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Bankenkrise in Deutzen: Geschenk für den Friedhof ausgebremst

Neukieritzsch Bankenkrise in Deutzen: Geschenk für den Friedhof ausgebremst

Manchmal ist es nicht so einfach, etwas Gutes zu tun. Familie Hildebrandt möchte zwei Bänke für den Friedhof in Deutzen spenden und sie am liebsten gleich selbst aufstellen. Doch da macht die Gemeinde nicht mit, beharrt auf Einhaltung der Regeln.

Diese Bank vor der Trauerhalle auf dem Deutzener Friedhof verdient ihren Namen nicht mehr.

Quelle: André Neumann

Neukieritzsch/Deutzen. Mario Hildebrandt schneidet mal wieder die Bank frei, die am Weg vor dem Rosenhain auf dem Deutzener Friedhof in einer Hecke steht. Diese und eine zweite Bank haben er und seine Frau Silke, die Mitglied des Neukieritzscher Gemeinderates ist, vor ein paar Jahren hier aufgestellt. Eine nach dem Begräbnis des viel zu früh gestorbenen Freundes ihrer Tochter. Die andere steht ein paar Meter weiter weg. Nach der Beerdigung ihres Mannes wünschte sich die Mutter von Silke Hildebrandt etwas zum Sitzen in der Nähe des Grabes.

Auch andere Besucher des Friedhofes möchten sich hin und wieder setzen. Sei es, um ihren verstorbenen Angehörigen nah zu sein, sei es, um sich während der Grabpflege ein paar Minuten ausruhen zu können. Die Reaktion der Friedhofsbesucher auf die Bänke sei jedenfalls positiv gewesen, sagt Mario Hildebrandt. Der die Pflege der beiden Sitzgelegenheiten gleich selbst übernommen hat.

Jetzt wollen die beiden wieder zwei Bänke für den Friedhof spenden. Gebaut hat Mario Hildebrandt sie schon. Und sie haben auch schon ganz genaue Vorstellungen, wo sie stehen sollen: Vor der Trauerhalle. Dort steht derzeit eine Bank, die den Namen nicht mehr verdient. Sie hat keine Lehne und ist vermutlich eine verwitterte alte Schulsportbank. Jeder, der einmal bei einer Beisetzung vor der Trauerhalle warten muss, wäre gewiss froh über eine angenehmere Sitzgelegenheit.

Doch manchmal ist es gar nicht so einfach, etwas Gutes zu tun. Ein missverständliches Wort zu viel, ein paar kleine Befindlichkeiten, und schon wird die Sache komplizierter, als sie eigentlich ist. Denn während das Aufstellen der beiden ersten Bänke aus Sicht von Familie Hildebrandt kaum ein Problem war, möchte die Gemeinde jetzt, dass die Regeln eingehalten werden. „Auch Frau Hildebrandt muss sich an die Regeln halten“, sagt der Neukieritzscher Bauamtsleiter René Hertzsch der LVZ auf Anfrage. Zum einen, erklärt er, müsse der Gemeinderat über die Annahme einer Spende einen Beschluss fassen. Das sieht der Gesetzgeber in Sachsen so vor. Außerdem, so Hertzsch, gebe es für den der Kommune gehörenden Friedhof einen beauftragten Verwalter, der sich um die Wege und Grünanlagen kümmert. Da könne nicht jemand einfach eine alte Bank entfernen und durch eine neue ersetzen. Natürlich könne der Spender aber sagen, wofür er spendet, wo seine Bank aufgestellt werden soll.

All das hat der Bauamtsleiter den Hildebrandts schriftlich mitgeteilt. In einem Ton, den die möglicherweise als etwas harsch und ablehnend verstanden haben, wo sie vielleicht auf ein Wort des Dankes gehofft hatten. Wozu man wissen muss, dass die Gemeinderätin sich schon in der Vergangenheit kritisch zur Situation auf dem Deutzener Friedhof geäußert hatte und damit auch den Anstoß für eine Neuausschreibung der Bewirtschaftung des Geländes gelegt hatte. Danach, sagt sie, habe sich einiges gebessert.

Und glaubt man dem Bauamtsleiter, sei auch das Aufstellen der beiden Bänke nur eine Frage von ein paar offiziellen Zeilen von Familie Hildebrandt an die Gemeindeverwaltung und einem zustimmenden Beschluss des Gemeinderates, eigentlich also „kein Problem“. Zumal er einräumt, dass die Bank vor der Trauerhalle ihren Zweck tatsächlich nicht mehr erfüllt und ersetzt werden müsste.

Von André Neumann

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