen bekommen Unternehmen, Schulen und Behörden zu spüren.

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Auch auf dem Böhlener Bahnhof wurden die Reisenden schon am Mittwoch auf den bevorstehenden Streik der Lokführer hingewiesen.

Quelle: Thomas Kube

Borna. Landrat Gerhard Gey (CDU), auch Vorsitzender des Zweckverbandes für den Nahverkehrsraum Leipzig, sieht den Streik sehr kritisch. "Wenn durch die Streiks Fahrgäste dauerhaft weg bleiben, ist gerade unser ländliche Raum der Hauptleidtragende, weil sich der ÖPNV nicht mehr finanzieren lässt", beklagt er.

Die stehenden Züge wirken sich heute und morgen auch auf den Schülerverkehr im Landkreis aus. Betroffen seien vor allem die Beruflichen Schulzentren Böhlen, Grimma und Wurzen, aber auch die Förderschule und das Gymnasium in Borna, informierte Landratsamt-Sprecherin Brigitte Laux. Geithain, Borna und Böhlen liegen an der S-Bahn-Strecke 4, die von nicht wenigen Schülern frequentiert wird. Laux: Das Landratsamt hat die Schulen entsprechend informiert und gebeten, sich im Internet oder über die Servicenummer der Bahn zu den Ersatzfahrplänen zu informieren." Auch Mädchen und Jungen anderer Schulen nutzten die Bahn, meist gebe es dort aber Busalternativen.

Im Beruflichen Schulzentrum Leipziger Land (BSZ) in Böhlen lernen rund 830 Schüler, etliche von ihnen kommen mit der Bahn. "Es wäre sehr schön, wenn die Eltern ihre Kinder bringen können", sagte gestern Thomas Reck, der stellvertretende Schulleiter. Wer nicht anreisen kann, dürfe aber nicht einfach blau machen. "Alle betroffenen Schüler müssen sich telefonisch in der Schule abmelden. Sie dürfen ausnahmsweise zu Hause lernen." Für Auszubildende im dualen System wurden gestern andere Regelungen getroffen. Sie sollen nicht zu Hause bleiben, sondern in ihrem jeweiligen Betrieb arbeiten, so Reck. Das BSZ war letztmalig vor den Ferien vom Streik betroffen. Da wurde der Unterricht mittags beendet, damit alle noch nach Hause kamen. Reck: "Uns sind die Hände gebunden, wir können nichts machen."

Auch viele Mitarbeiter der Landkreis-Verwaltung sind auf die Bahn angewiesen. Falls sie nicht auf Bus, Auto oder eine Fahrgemeinschaft ausweichen können, sei das Organisationstalent der Ämter gefragt, um den Publikumsverkehr aufrecht zu erhalten", so Landratsamt-Sprecherin Laux.

"Wir kriegen das in den Griff, aber wir sind natürlich nicht glücklich darüber", sagte Ronald Jurchen über den Streik der Lokführer. Der Leiter des Finanzamtes Borna rechnet damit, dass rund ein Dutzend seiner 130 Mitarbeiter unmittelbar betroffen ist. Er gehe davon aus, dass Fahrgemeinschaften mit PKW gebildet werden. Auswirkungen habe der Streik aber auch auf jene Finanzbeamten, die in den nächsten Tagen dienstlich unterwegs sein müssen. "Ich bin da eher der Bahnfahrer", so Jurchen. Diesmal werde er aber zwangsläufig auf das Auto umsteigen.

Unter dem Personal der Bad Lausicker Medianklinik gibt es nur eine gute Handvoll Berufspendler aus Richtung Leipzig, die üblicherweise Bahn fahren. Betroffen vom ruhenden Bahnverkehr dürften aber auch Patienten sein und Angehörige, die zu Besuch kommen. Dass mit Piloten, Bahn, Ärzte und Lehrer gerade Berufsgruppen mit vergleichsweise gutem Einkommen streiken, stößt bei manchem hier auf Kritik. Putzfrauen oder Verkäuferinnen hätten wohl triftigere Gründe dafür, heißt es.

"Ich hoffe, dass trotzdem ein paar Züge fahren werden, dass es einen Notfahrplan gibt", sagte Denise Buchwald, die jeden Tag aus Chemnitz zur Arbeit nach Bad Lausick fährt. Der Streik sei definitiv unerfreulich, außerdem würden Pendler nur unzureichend an Informationen herankommen. Drastischer formuliert es ihr Chef, Mietra-Geschäftsführer Gerold Trautner. Er spricht von einem Skandal. "Dass eine kleine Gruppe Hunderttausende Menschen und Unternehmer behindern darf, ist völlig unangemessen." Im Kern gehe es doch darum, welche Gewerkschaft wen vertreten dürfe. Das könne nicht zu Lasten so vieler Leute ausgefochten werden.

Im Kraftwerk Lippendorf sind "keine Auswirkungen zu befürchten", teilte gestern Pressesprecher Lutz Dornberg auf Anfrage mit. Die Versorgung mit Braunkohle aus dem Tagebau Schleenhain erfolge über Förderbänder, der Abtransport der Asche über Rohrgurtförderer. Lediglich der Branntkalk für die Rauchgasentschwefelung werde über den Schienenweg angeliefert und in Silos bevorratet. Für die angekündigte Streikdauer seien ausreichend Reserven vorhanden, so der Sprecher. Die Beschäftigten - 300 Mitarbeiter und 100 Azubis - kommen überwiegend mit dem Auto.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.11.2014
Ekkehard Schulreich und Saskia

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