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Borna Barbarafeier in Borna: Fettbemmen zum Feiertag der Bergleute
Region Borna Barbarafeier in Borna: Fettbemmen zum Feiertag der Bergleute
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17:56 05.03.2018
Barbaratag im Hotel „Drei Rosen“ in Borna: Dabei präsentierten sich (v. li.) Siegfried Kuhnert im DDR-Bergmannskittel, Ulrike Kalteich in einem Kittel aus den 90er Jahren und Stephan Uhlemann im Freiberger Bergmannskittel. Quelle: Jens Paul Taubert
Borna

Zur Feier des Tages stand am Montag im Bornaer Hotel „Drei Rosen“ etwas Spezielles auf dem Speiseplan. Es gab „Berghenne“. Ein typischer Bergmannschmaus aus Hering mit sauren Gurken, Harzer Käse und, typisch sächsisch, Fettbemmen. Immerhin war am Montag Barbaratag, also der Tag der Schutzheiligen der Bergleute. Erstmals hatte der Förderverein zum Aufbau des Dokumentationszentrums Industriekulturlandschaft Mitteldeutschland (DokMitt) gemeinsam mit der Stadt Borna dazu eingeladen – und etwa 30 Bergbauveteranen waren gekommen.

Gekommen waren Leute wie Dietmar Stein, früherer SPD-Stadtrat in Borna und langjähriger Betriebsrat bei der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbauverwaltung (LMBV), Gewerkschafter Dirk Tandeck und Uwe Brüchmüller, stellvertretender Landesbezirksleiter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IGBCE) und vormals IGBCE-Bezirkschef in Leipzig, aber auch Frank Feldmann, Linken-Stadtrat mit Kraftwerksvergangenheit.

Es könnte der Beginn einer wunderbaren Tradition werden, wie Walter Christian Steinbach erklärte. Der langjährige Leipziger Regierungspräsident ist DokMitt-Vorsitzender. Borna ist die erste Stadt, die den Barbaratag in einer Kommune wiederaufleben lässt, machte die Bornaer Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke) klar. Kein Wunder, schließlich war die Stadt Zentrum eines Braunkohlereviers, so dass hier beziehungsweise in Regis-Breitingen und Espenhain im Jahr 1989 etwa 25 000 Menschen im Bergbau nebst Veredlungsindustrie Lohn und Brot fanden. „Zwischen Wittenberg und Altenburg waren es insgesamt 60 000 Beschäftigte“, sagte Angelika Diesener, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit bei der Mibrag.

Steinbach erinnerte an „den Strukturwandel, den die Bergleute seit 1990 erlitten“ haben. Gegenüber der LVZ verwies er auf den starken Gegenwind, der allen, die mit der Kohlengewinnung zu tun hatten, Anfang der 90er Jahre entgegen blies. An die Zeit, als er in Borna öffentlich erklärte, dass die Zeit der Entschuldigungen vorbei sei. Wohl auch deshalb hatten die Veranstalter im Vorfeld der Barbarafeier ehemalige Bergleute unter der Überschrift „Ein Bergmann braucht sich nicht zu schämen – das spektakulärste Foto aus meiner Arbeitswelt“ um die Einreichung von Bildern aus ihrem Arbeitsleben gebeten, die im Rahmen einer Ausstellung gezeigt werden sollen.

Der DokMitt-Chef warnte mit Blick auf die Energiewende auch vor einer Verteufelung der Braunkohle und gab sich überzeugt, „dass das Ende der Braunkohlenverstromung nicht das Ende der Braunkohlenverarbeitung bedeutet“. Und Steinbach erinnerte an die historischen Weichenstellungen im Jahr 1994, als die Renaturierung der einstigen Tagebaue und das spätere Neuseenland konzipiert wurden.

Dass die Erfahrungen und Erlebnisse der Bergleute insbesondere aus der Umbruchzeit vor 20, 25 Jahren bewahrt werden müssen, machten Ariane Zabel und Ines Rost klar. Die studierte Verlagswirtschaftlerin und die Museologin führen im Auftrag von DokMitt ein Zeitzeugen-Projekt durch, in dem Bergleute nach ihren Erinnerungen in den Jahren zwischen 1989 und 1995 befragt werden. Interessenten sollen erzählen, wie sie das Ende des Bergbaus erlebt haben. Gesucht werden aber auch Dokumente, Fotos und Sachzeugen, etwa Brigadetagebücher.

Kontakt per E-Mail an ines.rost@dokmit.de oder ariane-zabel@dokmitt.de

Von Nikos Natsidis

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