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Borna Barrieren für Blinde, Freiheit für Rollifahrer
Region Borna Barrieren für Blinde, Freiheit für Rollifahrer
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00:35 28.04.2018
Frank Brümmel ist selbst sehbehindert. Quelle: Haig Latchinian
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Borna/Grimma

Gerd Weigand freut sich immer, wenn es an einer Ampel piepst. Dann handelt es sich um eine akustische Ampelanlage, wie es sie etwa an der B 93 im Bornaer Gewerbegebiet Am Wilhelmschacht gibt. Für Leute wie Gerd Weigand eine wichtige Hilfe im öffentlichen Verkehr. Er ist sehbehindert und einer von etwa 80 Mitgliedern im Blinden- und Sehbehindertenverband im Landkreis Leipzig.

Orientierung in einer fremden Umgebung

Die Stadt Leipzig hat ein Blindenleitsystem in den Fußgängerzonen installiert. Kleinere Städte wie Borna und Grimma sind noch nicht so weit. Quelle: Kempner

Sich orientieren zu können, gehört zu den wesentlichen Schwierigkeiten für Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen. Das weiß jemand wie Frank Brümmel. Er ist der Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenverbandes und kann nicht mehr sehen, seit er mit 19 Jahren einen Unfall hatte. Wie problematisch es für einen Blinden (Brümmel: „Das ist man, wenn man sich nicht mehr allein orientieren kann.“) ist, ohne Begleitung unterwegs zu sein, daran lässt der 49-Jährige keinen Zweifel. Nicht unbedingt in Grimma, wo er sich auskennt. Wohl aber in einer fremden Umgebung, wo er sich zumindest beim ersten Mal nicht allein in Bewegung setzt.

Interessenkollision mit Rollstuhlfahrern

Wichtig sind Hilfsmittel wie Bordsteinkanten, an denen sich Menschen wie Frank Brümmel mit ihrem Blindenstock orientieren können. Schlecht sind dagegen Einebnungen zwischen Bürgersteig und Fahrbahn, wie sie bisweilen als zeitgemäß gelten. „Damit kommt dann nicht mal mehr ein Blindenhund zurecht“, sagt Brümmel. Weil Abflachungen von Bordsteinkanten wiederum als Erleichterung für Rollstuhlfahrer gelten, weiß der Vorsitzende des Kreisverbandes durchaus, dass es hier so etwas wie eine Interessenkollision geben könnte. Und er macht klar, dass dann Gespräche aller Beteiligter miteinander vonnöten sind.

Barrierefreier Umbau des Bornaer Bahnhofs

So wie es im Rahmen des sachsenweiten Projekts „Öffentlicher Personennahverkehr für alle“ geschieht. Deshalb geht er auch davon aus, dass beim geplanten barrierefreien Umbau des Bahnhofs in Borna neben den Belangen von Behinderten im Rollstuhl auch die Interessen von Blinden und Sehbehinderten berücksichtigt werden. So, wie es etwa in Markkleeberg an bestimmten Orten sowohl eine Auffahrt für Rollstuhlfahrer wie auch eine Orientierungskante für Blinde gibt.

Hilfe von Mitmenschen

Die freuen sich auf der einen Seite ebenso wie Menschen mit anderen Behinderungen darüber, wenn ihnen geholfen wird. „Andererseits macht es einen auch stolz, wenn man es allein schafft“, sagt Frank Brümmel. Weshalb der Königsweg für potenziell hilfsbereite Mitmenschen wohl darin besteht, zu fragen, ob jemand Hilfe benötigt.

Für die organisierten Menschen mit Seheinschränkungen im Landkreis gibt es mehrere Anlaufpunkte. Neben Anlaufstellen in Wurzen und Markkleeberg, die auf Zuruf besetzt sind, auch die Beratungsstelle im Landratsamt in der Bornaer Stauffenbergstraße, die donnerstags in der Zeit von 14 bis 16 Uhr besetzt ist (Telefonnummer 03433/24 14 06) sowie die Geschäftsstelle des Verbandes in Naunhof (Telefonnummer 034293/42 149).

Von Nikos Natsidis

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