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Borna Bau A 72: Göselaue vereint widrige Umstände
Region Borna Bau A 72: Göselaue vereint widrige Umstände
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05:00 12.06.2018
Hinter der Spundwand verläuft bei Rötha die B 95 durch die Göselaue. Davor soll demnächst eine Fahrbahn der A 72 gebaut werden. Quelle: Jens Paul Taubert
Rötha

Das Schwanenpärchen mit seinen fünf Jungen lässt sich nicht stören. Über einen dichten Wall aus sandgefüllten weißen Bigpacks schauen die Vögel seelenruhig auf die Baustelle unterhalb der B 95, die hier im Norden von Rötha über einen Wirtschaftsweg führt, der zugleich ein bedeutender Radweg zwischen den Seen im südlichen Neuseenland ist.

Autobahn führt über die Gösellache

Allerdings ist er seit mehr als sieben Jahren die meiste Zeit unpassierbar, weil er unter Wasser steht. Rechts und links davon haben sich im Laufe der Jahre große Wasserflächen gebildet, die als so genannte Gösellache mittlerweile zum Biotop geworden sind, auf dem sich nicht nur die Schwäne wohlfühlen. In den nächsten Jahren wird die Autobahn 72 darüber gebaut.

Deswegen die Mauer aus Bigpacks. Undurchdringlich für Wasser und zum Schutz der Tiere. „Die Wasserfläche dürfen wir nicht anfassen“, sagt Klaus-Peter Lechler vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv), der Projektleiter für den Autobahnabschnitt zwischen Rötha und Böhlen. Dieser Abschnitt ist höchst aufwendig und langwierig – gerechnet wird mit acht Jahren Bauzeit. Und hier bei Rötha, sagt Lechler, „finden wir alle widrigen Umstände, die man sich vorstellen kann, vereint.“

Drei Faktoren machen das Bauen schwierig

Er meint damit erstens die Tatsache, dass der Baugrund locker aufgefüllter Kippenboden ist. Zweitens muss unmittelbar neben der bestehenden B 95 gebaut werden. Und drittens steht am Baugrund unmittelbar das Grundwasser an.

Dem lockeren Boden will das Lasuv mit einer bis zu 15 Meter tief reichenden Verdichtung der gesamten Trasse zwischen Rötha und Böhlen begegnen. Zum Schutz der B 95-Trasse ist bereits eine riesige Spundwand in den Boden getrieben worden, die bis drei Meter über die Fahrbahn ragt. Dem Grundwasser schließlich erwehrt man sich im Moment noch mit der Abgrenzung gegen die Überflutungsflächen.

Ansteigendes Grundwasser hat in der Göselaue bei Rötha in den letzten Jahren diese Wasserlandschaft neben der B 95 (im Hintergrund zu sehen) entstehen lassen. Die A 72 soll mit einer Brücke darüber geführt werden. Quelle: Jens Paul Taubert

Überquert werden soll die Wasserlandschaft im Norden von Rötha mit drei Brücken. Eine führt über die Gösel selbst, die nächste soll die Überflutungsflächen überspannen, die dritte in Richtung Norden wird über den Zulauf zum Stöhnaer Becken führen. Damit steht die Autobahn auf Stelzen im Wasser. Was aber passiert darunter, wo sich an der seit 2011 andauernden Überflutung der Straße nichts ändern dürfte?

Rötha wollte Verbindung behalten

Es spricht keiner aus der Autobahnbaubehörde genau so aus, zwischen den Zeilen lässt sich aber gut heraushören: Das ist nicht die Sache des Lasuv. Was Steffen Batzke, Referatsleiter in der Behörde, sagt, ist: Der Freistaat hätte lieber einen Damm statt einer Brücke gebaut. „Wir hatten in der Planfeststellungsphase vorgeschlagen, den Weg zu unterbrechen, sagt Batzke, da der ja ohnehin schon seit Jahren nicht mehr zu benutzen gewesen sei. Rötha habe die Verbindung aber behalten wollen.

Aus mehreren Gründen. Der Weg, sagt der stellvertretende Bürgermeister Uwe Wellmann (CDU), sei eine wichtige Radwegeverbindung im Neuseenland, außerdem Zubringer für die Landwirtschaft. Wobei die Agrargenossenschaft Pötzschau ihn bei niedrigem Wasserstand wie jetzt sogar trotz allem nutze. Schließlich führe der Weg auch zu einer Kompostieranlage.

Verantwortlich für Befahrbarkeit ist LMBV

Verantwortlich, den Weg wieder befahrbar zu machen, ist die LMBV, weil der Grundwasseranstieg eine Bergbaufolge ist. Eine Sprecherin des Bergbausanierers hatte der LVZ schon Ende 2011 gesagt: „Die Wiederherstellung der Passierbarkeit des Wirtschaftsweges wird über Paragraf 3 des Verwaltungsabkommens zur Braunkohlesanierung realisiert.“ Grundwasser, so der Plan, sollte über einen Kanal in die Gösel abgeleitet werden. Geschehen ist bis heute nichts.

Was auch am Autobahnbau liegen könnte. Denn damit teilen sich jetzt drei Beteiligte – LMBV, Lasuv und die Stadt Rötha – den Ort einer Baustelle mit unterschiedlichen Interessenlagen. Mit der Hoffnung auf eine dauerhafte Lösung des Problems. „Es wird eine dreiseitige Vereinbarung geben“, sagt Lechler, „wir verhandeln noch.“ Dieser Zustand dauert allerdings schon etliche Monate an. Schwäne hatten es sich auf der überfluteten Fläche übrigens schon vor sieben Jahren gemütlich gemacht.

S 72 ist einseitig gesperrt – Umleitung über Nord-Ost-Anbindung

Für den letzten Abschnitt der künftigen A 72 laufen in Böhlen die bauvorbereitenden Maßnahmen an. Am Montag haben die Arbeiten für die Verlegung des Radweges zwischen Böhlen und Großdeuben begonnen. Das bringt dieser Tage die einseitige Sperrung der Staatsstraße 72 mit sich. Heißt: Wer von Großdeuben nach Böhlen will, muss die Umleitung über die B 95 und die gerade erst fertig gestellte Nord-Ost-Verbindung nutzen. Die Gegenrichtig ist derzeit noch befahrbar.

Für die Böhlener gibt es am Donnerstag um 19 Uhr eine Informationsveranstaltung im Kulturhaus. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr wird dort detailliert erklären, welche Auswirkungen der Autobahnbau mit sich bringt.

Von André Neumann

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